Menschen einladen, Freundschaft leben, Glauben teilen

Felix und Jes­si­ca Unger haben an der Inter­na­tio­na­len Hoch­schu­le Lie­ben­zell stu­diert – Felix Evan­ge­li­sche Theo­lo­gie und Jes­si­ca Theo­lo­gie und Sozia­le Arbeit im inter­kul­tu­rel­len Kon­text. Nach­dem sie zuerst beim SWD-EC-Ver­band als Jugend­re­fe­ren­ten gear­bei­tet haben, sind sie seit April 2021 in Spa­ni­en. Der­zeit sind sie in Deutsch­land unter­wegs, um von ihrer Arbeit zu berich­ten. Wir haben Felix eini­ge Fra­gen gestellt.

Seit vier Jah­ren bist du zusam­men mit dei­ner Fami­lie in Spa­ni­en. Was macht ihr konkret?
Wir sind in Spa­ni­en im Gemein­bau in Cul­lera, einer Stadt süd­lich von Valen­cia. Dort gibt es zwei evan­ge­li­sche Gemein­den, in einer arbei­ten wir. Letz­tes Jahr haben wir die Gemein­de­ver­ant­wor­tung übernommen.
Oft wer­den evan­ge­li­sche Gemein­den in Spa­ni­en als Sek­ten gese­hen. Des­halb ist es unser Ziel, die Gemein­de in der Stadt trans­pa­rent und sicht­ba­rer zu machen. Dadurch wol­len wir Vor­ur­tei­le abbau­en, damit Leu­te Jesus ken­nen­ler­nen kön­nen. Man­ches in unse­rer Arbeit ist wie in Deutsch­land. Wir set­zen uns ein für Jün­ger­schaft, Glau­bens­kur­se, Kin­der- und Jugend­ar­beit und per­sön­li­che Beglei­tung. Es ist uns aber auch wich­tig, in der Gemein­de nicht nur als „Pas­tor“, son­dern auch als „misione­ro“ wahr­ge­nom­men zu wer­den. Das heißt, dass wir auch Kon­tak­te und Bezie­hun­gen außer­halb der Gemein­de bewusst suchen und pfle­gen. Wir laden Leu­te nach Hau­se ein, leben Freund­schaft, tei­len Glauben.

Was schätzt du an der Men­ta­li­tät der Spa­ni­er und was for­dert dich heraus?
Die Spa­ni­er genie­ßen das Leben, sind viel drau­ßen unter­wegs und sind in der ers­ten Begeg­nung sehr freund­lich, beson­ders Kin­dern gegen­über. Mir gefällt, dass ver­schie­de­ne Gene­ra­tio­nen hier nicht unter sich blei­ben. Alt und Jung sind viel zusam­men. Freun­de kön­nen oft auch viel älter sein als man selbst. In Deutsch­land bleibt man oft im sel­ben Alters­spek­trum. Spa­ni­er sind sehr direkt, manch­mal sogar noch direk­ter als Deut­sche. Sie sind nicht immer unbe­dingt diplo­ma­tisch, son­dern sehen manch­mal Din­ge sehr schwarz-weiß. Das ist ab und zu gewöhnungsbedürftig.

Was war für dich ein High­light in eurer Gemein­de in der letz­ten Zeit?
Da gab es ver­schie­de­ne. Eine Trau­ung und vier Tau­fen zum Bei­spiel. Stark fand ich, dass
Leu­te aus der Gemein­de bereit waren, wäh­rend unse­rer Deutsch­land-Zeit mehr Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, was bis­her nicht immer der Fall war. Wenn Men­schen Schrit­te im Glau­ben gehen, ist das jedes Mal ein Highlight.

Wel­chen Tipp hast du für Men­schen, die sich über­le­gen, selbst als Mis­sio­na­re ins Aus­land zu gehen?
Im Kon­text von Spa­ni­en wür­de ich sagen: Unbe­küm­mert­heit, Klar­heit und Fle­xi­bi­li­tät. Für die jet­zi­ge Gene­ra­ti­on ist es wich­tig, zum einen ein biss­chen unbe­küm­mert an eine Auf­ga­be ran­zu­ge­hen, gleich­zei­tig aber auch Klar­heit zu haben und von Gott zu wis­sen, dass der Schritt dran ist. Außer­dem braucht es Fle­xi­bi­li­tät, wenn sich Din­ge anders ent­wi­ckeln als erhofft oder als sie bespro­chen wur­den. Gege­be­nen­falls muss man auch mal sei­ne Ide­al­vor­stel­lun­gen bei­sei­te legen, wenn man merkt, dass was ande­res vor Ort benö­tigt wird.

