Schulunterricht im Wohnzimmer

Fernschulunterricht in Japan

Seit 50 Jahren hilft die Deutsche Fernschule mit Sitz in Wetzlar den Missionaren, ihre Kinder zu unterrichten. Rahel Gross lebt seit 2009 mit ihrer Familie in Japan. Zusammen mit ihrem Mann Andreas ist sie unter anderem in der Gemeindegründungsarbeit aktiv. Sie berichtet, wie unersetzlich ihr als Mutter von vier Kindern die Deutsche Fernschule geworden ist.

Rahel, seit wann nutzt Du die Deutsche Fernschule?
Ich habe die vergangenen vier Jahre mit dem Material der Deutschen Fernschule unterrichtet. In diesem Sommer endet für mich die Ära „Häuslicher Unterricht“, weil Elia und Malea ab September die Deutsche Schule in Yokohama besuchen werden.

Wie sieht der Unterricht praktisch aus?
Der Unterricht findet bei uns im Wohnzimmer statt. Während die zwei Kleinen spielen, sitzen die zwei Großen am Tisch und versuchen, konzentriert zu arbeiten (lacht). In der ersten und zweiten Klasse war ich noch sehr gefordert, weil ich alles vorlesen und die Aufgaben beaufsichtigen musste. Doch inzwischen muss ich nicht mehr so viel helfen – eher motivieren, weiterzuarbeiten –, sodass ich nebenher auch einmal Wäsche aufhängen, kochen oder sonst etwas im Haushalt machen kann.

Welche Unterlagen habt ihr zur Verfügung gestellt bekommen?
Wir bekommen das gesamte Unterrichtsmaterial von Deutschland zugesandt. Vor allem im Fach Sachkunde gab es neben den Arbeitsblättern auch noch einiges an zusätzlichem Material. Wir haben gemeinsam Bohnen gepflanzt, die Kinder konnten Versuche zum Thema Strom unternehmen, wir bauten gemeinsam einen funktionierenden Kran, ein Auto und eine stabile Brücke aus Streichhölzern.

Was sind eure Erfahrungen mit der Deutschen Fernschule?
Wir haben durchweg gute Erfahrungen mit der Deutschen Fernschule gemacht. Durch das komplett ausgearbeitete Programm musste ich nicht selbst auf die Suche nach passendem Unterrichtsmaterial gehen. Wir konnten den Unterricht wenn nötig flexibel gestalten und auch auf die Bedürfnisse unserer Kinder und unseren Arbeitsalltag als Missionarsfamilie eingehen. Zudem hatten wir in Deutschland eine nette Betreuungslehrerin.

Was fordert beim Fernunterricht besonders heraus?
Es fordert heraus, zu unterrichten, während gleichzeitig kleinere Geschwister ebenfalls Aufmerksamkeit benötigen. Weil ich zwei Kinder in unterschiedlichen Klassenstufen unterrichtet habe, musste oft eines warten, während ich dem anderen geholfen habe. Ich war zudem dadurch gefordert, dass manche der Aufgaben beziehungsweise Versuche (vor allem in Sachkunde) für mich kaum umsetzbar waren, weil ich immer noch zwei bis drei andere Kinder zu beschäftigen hatte. So haben wir manche Versuche nur in der Theorie besprechen können oder wir waren eben als ganze Familie unterwegs, um beispielsweise eine Verkehrszählung zu machen.

Was schätzt ihr an der Fernschule?
Wir schätzen an der Fernschule, dass sie uns ein gut ausgearbeitetes Programm zur Verfügung stellt, mit dem unsere Kinder auch für den Wechsel in eine deutsche Schule gut vorbereitet sind. Ich fand es sehr gut, dass ich durch den Fernschulunterricht viele Freiheiten hatte, das Programm an unsere jeweilige Familiensituation anzupassen. Wenn wir zum Beispiel Missionarstreffen hatten, gab es an diesem Tag einfach keine Schule. Vor dem Sommer versuchten wir immer, so viel wie möglich durchzuarbeiten, sodass wir in der schwülen und heißen Zeit nicht so viel Unterricht machen mussten. In den Arbeitsblättern ging es immer wieder auch darum, dass Gott uns Menschen liebt und dass er die Welt wunderbar geschaffen hat. Das finde ich spitze!

