Von Gastfreundschaft, offenen Herzen und bösen Mächten

Aus Sicherheitsgründen kann der Name unserer Mitarbeiterin nicht genannt werden. Bildnachweis: istockphoto/1001nights

Einige unserer Missionarinnen und Missionare sind in Ländern mit eingeschränkter Religionsfreiheit im Einsatz. Über sie berichten wir ohne Namen und ohne ihr Einsatzland zu nennen. Eine unserer Mitarbeiterinnen ist derzeit in Deutschland. Sie arbeitet in einem muslimischen Land im Mittleren Osten. Wir haben ihr einige Fragen gestellt.

Was hättest du von deinem Leben im Mittleren Osten nicht erwartet?
Ich hätte nicht erwartet, so herzlich aufgenommen zu werden. Die Gastfreundschaft ist überschwänglich. Ich habe das Gefühl, von einer Familie fast schon adoptiert zu sein.
Negativ überrascht hat mich, dass böse Mächte eine sehr starke Rolle spielen. Viele Menschen sind gefangen von Geistern, was wir in Europa jetzt nicht so alltäglich erleben.
Für mich selbst ist das Leben dort eine Glaubensschule. Ich erlebe durch die Herausforderungen große geistliche Tiefe und wachse im Glauben.

Was schätzt du an den Menschen in deiner Einsatzregion besonders?
Ich schätze an ihnen, dass sie Menschen sind, die ihre Emotionen offen zeigen. Sie begegnen einem offenherzig und ohne Barrieren. Sie tragen ihr Herz nach außen. Diese Nahbarkeit gefällt mir.

Was ist dein Eindruck von den Christen in Deiner Region: Gibt es irgendwelche Möglichkeiten, dass Christen sich treffen können, ohne gleich verfolgt zu werden?
Es ist regional ein großer Unterschied. In meiner Region gibt es schon Möglichkeiten. Und es kommt darauf an, welchen Hintergrund die Christen haben. Kommen sie aus traditionell christlichen Familien bietet das für Muslime weniger Angriffsfläche. Muslime, die zum Glauben an Jesus kommen, haben es da deutlich schwerer. Sie müssen sehr aufpassen.

Gott begegnet Menschen ganz unterschiedlich. Gibt es eine Art, die du in der arabischen Welt immer wieder erlebst?
Ich habe es oft erlebt, dass Gott Muslimen in Träumen begegnet. Trotzdem gebraucht er auch Beziehungen, damit die Menschen das verstehen, was sie im Traum gesehen haben. Deshalb ist Jüngerschaft auch ein wichtiges Thema.
Gott spricht auch durch Wunder. Menschen werden zum Beispiel von Ängsten oder bösen Mächten befreit. Wenn Menschen plötzlich Frieden im Herzen haben, ist für sie das oft ein Zeichen Gottes.

Gibt es eine Begegnung mit einer Person in der letzten Zeit, die dich besonders bewegt hat?
Es hat mich sehr bewegt, als vor Kurzem die Tante einer Freundin mit strahlenden Augen auf mich zukam. Sie erzählte von einem Traum, in dem ich auch vorkam. Sie sah einen Vogelkäfig, in dem ein Vogel gefangen war. Ich habe in dem Traum den Käfig geöffnet und der Vogel konnte raus in die Freiheit. Sie sagte mir: „Wenn ich zu dir komme, dann erlebe ich diese Freiheit.“ Durch diesen Traum hat sie eine Sehnsucht bekommen, für sich beten zu lassen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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