Was ist für dich der größ­te Genuss, wenn du in Deutsch­land bist?
Nach zwei Jah­ren Spa­ni­en zurück­zu­kom­men, beim deut­schen Bäcker eine Lau­gen­stan­ge zu kau­fen, rein­zu­bei­ßen und zu bemer­ken, was man ver­misst hat, ist ein­fach herr­lich. Außer­dem ist es natür­lich wun­der­schön, Freun­de und Fami­lie zu sehen und mit­zu­er­le­ben, wie es unse­re Kin­der fei­ern, end­lich mal wie­der Oma und Opa zu treffen.

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„Alle zehn Tage wird eine neue Gemeinde gegründet“

Micha­el und Tina Eck­stein sind seit 2009 als Mis­sio­na­re in Frank­reich im Ein­satz. Seit 2022 leben und arbei­ten sie in Nan­tes und brin­gen sich in der Gemein­de­ar­beit ein mit dem Ziel, eine Toch­ter­ge­mein­de zu grün­den. Micha­el ist außer­dem Team­lei­ter der Frank­reich-Mis­sio­na­re. Der­zeit ist er in Deutsch­land und berich­tet von sei­ner Arbeit. Wir haben ihm eini­ge Fra­gen gestellt.

Ihr wart vie­le Jah­re in der Gemein­de­ar­beit in der länd­lich gepräg­ten Nor­man­die im Ein­satz, jetzt in der Stadt Nan­tes. Wie unter­schei­det sich Gemein­de­grün­dung auf dem Land und in der Stadt?
In der Stadt gibt es mehr Fluk­tua­ti­on. Es gibt in Nan­tes zum Bei­spiel eine christ­li­che Buch­hand­lung, die nur von Ehren­amt­li­chen gelei­tet wird. Dadurch, dass sie auch einen Paket­dienst haben, kom­men vie­le Leu­te vor­bei. Die­ses Kon­zept wür­de auf dem Land weni­ger gut funktionieren.
Man­che Men­schen sind in der Stadt offe­ner – offen für alles, auch ande­re z. B. reli­giö­se Über­zeu­gun­gen und eine tra­di­tio­nel­le Prä­gung hat dann auch weni­ger Gewicht. Die Fluk­tua­ti­on bringt mehr Geschäf­tig­keit mit sich. Die Wege, die die Leu­te zurück­lie­gen müs­sen, wer­den aber nicht unbe­dingt kür­zer, nur weil man in der Stadt lebt. Was gleich ist: Man muss in Bezie­hun­gen inves­tie­ren und dafür viel Zeit aufbringen.

Kir­che und Staat sind in Frank­reich strikt getrennt. Macht das die Gemein­de­grün­dung ein­fa­cher oder schwieriger?
Es gibt Din­ge, die Gemein­de­grün­dung erleich­tern, aber auch Din­ge, die sie erschwe­ren. Man kann es nicht direkt ver­glei­chen. 120 Jah­re Lai­zi­tät in Frank­reich haben defi­ni­tiv Spu­ren hin­ter­las­sen. Reli­gi­on gehört zwar zum Leben, aber wenn mög­lich im Pri­va­ten. Der Ursprung der Tren­nung von Staat und Kir­che war dazu gedacht, reli­giö­se Min­der­hei­ten zu schüt­zen. Heu­te wird sie oft dazu genutzt, Schran­ken auf­zu­bau­en, wie Reli­gi­on begrenzt wer­den kann. Da hat sich etwas verschoben.
Die Tren­nung von Kir­che und Staat hat die Säku­la­ri­sie­rung in Frank­reich aus mei­ner Sicht beschleu­nigt. Die ist in Frank­reich noch viel stär­ker fort­ge­schrit­ten als in Deutsch­land. Wobei mei­ne Beob­ach­tung ist, dass es in Deutsch­land in eine ähn­li­che Rich­tung geht. In Frank­reich ist man sich aber mehr bewusst, dass man wenig vom Glau­ben weiß. Eini­ge Leu­te haben rea­li­siert, dass sie kei­ne Ahnung vom Glau­ben haben. Das bie­tet wie­der­um Chan­cen und das fin­de ich spannend.