Die Deutsche Fernschule bietet staatlich zugelassenen Fernschulunterricht für deutschsprachige Vorschul- und Grundschulkinder im Ausland an. Zu den Schülern gehören Kinder unter anderem von Entwicklungshelfern, Diplomaten, Managern und Missionaren. Die Schule befindet sich in Trägerschaft eines gemeinnützigen Vereins.

Christen putzen Polizeistation

Putzaktion in Sambia

Auf ungewöhnliche Art und Weise gaben Christen in Sambia mit Liebenzellern Missionaren Gottes Liebe weiter: Sie putzen in der Hauptstadt Lusaka eine Polizeistation. In Sambia werden zwar die öffentlichen Einrichtungen vom Staat gebaut, allerdings fehlt oft das Geld zur Instandhaltung und für die Reinigung. Deswegen war die Polizei dankbar, dass die Christen ihnen danach auch neue Reinigungsmittel und Besen geschenkt haben.

An der dreistündigen Putzaktion beteiligten sich 25 Mitglieder und Besucher der Gemeinde. Sie reinigten die Böden und Oberflächen, mähten den Rasen, sammelten Müll ein und räumten den Vorplatz und die Station auf. „Die Polizisten haben sich gefreut, dass wir vorbeikamen und ihnen gedient haben“, sagte Markus Müller. In der Station gab es eine kleine Zelle, in der rund acht Männer untergebracht waren. Auch sie waren dankbar, dass die Christen putzten und sich mit ihnen unterhielten. „Am Ende durften wir für sie beten.“

Markus und Jana Müller freuen sich, dass sie über die Putzaktion die Gemeinde im praktischen Einsatz besser kennenlernen konnten. „Außerdem haben wir viel über die Kultur und Struktur im Land gelernt, auch im Öffentlichen Bereich.“ Für die Gemeinde war es bereichernd, ganz praktisch in ihrem Stadtteil dienen und so Gottes Liebe weitergeben zu können. Samuel Meier und Pastor Godfrey Mambwe haben die Aktion initiiert und koordiniert.

Es sind nun weitere solche Aktionen geplant. Denkbar ist eine Art Stadt-Putzete, in der Müll in der Umgebung aufgesammelt wird. Ebenso könnte bei einer weiteren öffentlichen Einrichtung geputzt werden. Auch soll das Sportangebot auf dem Gelände der Gemeinde ausgebaut werden. Die Gemeinde vermietet ebenfalls Räume für Gruppen aus dem Ort. So hatte zum Beispiel eine Krankenschwestern-Schule die Räume für einige Wochen gebucht, um weitere Kurse anbieten zu können. Ebenso gibt es einen Brunnen auf dem Gelände, bei dem jederzeit Menschen aus der Nachbarschaft Wasser holen können. Denn das Motto der Baptist Community Church lautet: „Wir wollen Gott ehren, indem wir Menschen zu Jüngern machen, sie zur authentischen Anbetung führen und mit Gottes Liebe Einzelpersonen, Paaren, Familien, Gemeinden und Nationen im Ausland erreichen. Unser Fundament ist das Wort Gottes und die biblische Gemeinschaft.“

Markus und Jana Müller sind seit April 2022 als Missionare in Sambia im Einsatz. Sie verstärken das Team in der Gemeindegründung in der Hauptstadt Lusaka. Markus studierte am Theologischen Seminar der Liebenzeller Mission und war als Landesjugendreferent beim Südwestdeutschen Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) tätig. Jana arbeitete bis zur Geburt ihres ersten Kindes als Sozialwirtin in der Verwaltung einer Jugendhilfeeinrichtung.

„Als Berliner werde ich immer Liebenzeller bleiben!“

Inka und Christoph Scharf

Christoph Scharf, Absolvent des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, arbeitete 20 Jahre in der Gemeindegründung in Mecklenburg-Vorpommern und wechselt nun in eine Berliner Gemeinde. Er berichtet, was seine Arbeit ausmachte.

Christoph, was hast Du in Mecklenburg-Vorpommern gemacht?
Ich verlasse nach 20 Jahren Mecklenburg-Vorpommern. Zunächst war ich acht Jahre in Schwerin tätig und nun zwölf Jahre in Bad Doberan unmittelbar an der Ostsee gelegen. In dem Städtchen mit knapp 13.000 Einwohnern gab es seit 1978 ein Freizeitheim des Mecklenburgischen Gemeinschaftsverbandes mit Vollversorgung und Hauseltern. Als 2007 der große G8-Gipfel im Stadtteil Heiligendamm stattfand, überlegte man, das Haus zu verkaufen und im benachbarten Kühlungsborn ein neues Freizeitheim zu bauen, was sich Gott sei Dank zerschlug. Zeitgleich kam der Gedanke auf, hier in Bad Doberan eine Gemeinde zu bauen. Dazu wurden wir angefragt. Wir haben mit einem kleinen Team angefangen, das sich wöchentlich traf und überlegten, wie wir eine Gemeinde gründen können. Wir schulten Mitarbeiter und beteten vor allem sehr viel. Gerade das Gebet legte die Grundlage, dass eine Gemeinde gewachsen ist. Dabei halfen uns auch die Willow-Creek-Kongresse und Impulse: „Die Ortsgemeinde ist die Hoffnung der Welt.“ Oder: „Was würde dieser Stadt fehlen, wenn es uns als Gemeinde ‚Haus Gottesfrieden‘ nicht mehr geben würde?“ Wir fragen uns immer wieder: „Was wollen wir sein?“ Unsere Antwort: Wir wollten in dem areligiösen Kontext Jesus bekannt machen. Ferner wollten wir für die Menschen da sein und ihnen etwas geben, das sie vermissen würden, wenn es uns nicht mehr gebe. Und daraus ist eben eine Gemeinde gewachsen.

Wie viele Mitarbeiter wart ihr im Schnitt?
Wir hatten bis zu 16 Mitarbeiter in der Spitze. Wir hatten zeitweise bis zu drei Kindergottesdienstgruppen. Wir hatten auch ein super Musik-Team. Zu Ostern boten wir mehrere Jahre Lobpreis-Abende an. Bis zur Corona-Pandemie zählten wir bis 70 Gottesdienstbesucher. Für unseren Ort und für den Mecklenburgischen Gemeinschaftsverband waren wir eine relativ große Gemeinde. Dabei waren rund ein Drittel der Besucherinnen und Besucher gar keine Christen, sondern schlicht Menschen, die sich einfach nur bei uns wohlgefühlt haben. Unsere Gottesdienste finden immer um 15 Uhr statt, da wir noch bis 2015 ein Freizeitheim für Selbstversorger waren, deshalb konnten wir keine früheren Gottesdienste anbieten. Und das haben wir dann auch bewusst so beibehalten. Alle zwei Wochen boten wir Kaffee und Kuchen an und viele sind dann erst nach 18 Uhr gegangen. So hatte ich mir immer Gemeinde vorgestellt, bei der wir füreinander beteten. Mit der Corona-Pandemie hat sich die Gemeinde komplett verändert. So sind viele in andere Gemeinden abgewandert, die größere Räume hatten und ihre Gottesdienste daher nicht auf Online-Angebote umstellen mussten. Hinzu kamen massive Eheprobleme bei Gemeindemitgliedern. Außerdem wechselten einige Mitarbeiter die Gemeinde. Leider ist die Gemeinde aus diesem „Winterschlaf“ noch nicht ganz aufgewacht. Wenn wir heute 20 bis 25 Gottesdienstbesucher sind, sind wir schon glücklich.

Was waren Deine Höhepunkte in Deiner Arbeit?
Wir haben uns an allen Festen beteiligt. So haben wir bei einer Kulturnacht unser Haus geöffnet. Beim Kinderfest haben wir Spiele angeboten, die Kinderzentrale der Liebenzeller Mission unterstützte uns dabei. Auch auf dem Weihnachtsmarkt waren wir mit einem Stand vertreten, ich durfte sogar auf der Bühne moderieren. Und wir organisierten Luther-Feste, beim letzten 2019 kamen fast 300 Menschen zu uns. Dabei gab es viele mittelalterliche Stände mit Handwerkskunst, Bogenschießen und Kostümwettbewerben. Wir wollten der Stadt auch immer Möglichkeiten geben zu feiern. Dem regelrechten Halloween-Wahn am 31. Oktober wollten wir angstfreie Zonen entgegensetzen. Dazu kamen Missionsvorträge, Freiluftgottesdienste und das von Willow Creek inspirierte „Abenteuerland“ für Kinder. Wir versuchten so oft wie möglich präsent zu sein. Und das würdigte der Bürgermeister auch bei meinem Abschied. Dabei bedankte er sich dafür, dass wir uns so sehr in und für die Stadt engagiert haben. Wir wollten auffallen und Menschen ganz klar auf Jesus hinweisen. Wir machten deutlich, dass unser Haus nicht nur „Gottesfrieden“ heißt, sondern dass man ihn hier auch findet. Das war unser Ziel und unsere Aufgabe.