Meh­re­re Medi­en berich­te­ten in letz­ter Zeit, dass die Anzahl evan­ge­li­kal-pro­tes­tan­ti­scher Gemein­den rasant gewach­sen sei. Ist das auch dei­ne Beobachtung?
Ja, je nach­dem, was man rasant nennt. Die Sta­tis­ti­ken ent­wi­ckeln sich zwar noch nicht so, wie man­che es sich wün­schen. Aber etwa alle zehn Tage wird eine Gemein­de gegrün­det. Und da sind schon die Gemein­den abge­zo­gen, die schlie­ßen. Das ist schon eine sehr posi­ti­ve Ent­wick­lung. Auf der Ebe­ne der Evan­ge­li­schen Alli­anz hat man erkannt, dass Gemein­de­grün­dung ein Schlüs­sel ist, Frank­reich mit dem Evan­ge­li­um zu errei­chen. Das Ziel ist, dass es eine Gemein­de auf 10.000 Ein­woh­ner gibt. Es geht dabei jedoch nicht dar­um, ein­fach einen Zah­len­wert zu erfül­len. Damit steigt ein­fach die Wahr­schein­lich­keit, dass Leu­te in ihrem Umfeld Chris­ten begeg­nen. Aktu­ell ste­hen wir bei einer Gemein­de auf 29.000 Ein­woh­ner. Das zeigt, dass wir schon noch weit vom Ziel ent­fernt sind.

Gibt ein Erleb­nis oder eine Begeg­nung in der letz­ten Zeit, die dich beson­ders bewegt hat?
Ich kam kürz­lich mit einer Per­son ins Gespräch, die lan­ge weg war vom christ­li­chen Glau­ben. Mit 18 Jah­ren hat sie sich tau­fen las­sen, hat sich dann aber nach 2–3 Jah­ren vom Glau­ben ent­fernt. Der Haupt­grund war, dass sie nicht wuss­te, wie man als Christ mit Sün­de umgeht. Sie kam nicht mehr in den Got­tes­dienst, weil sie sich dafür nicht wür­dig fand. Ins­ge­samt hat sie über 20 Jah­re „ohne Gott“ gelebt. Gott hat ihr dann wun­der­ba­re Begeg­nun­gen mit Men­schen geschenkt, unter ande­rem in der christ­li­chen Buch­hand­lung. Was sie dann mit die­sen Men­schen und mit Gott erlebt hat, hat bei ihr einen Hei­lungs­pro­zess in Gang gesetzt. Nach ein paar Mona­ten hat sich ihre Aus­strah­lung stark ver­än­dert. Heu­te erle­be ich eine ganz ande­re Per­sön­lich­keit bei ihr.
Sie erzähl­te mir außer­dem, dass Gott ihr ein ganz beson­de­res Geschenk gemacht hat. In einem Got­tes­dienst ging es um die Josef-Geschich­te. Das The­ma der Pre­digt war Ver­söh­nung und ob es etwas gibt, was man im eige­nen Leben in Ord­nung brin­gen soll­te. Die­ses The­ma hat sie nicht los­ge­las­sen. Sie hat­te den Ein­druck, dass sie ihren leib­li­chen Vater kon­tak­tie­ren soll­te, den sie mehr als 30 Jah­re nicht gese­hen hat­te. Nach­dem sie her­aus­ge­fun­den hat­te, wo er wohn­te, schrieb sie ihm einen Brief. Genau in die­ser Zeit lag ihr Vater im Kran­ken­haus. Aus die­sem Brief her­aus ent­stan­den Tele­fo­na­te und Tref­fen. Die Begeg­nun­gen und gar die Ver­söh­nung mit ihrem Vater waren für sie ein beson­de­res Geschenk Got­tes, das sie nicht für mög­lich gehal­ten hätte.

Du bist unser Team­lei­ter in Frank­reich und wünschst dir neue Mis­sio­na­re für euer Team. Wel­che Vor­aus­set­zun­gen müs­sen sie denn mit­brin­gen und was kön­nen sie bei euch erwarten?
Freu­de, sich auf ande­re Leu­te ein­zu­las­sen und eine ande­re Kul­tur zu ent­de­cken, die vor­der­grün­dig ähn­lich, aber dann doch sehr ver­schie­den sein kann. Außer­dem auch das Vor­recht, eine ande­re Spra­che zu ler­nen und zu sehen, was Gott woan­ders tut. Sie kön­nen mit­be­kom­men, wie Gott Gemein­de wach­sen lässt mit allen Höhen und Tie­fen. Hier kön­nen sie mit­hel­fen mit den Gaben, die sie selbst mit­brin­gen – egal, ob es im theo­lo­gi­schen, sozia­len oder päd­ago­gi­schen Bereich ist. Wir freu­en uns über neue Kol­le­gen in Frank­reich in unse­rem Team!

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Exit Game der Liebenzeller Mission

Ganz neu und unser Tipp für den Som­mer: Lüf­tet „das Geheim­nis der Sil­ber­wa­ren­fa­brik“ und spielt das ganz neue Exit-Game auf dem Missionsberg.