Was hat Dich geprägt?
Bei meiner Einsegnung 2002 im Missionszelt überreichte mir der damalige Direktor Pfarrer Hanspeter Wolfsberger, der ein großer Befürworter der Missionsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern und mein persönlicher Seelsorger war, mit einem Lächeln den Bibelspruch aus Jesaja 41,13: „Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!“ Dieser Vers ist mir tatsächlich ein Programm geworden für mein bisheriges Leben: Ich konnte, egal, wo ich auch hingegangen bin oder es mir manchmal gar nicht vorstellen konnte, erleben, wie Gott meine rechte Hand fasst, auch die meiner Familie. Diese helfende Hand habe ich immer wieder erlebt. Die Gemeindearbeit hier war ein Familienprojekt! Die Gottesdienstbesucher lobten wiederholt, dass wir uns mit unseren fünf Kindern in die Gemeindearbeit eingebracht haben: Zum Beispiel im Technikteam, in der Kinder- und Jugendarbeit oder bei der Musik. Und ich freue mich, dass unsere Tochter Pia seit Ende August mit dem impact-Team an der Amano-Schule in Sambia für ein Jahr den Dienst in der Liebenzeller Mission fortführt, nachdem ich dort nun aufhöre.

Du wechselst nun in die Landeskirchliche Gemeinschaft nach Berlin-Spandau. Was ist dort Deine Aufgabe?
Bereits vor drei Jahren vereinbarte ich mit der Liebenzeller Mission, dass ich 2022 nach dem Ausbildungsabschluss einer unserer Töchter als Multiplikator und Botschafter für die Missionsarbeit in eine Gemeindearbeit wechsle und Platz mache für die nächste Generation im Gemeindegründungsteam. Die Landeskirchliche Gemeinschaft in Berlin-Spandau, meine Heimatgemeinde, die mich vor 25 Jahren in die Ausbildung nach Bad Liebenzell ausgesandt hat, fragte mich mehrfach an, ob ich nicht als Pastor zu ihnen wechseln könnte. Dort gab es seit ihrer Gründung vor über 60 Jahren stets Prediger aus Liebenzell.

Was nimmst Du aus Bad Doberan und Mecklenburg-Vorpommern mit?
Ich nehme die Begeisterung und das Wissen mit, dass Gemeindebau auch in schwierigen Gebieten möglich ist, wo es sehr viel Atheismus gibt. Ich bin dabei weniger der klassische Gemeindegründer als vielmehr Gemeindebeleber. Es gibt in Berlin Überlegungen, ein Ausbildungskonzept für „Zeltmacher“ zu entwickeln, Menschen also theologisch zu schulen, die weiter in ihrem Beruf arbeiten und bewusst in Gegenden ziehen, in denen sich Gemeinden keinen hauptberuflichen Pastoren leisten können.

Wie bleibt die Beziehung zur Liebenzeller Mission bestehen?
Ich bleibe Liebenzeller! Das ist meine Heimat. Wir werden mit der Jungen Kirche Berlin-Treptow, einem Gemeindegründungsprojekt der Liebenzeller Mission, ein regionales Missionsfest planen. Ich werde auf jeden Fall der Liebenzeller Mission treu bleiben, auch wenn ich nun in einer Gemeinde innerhalb des Gemeinschaftsverbandes Berlin-Brandenburg arbeite. Wo die Liebenzeller Mission auftaucht, bin ich dabei. Ich bin sehr dankbar für alle Unterstützer und Beter, die uns in diesen 20 Jahren unterstützt haben.

Hinter den Vorhang der Religiosität blicken

Inka und Christoph Scharf

Christoph Scharf, Absolvent des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, arbeitete 20 Jahre in der Gemeindegründung in Mecklenburg-Vorpommern und wechselt nun in eine Berliner Gemeinde. Er berichtet, was seine Arbeit ausmachte.