Lie­ben­zell, 1896. Eine Grup­pe Kauf­leu­te beginnt vol­ler Taten­drang mit dem Bau einer Sil­ber­wa­ren­fa­brik am Non­nen­bu­ckel. Alles läuft nach Plan: Sil­ber wird gelie­fert, dazu fun­keln­de Edel­stei­ne – Sma­rag­de, Rubi­ne und Saphi­re. Doch dann das Uner­war­te­te: Der Bau wird gestoppt, das Gelän­de muss geräumt wer­den. Das Sil­ber wird abtrans­por­tiert – aber wo sind die Edel­stei­ne? Sie sind plötz­lich ver­schwun­den. Die Kauf­leu­te suchen tage­lang – mit Hel­fern, Spür­hun­den und jeder Men­ge Fra­gen. Doch der Schatz bleibt ver­schwun­den. Bis heute.

Begebt euch auf ein span­nen­des Aben­teu­er auf dem Mis­si­ons­berg, folgt den Spu­ren der Ver­gan­gen­heit und ent­schlüs­selt das Geheim­nis der Silberwarenfabrik.

Das Spiel ist für Erwach­se­ne kon­zi­piert. Aber es ist auch für Kin­der und Teens ab 10 Jah­ren im Team mit Fami­lie oder Freun­den geeig­net. Und natür­lich ist es kostenlos.

Alle Infos gibt es unter www.liebenzell.org/exitgame

Absolvierungsfeier der Interkulturellen Theologischen Akademie

BAD LIEBENZELL. Drei Jah­re inten­si­ves und prä­gen­des Stu­di­um lie­gen hin­ter ihnen, nun tra­gen sie den Titel „Gemein­de­as­sis­tent“: 14 Absol­ven­ten der Inter­kul­tu­rel­len Theo­lo­gi­schen Aka­de­mie (ITA) fei­er­ten am 25. Juli ihren Aus­bil­dungs­ab­schluss. Sie wer­den­ei­ne Stel­le in der Gemeinde‑, Jugend- oder Mis­si­ons­ar­beit antre­ten – in Deutsch­land und im Ausland.

Getreu des Mot­tos des Abends „Ein‑, Aus- und Wei­ter­bil­dung“ stu­die­ren die Absol­ven­ten auch wei­ter und erwer­ben ent­we­der par­al­lel zum Berufs­ein­stieg den Bache­lor in „Bible and Theo­lo­gy” über die Glo­bal Uni­ver­si­ty oder sie schlie­ßen ihren „Bache­lor in Theologie/Pädagogik im inter­kul­tu­rel­len Kon­text“ im Voll­zeit­stu­di­um an der Inter­na­tio­na­len Hoch­schu­le Lie­ben­zell ab.
Die Über­rei­chung der Glo­bal Uni­ver­si­ty Bache­lor-Abschlüs­se fand eben­falls im Rah­men der Absol­vie­rungs­fei­er durch den deut­schen Ver­tre­ter Hel­mut Schrö­der statt. Vier Theo­lo­gen haben die­sen nun in der Tasche.

Im einem der Gruß­wor­te freu­te sich Dave Jar­setz, Mis­si­ons­lei­ter der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on, Trä­ger der ITA, dass die Absol­ven­ten bereit sei­en, ihren Platz in Got­tes Geschich­te ein­zu­neh­men: „Ihr seid nach Bad Lie­ben­zell gekom­men, um wie­der zu gehen. Und das ist auch gut so. Ihr seid bereit, gesandt zu wer­den in die Welt.“ Ohne Mis­si­on wer­de das Stu­di­um zur Papier­sa­che: „Geht als Froh­bot­schaf­te­rin­nen und Frohbotschafter!“