Christoph, was hast Du in Mecklenburg-Vorpommern gemacht?
Ich verlasse nach 20 Jahren Mecklenburg-Vorpommern. Zunächst war ich acht Jahre in Schwerin tätig und nun zwölf Jahre in Bad Doberan unmittelbar an der Ostsee gelegen. In dem Städtchen mit knapp 13.000 Einwohnern gab es seit 1978 ein Freizeitheim des Mecklenburgischen Gemeinschaftsverbandes mit Vollversorgung und Hauseltern. Als 2007 der große G8-Gipfel im Stadtteil Heiligendamm stattfand, überlegte man, das Haus zu verkaufen und im benachbarten Kühlungsborn ein neues Freizeitheim zu bauen, was sich Gott sei Dank zerschlug. Zeitgleich kam der Gedanke auf, hier in Bad Doberan eine Gemeinde zu bauen. Dazu wurden wir angefragt. Wir haben mit einem kleinen Team angefangen, das sich wöchentlich traf und überlegten, wie wir eine Gemeinde gründen können. Wir schulten Mitarbeiter und beteten vor allem sehr viel. Gerade das Gebet legte die Grundlage, dass eine Gemeinde gewachsen ist. Dabei halfen uns auch die Willow-Creek-Kongresse und Impulse: „Die Ortsgemeinde ist die Hoffnung der Welt.“ Oder: „Was würde dieser Stadt fehlen, wenn es uns als Gemeinde ‚Haus Gottesfrieden‘ nicht mehr geben würde?“ Wir fragen uns immer wieder: „Was wollen wir sein?“ Unsere Antwort: Wir wollten in dem areligiösen Kontext Jesus bekannt machen. Ferner wollten wir für die Menschen da sein und ihnen etwas geben, das sie vermissen würden, wenn es uns nicht mehr gebe. Und daraus ist eben eine Gemeinde gewachsen.

Wie viele Mitarbeiter wart ihr im Schnitt?
Wir hatten bis zu 16 Mitarbeiter in der Spitze. Wir hatten zeitweise bis zu drei Kindergottesdienstgruppen. Wir hatten auch ein super Musik-Team. Zu Ostern boten wir mehrere Jahre Lobpreis-Abende an. Bis zur Corona-Pandemie zählten wir bis 70 Gottesdienstbesucher. Für unseren Ort und für den Mecklenburgischen Gemeinschaftsverband waren wir eine relativ große Gemeinde. Dabei waren rund ein Drittel der Besucherinnen und Besucher gar keine Christen, sondern schlicht Menschen, die sich einfach nur bei uns wohlgefühlt haben. Unsere Gottesdienste finden immer um 15 Uhr statt, da wir noch bis 2015 ein Freizeitheim für Selbstversorger waren, deshalb konnten wir keine früheren Gottesdienste anbieten. Und das haben wir dann auch bewusst so beibehalten. Alle zwei Wochen boten wir Kaffee und Kuchen an und viele sind dann erst nach 18 Uhr gegangen. So hatte ich mir immer Gemeinde vorgestellt, bei der wir füreinander beteten. Mit der Corona-Pandemie hat sich die Gemeinde komplett verändert. So sind viele in andere Gemeinden abgewandert, die größere Räume hatten und ihre Gottesdienste daher nicht auf Online-Angebote umstellen mussten. Hinzu kamen massive Eheprobleme bei Gemeindemitgliedern. Außerdem wechselten einige Mitarbeiter die Gemeinde. Leider ist die Gemeinde aus diesem „Winterschlaf“ noch nicht ganz aufgewacht. Wenn wir heute 20 bis 25 Gottesdienstbesucher sind, sind wir schon glücklich.