Fest­red­ner war Ulrich Par­za­ny, Theo­lo­ge und Pfar­rer im Ruhe­stand. Er stell­te fest, dass das schwers­te Pro­blem der Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums im 21. Jahr­hun­dert in der west­li­chen Welt das Durch­bre­chen der Ein­bil­dung sei: „Hier haben wir ein Wahn­sinns­pro­blem.“ Die west­li­che Welt sei, ange­lehnt an Charles Tay­lor, geprägt von Sche­ma­ta sozia­ler Vor­stel­lun­gen. Gemeint sei­en damit Vor­stel­lun­gen, die eine bestimm­te Zeit in einem Kul­tur­kreis so stark prä­gen, dass es kaum ein Aus­wei­chen gebe. Vor 500 Jah­ren sei die Vor­stel­lung fast aller gewe­sen, dass man an Gott glaubt. „Heu­te ist es kom­plett anders. Der Glau­be an Gott scheint unvor­stell­bar.“ Ein über­na­tür­li­cher Gott spie­le in der west­li­chen Welt kaum mehr eine Rol­le, das Dies­seits sei für die meis­ten ent­schei­dend: „Im Mit­tel­punkt steht der Mensch und sein Pro­jekt eines gelin­gen­den Lebens.“ Par­za­ny bemän­gel­te, dass heu­te auch vie­le Chris­ten sich zu stark auf das Dies­seits kon­zen­trier­ten. Man bege­be sich in eine völ­li­ge Sack­gas­se, wenn man Den­ken nur als Anhäu­fung von Wis­sen ver­ste­he: „Unser Den­ken ist immer auch eine Wider­spie­ge­lung und eine Recht­fer­ti­gung der Art und Wei­se, wie wir leben. Wir Men­schen sind oft geni­al im Tren­nen der Wirk­lich­keit. Wer den Men­schen in Stü­cke zer­reißt, muss sich nicht wun­dern, wenn man ihm nicht hel­fen kann.“ Par­za­ny warb für eine ganz­heit­li­che Sicht­wei­se des Lebens: „Es ist eine gro­ße Her­aus­for­de­rung, als Eben­bil­der Got­tes zu leben und zu den­ken. Uns treibt heu­te die Fra­ge nach der Iden­ti­tät um wie nie zuvor. Jeder Mensch ist ein Geschöpf Got­tes, das von Gott selbst ange­re­det und beauf­tragt wird. Wenn wir Gott, den Schöp­fer ken­nen, wis­sen wir, wer der Mensch ist.“ Heu­te gel­te oft­mals die Devi­se „Ich bin, was ich füh­le“. Gefüh­le sei­en aber nie sta­bil: „Wenn Men­schen die Fra­ge nach ihrer Iden­ti­tät auf ihr Gefühl grün­den wol­len, heißt das, sie haben kei­nen Boden unter den Füßen.“ Dabei sei eine Annah­me zen­tral: „Es gibt kei­ne wich­ti­ge­re Bot­schaft in unse­rer Zeit als die, ein Eben­bild Got­tes zu sein – ob du das glaubst oder nicht. Du kannst Gott ver­ges­sen oder ver­drän­gen, aber Gott hat dich nicht ver­ges­sen.“ Es habe noch nie eine Zeit gege­ben, die das Evan­ge­li­um von Jesus Chris­tus so drin­gend brau­che, wie die jet­zi­ge. „Das ist der ein­zi­ge Grund, war­um ich trau­rig bin, 84 Jah­re alt zu sein. Jetzt wür­de ich eigent­lich ger­ne noch­mal anfan­gen“, sag­te Par­za­ny mit einem Schmun­zeln. Die Absol­ven­ten hät­ten nun alle eine Auf­ga­be vor sich: „Tut euren Dienst lei­den­schaft­lich für Jesus und in der Gewiss­heit, dass er die Welt besiegt hat.“

Mat­thi­as Meis­ter, Aka­de­mi­scher Lei­ter der ITA, beton­te in sei­ner Lau­da­tio, dass fast 50 Pro­zent der inves­tier­ten Zeit des Stu­di­ums Pra­xis gewe­sen sei – in der Arbeit in Gemein­den oder mit Kin­dern und Jugend­li­chen. „Ihr könnt stolz dar­auf sein, dass ihr euer Stu­di­um abge­schlos­sen habt.“ Die Absol­ven­ten hät­ten nicht nur in ihrem Wis­sen zuge­nom­men, auch ihr Cha­rak­ter und ihre Per­sön­lich­keit sei­en geformt und manch­mal auch geläu­tert wor­den. Abschlie­ßend gab er den Absol­ven­ten mit auf den Weg, sich eine wei­se Lebens­füh­rung anzu­eig­nen: „Bleibt bestän­dig dar­an, euch wei­ter­zu­bil­den und lasst euch von Gott und sei­ner Füh­rung her­aus­for­dern.“ Als Ler­nen­de und Suchen­de sei­en wir abhän­gig von Gott: „Bleibt Men­schen, die immer wei­ter­kom­men wol­len – wei­ter zu unse­rem wun­der­ba­ren Gott.“

Die Stu­den­tin Cari­na Schmalz­haf sprach von ihren Mit­stu­den­ten und Dozen­ten als „ITA-Fami­lie“. Die­se Zeit habe sie sehr geprägt. Vom Stu­di­um hät­ten sie und die wei­te­ren Absol­ven­ten sehr pro­fi­tiert: „Wir sind zu Men­schen gewor­den, die mit dem Kopf und mit dem Herz glauben.“

Ein­ge­bet­tet in lei­den­schaft­li­che Lob­preis-Musik, unter­halt­sa­me Rück­bli­cke und ein reich­hal­ti­ges Büfett beim anschlie­ßen­den Steh­emp­fang erleb­ten die rund 350 Besu­cher einen rund­um fei­er­li­chen Abend.

Infos zu den Stu­di­en­an­ge­bo­ten der ITA gibt es im Inter­net unter www.ita-info.de.

Sambische Mitarbeiter sind ein großer Schatz

Ben­ja­min und Debo­ra Wag­ner leben seit 2016 in Sam­bia und haben drei Kin­der. Seit 2017 ist Ben­ja­min Pro­jekt­ver­ant­wort­li­cher von „Hil­fe zum Leben“ in Mus­hi­li. Debo­ra hält Kin­der­stun­den, arbei­tet in der Frau­en­stun­de und im Kids Club (Jung­schar) mit.
Ben­ja­min hat nach einer Aus­bil­dung und Tätig­keit als Bank­kauf­mann Theo­lo­gie in Bad Lie­ben­zell stu­diert. Debo­ra ist Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­te. Bei­de haben ihre Beru­fung in den Mis­si­ons­dienst bei Aus­lands­ein­sät­zen in Afri­ka erlebt. In den nächs­ten Wochen sind sie Deutsch­land und berich­ten über ihre Arbeit in Sam­bia. Wir haben ihnen eini­ge Fra­gen gestellt.

Nächs­tes Jahr fei­ert ihr ein klei­nes Jubi­lä­um und seit dann schon zehn Jah­re als Mis­sio­na­re in Sam­bia. Wie fühlt sich das für euch an?
Wir kön­nen es selbst kaum glau­ben, dass es bald zehn Jah­re sind und wir jetzt schon in unse­rem zwei­ten Hei­mat­auf­ent­halt sind. Es ist ver­rückt, wie die Zeit ver­fliegt. In Sam­bia füh­len wir uns sehr wohl. Das Land ist zum Zuhau­se für uns und unse­re Kin­der gewor­den – trotz aller kul­tu­rel­len Her­aus­for­de­run­gen. Auch mit unse­ren Kol­le­gen in unse­rem Team und mit unse­rer Arbeit füh­len wir uns wohl. Es sind super Bezie­hun­gen zu Sam­bi­ern gewach­sen und wir haben tol­le sam­bi­sche Mit­ar­bei­ter, die mit gro­ßer Lei­den­schaft im Ein­satz sind und auf die wir uns ver­las­sen kön­nen. Das ist ein gro­ßer Schatz.

Du lei­test das Pro­jekt „Hil­fe zum Leben“ in Mus­hi­li. Was macht ihr konkret?
Es geht um ganz­heit­li­che Hil­fe in Tat und Wort. Wir haben zwei Berei­che. Der eine för­dert Land­wirt­schaft nach bibli­schen Prin­zi­pi­en. Wir arbei­ten mit Klein­bau­ern zusam­men und hel­fen ihnen, ihren Ern­te­er­trag zu ver­bes­sern. Dadurch wol­len wir Jesus groß­ma­chen. Der zwei­te Schwer­punkt ist die Kin­der- und Jugend­ar­beit. Auf uns­rem Gelän­de kön­nen Kin­der Sport machen und wir för­dern durch eine Büche­rei die Bil­dung. Dadurch fin­den jun­ge Men­schen Ange­bo­te, ihnen im Leben und Glau­ben weiterhelfen.

Was sind die größ­ten Nöte der Men­schen im Alltag?
Gene­rell ist es für vie­le her­aus­for­dernd, eine Arbeit zu fin­den, mit der sie ihre Fami­lie ernäh­ren kön­nen. Es gibt in Sam­bia vie­le gut aus­ge­bil­de­te Men­schen, die jah­re­lang auf einen Job war­ten. Vie­le haben nur Jobs als Tage­löh­ner oder einen Arbeits­ver­trag für ein paar Wochen.
Was­ser gibt es in unse­rem Vier­tel erst seit Kur­zem. Wir selbst haben zwar einen Brun­nen und haben damit auch vie­le in der Nach­bar­schaft ver­sorgt. Aber für das gan­ze Vier­tel gibt es erst seit eini­gen Wochen eine Was­ser­ver­sor­gung. Auch Strom ist ein Pro­blem. Der fällt regel­mä­ßig aus. Wer ein Geschäft hat, kann ohne Strom nicht arbei­ten und hat finan­zi­el­le Ein­bu­ßen. Das sind eigent­lich Basics, die für uns in Deutsch­land nor­mal sind, die aber den Men­schen in Sam­bia das Leben schwermachen.
Für Kin­der und Jugend­li­che feh­len oft die Vor­bil­der: Eltern oder Men­schen, die sich für die Kin­der Zeit neh­men. Das ist auch ein gro­ßes Pro­blem in der Gesellschaft.