Was waren Deine Höhepunkte in Deiner Arbeit?
Wir haben uns an allen Festen beteiligt. So haben wir bei einer Kulturnacht unser Haus geöffnet. Beim Kinderfest haben wir Spiele angeboten, die Kinderzentrale der Liebenzeller Mission unterstützte uns dabei. Auch auf dem Weihnachtsmarkt waren wir mit einem Stand vertreten, ich durfte sogar auf der Bühne moderieren. Und wir organisierten Luther-Feste, beim letzten 2019 kamen fast 300 Menschen zu uns. Dabei gab es viele mittelalterliche Stände mit Handwerkskunst, Bogenschießen und Kostümwettbewerben. Wir wollten der Stadt auch immer Möglichkeiten geben zu feiern. Dem regelrechten Halloween-Wahn am 31. Oktober wollten wir angstfreie Zonen entgegensetzen. Dazu kamen Missionsvorträge, Freiluftgottesdienste und das von Willow Creek inspirierte „Abenteuerland“ für Kinder. Wir versuchten so oft wie möglich präsent zu sein. Und das würdigte der Bürgermeister auch bei meinem Abschied. Dabei bedankte er sich dafür, dass wir uns so sehr in und für die Stadt engagiert haben. Wir wollten auffallen und Menschen ganz klar auf Jesus hinweisen. Wir machten deutlich, dass unser Haus nicht nur „Gottesfrieden“ heißt, sondern dass man ihn hier auch findet. Das war unser Ziel und unsere Aufgabe.

Was hat Dich geprägt?
Bei meiner Einsegnung 2002 im Missionszelt überreichte mir der damalige Direktor Pfarrer Hanspeter Wolfsberger, der ein großer Befürworter der Missionsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern und mein persönlicher Seelsorger war, mit einem Lächeln den Bibelspruch aus Jesaja 41,13: „Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!“ Dieser Vers ist mir tatsächlich ein Programm geworden für mein bisheriges Leben: Ich konnte, egal, wo ich auch hingegangen bin oder es mir manchmal gar nicht vorstellen konnte, erleben, wie Gott meine rechte Hand fasst, auch die meiner Familie. Diese helfende Hand habe ich immer wieder erlebt. Die Gemeindearbeit hier war ein Familienprojekt! Die Gottesdienstbesucher lobten wiederholt, dass wir uns mit unseren fünf Kindern in die Gemeindearbeit eingebracht haben: Zum Beispiel im Technikteam, in der Kinder- und Jugendarbeit oder bei der Musik. Und ich freue mich, dass unsere Tochter Pia seit Ende August mit dem impact-Team an der Amano-Schule in Sambia für ein Jahr den Dienst in der Liebenzeller Mission fortführt, nachdem ich dort nun aufhöre.

Du wechselst nun in die Landeskirchliche Gemeinschaft nach Berlin-Spandau. Was ist dort Deine Aufgabe?
Bereits vor drei Jahren vereinbarte ich mit der Liebenzeller Mission, dass ich 2022 nach dem Ausbildungsabschluss einer unserer Töchter als Multiplikator und Botschafter für die Missionsarbeit in eine Gemeindearbeit wechsle und Platz mache für die nächste Generation im Gemeindegründungsteam. Die Landeskirchliche Gemeinschaft in Berlin-Spandau, meine Heimatgemeinde, die mich vor 25 Jahren in die Ausbildung nach Bad Liebenzell ausgesandt hat, fragte mich mehrfach an, ob ich nicht als Pastor zu ihnen wechseln könnte. Dort gab es seit ihrer Gründung vor über 60 Jahren stets Prediger aus Liebenzell.

Was nimmst Du aus Bad Doberan und Mecklenburg-Vorpommern mit?
Ich nehme die Begeisterung und das Wissen mit, dass Gemeindebau auch in schwierigen Gebieten möglich ist, wo es sehr viel Atheismus gibt. Ich bin dabei weniger der klassische Gemeindegründer als vielmehr Gemeindebeleber. Es gibt in Berlin Überlegungen, ein Ausbildungskonzept für „Zeltmacher“ zu entwickeln, Menschen also theologisch zu schulen, die weiter in ihrem Beruf arbeiten und bewusst in Gegenden ziehen, in denen sich Gemeinden keinen hauptberuflichen Pastoren leisten können.

Wie bleibt die Beziehung zur Liebenzeller Mission bestehen?
Ich bleibe Liebenzeller! Das ist meine Heimat. Wir werden mit der Jungen Kirche Berlin-Treptow, einem Gemeindegründungsprojekt der Liebenzeller Mission, ein regionales Missionsfest planen. Ich werde auf jeden Fall der Liebenzeller Mission treu bleiben, auch wenn ich nun in einer Gemeinde innerhalb des Gemeinschaftsverbandes Berlin-Brandenburg arbeite. Wo die Liebenzeller Mission auftaucht, bin ich dabei. Ich bin sehr dankbar für alle Unterstützer und Beter, die uns in diesen 20 Jahren unterstützt haben.