In Sam­bia sind offi­zi­ell die meis­ten Men­schen Chris­ten. Braucht es da über­haupt geist­li­chen Input von euch Missionaren?
Es gibt den Spruch: In Sam­bia ist die Chris­ten­heit zehn Kilo­me­ter breit, aber nur einen Meter tief. Da ist was dran. Offi­zi­ell sind die meis­ten Men­schen Chris­ten und gehen auch sonn­tags in die Kir­che. Aber sie lesen die Bibel nicht und es gibt oft unter dem christ­li­chen Deck­man­tel eine sehr frag­wür­di­ge Ver­kün­di­gung, wie zum Bei­spiel die Irr­leh­re des Wohl­stands­evan­ge­li­ums. Es braucht in Sam­bia eine fun­dier­te bibli­sche Leh­re. Von daher braucht es unbe­dingt Mis­sio­na­re in Sambia.

Gibt es ein Erleb­nis aus der letz­ten Zeit, das dich beson­ders bewegt hat?
Unse­re neue Sozi­al­ar­bei­te­rin Dor­cus hat an der Evan­ge­li­cal Uni­ver­si­ty in Ndo­la stu­diert und kommt aus ganz ein­fa­chen Fami­li­en­ver­hält­nis­sen mit acht Geschwis­tern. Ihr Vater ist früh gestor­ben. Sie wur­de durch ein Sti­pen­di­um unter­stützt, damit sie stu­die­ren kann.
Dor­kas ist Feu­er und Flam­me für die jun­gen Men­schen und ist ein gro­ßer Segen in unse­rem Projekt.

Jetzt seid ihr in Deutsch­land. Auf was freut ihr euch am meisten?
Fami­lie und Freun­de nach einer lan­gen Zeit wie­der­zu­se­hen, ist das Größ­te für uns. Es tut gut, auch mal wie­der den eige­nen Blick zu wei­ten. Nach neun Jah­ren Sam­bia ist es dran, sich selbst zu reflek­tie­ren, zurück­schau­en und die nächs­te Zeit zu planen.
Und natür­lich freu­en wir uns auch auf das gute deut­sche Essen.

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„39 Jahre Sambia: Wir würden es sofort wieder machen!“

Micha­el und Bär­bel Pflaum leben seit 1986 in Sam­bia. Offi­zi­ell sind sie im Ruhe­stand, doch wei­ter­hin sind sie für die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on und die Ama­no-Schu­le in Ndola/Sambia im Ein­satz. Der­zeit sind sie in Deutsch­land. Wir haben ihnen eini­ge Fra­gen gestellt.

Ihr wart 39 Jah­re in Sam­bia im Ein­satz. Wie fällt euer Fazit aus?
Wir wür­den es sofort wie­der machen. Es war unser Auf­trag. Des­halb sind wir nach Sam­bia gegan­gen. Sam­bia ist unser Zuhau­se. In Deutsch­land füh­len wir uns mitt­ler­wei­le als Ausländer.

Was wür­den die meis­ten Deut­schen nicht von Sam­bia erwarten?
Die rie­si­ge indus­tri­el­le und infra­struk­tu­rel­le Ent­wick­lung, die Sam­bia in den letz­ten 40 Jah­ren erlebt hat, ist in Deutsch­land vie­len nicht bekannt. In Sam­bia gibt es mitt­ler­wei­le vie­le Auto­bah­nen, inter­na­tio­na­le Flug­hä­fen, Fuß­ball­sta­di­en und gut aus­ge­stat­te­te Kran­ken­häu­ser. Die­se rasan­te Ent­wick­lung gab es in Deutsch­land nicht. Aber Sam­bia hat­te natür­lich auch Aufholbedarf.
Was vie­le auch nicht ver­mu­ten wür­den: Sam­bia ist siche­rer als Deutsch­land und gilt als zweit­si­chers­tes Land in Afrika.
Mis­sio­na­re und Kir­chen wer­den in Sam­bia oft bevor­zugt behan­delt. Es gibt einen lan­des­wei­ten Respekt für Mis­si­ons- und Gemein­de­ar­beit, was im säku­la­ren Euro­pa nicht mehr gewöhn­lich ist.

Wo seht ihr den afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent in zehn Jahren?
Dann wird es in Afri­ka mehr evan­ge­li­ka­le Chris­ten geben als Nord­ame­ri­ka Ein­woh­ner hat! Wirt­schaft­lich gese­hen wird der Kon­ti­nent zu einem Power­house wer­den. Allein von den Res­sour­cen her ist Afri­ka ein gro­ßer Play­er. Zudem ist die jun­ge Gene­ra­ti­on hoch­ge­bil­det. Aller­dings wird ver­mut­lich die Kor­rup­ti­on auch in zehn Jah­ren noch ein gro­ßes Pro­blem sein.

Ihr habt die Ama­no-Schu­le in Sam­bia mit­ge­grün­det. Was ist euer Wunsch für die Zukunft der Schule?
Dass die Schu­le ihr Mot­to und ihre Ziel­set­zung nicht ver­liert: Dass Kin­der Jesus ken­nen­ler­nen und sie eine mög­lichst hohe Aus­bil­dung bekom­men, die ihnen eine gute Per­spek­ti­ve ermöglicht.
Wir haben kürz­lich das neue Solar­sys­tem von einem ehe­ma­li­gen Schü­ler gekauft, der in dem Bereich ein rich­ti­ger Exper­te ist. Das zeigt, wie die Schu­le Akzen­te set­zen kann, die sich gesell­schaft­lich aus­wir­ken. Wir wün­schen uns, dass poli­ti­sche und indus­tri­el­le Ent­schei­dun­gen vom bibli­schen Men­schen­bild geprägt sind. Und dass der Prä­si­dent Sam­bi­as eines Tages von der Ama­no-Schu­le kommt!

In Sam­bia sind vie­le Men­schen Chris­ten, aber ihr Glau­be ist oft nicht tief ver­wur­zelt. Wie geht ihr als Mis­sio­na­re damit um?
Nomi­nel­le sind 85 Pro­zent der Bevöl­ke­rung Chris­ten. Es gehen vie­le Leu­te in die Kir­che, aber das sind oft „U‑Boot-Chris­ten“. Sonn­tags tau­chen sie im Got­tes­dienst auf, unter der Woche sind sie abge­taucht, betrü­gen den Staat oder gehen zum Zauberdoktor.
An der Ama­no-Schu­le gibt es jeden Tag bibli­schen Unter­richt. Jedes Jahr tau­fen wir meh­re­re Schü­ler. Wir pla­nen ein „Skills Trai­ning Cen­ter“, an dem sie einen Beruf erler­nen kön­nen. Das alles trägt zu einem sta­bi­len Fun­da­ment in ihrem Leben bei.

Wenn ihr zurück­blickt: Was hat euch beson­ders gefreut und was beson­ders herausgefordert?
Es freut uns sehr, dass zwei von unse­ren vier Kin­dern jetzt selbst in Sam­bia Mis­sio­na­re sind – zusam­men mit acht unse­rer Enkel­kin­der. Eine Toch­ter ist zusam­men mit ihrem Mann Mis­sio­na­rin Japan.
Eine gro­ße Her­aus­for­de­rung war die Geburt unse­res ers­ten Kin­des Andrea 1986. Bär­bel wäre dabei fast gestor­ben. Die Ver­sor­gung damals im Busch­kran­ken­haus war schlecht. Das über­lebt zu haben, war ein Geschenk Gottes.
Trotz­dem waren für uns die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen nicht Krank­hei­ten oder Unfäl­le, son­dern, wenn Mit­ar­bei­ter uns ent­täusch­ten. Manch­mal war es sehr frus­trie­rend, wenn wir mit­be­kom­men haben, dass ein Pas­tor ein Dop­pel­le­ben führ­te. Die gro­ßen Ent­täu­schun­gen sind die inne­ren Ent­täu­schun­gen. Als ich (Micha­el) vor vie­len Jah­ren ein­mal sehr frus­triert war, hat ein erfah­re­ner afri­ka­ni­scher Lei­ter zu mir gesagt: „Wenn du als Mis­sio­nar in 50 Jah­ren Dienst fünf Men­schen wirk­lich ver­än­dert hast, dann warst du ein außer­or­dent­lich erfolg­rei­cher Mis­sio­nar.“ Das hat mich ermu­tigt, dass die Arbeit nicht umsonst ist und ich viel­leicht manch­mal ein­fach zu viel erwar­tet habe.

Wie wird euer Ruhe­stand aus­se­hen und wo wer­det ihr leben?
Solan­ge wir kön­nen, arbei­ten wir. Im Him­mel ruhen wir dann aus. Natür­lich haben wir nicht mehr so viel Ener­gie wie vor 20 Jah­ren. Aber dafür macht man auch nicht mehr so vie­le Feh­ler und kann sei­ne Ener­gie bes­ser ein­schät­zen. Erfah­rung hilft ungemein.
Vor­erst wer­den wir in Sam­bia blei­ben. Gesund­heit­lich geht es uns gut und die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung wird immer besser.