Corona hält Gottes Wort nicht auf

Videokonferenz mit Missionar Michael Pflaum

SAMBIA. Trotz der Corona-Pandemie können Christen dank digitaler Möglichkeiten weltweit Kontakt halten und das Wort Gottes überwindet alle Grenzen – auch bei Trauungen. Das zeigt dieses Bild des Liebenzeller Missionars Michael Pflaum. Es entstand in seinem Haus auf dem Gelände der Amano-Schule in Sambia. Dabei ist zu sehen, wie er bei der Trauung seiner jüngsten Tochter Gabriele per Videokonferenz-Plattform Zoom die Predigt hält. Die Trauung war ursprünglich in den USA geplant, aufgrund der Reisebeschränkungen durch Corona fand sie in Japan im Wohnzimmer eines Missionars statt. Gabriele Pflaum lebt seit vier Jahren in Tokio und arbeitet im Management einer Universität. In Japan lernte sie ihren Mann kennen, der als amerikanischer Missionar dort tätig ist. Michael Pflaum konnte mit seiner Frau Bärbel wegen der Pandemie allerdings nicht nach Japan reisen. Die Familien des Brautpaares waren in den USA und in Sambia am Computer über Zoom zugeschaltet. Das Eheversprechen wurde ebenso darüber getätigt. „Leider ist die Videoübertragung noch nicht so weit entwickelt, dass jeder am Hochzeitsessen hätte teilnehmen können“, so Michael Pflaum mit einem Augenzwinkern.

Michael Pflaum leitet seit 2014 die 2004 von ihm mitbegründete Amano-Schule in Sambia. Sie zählt mittlerweile über 130 Schüler. Mittellose Waisenkinder, Kinder von Missionaren und von wohlhabenden Geschäftsleuten lernen dort Seite an Seite. Reichere Eltern ermöglichen mit den Schulgebühren, dass auch ärmere Kinder in den Genuss einer exzellenten Ausbildung kommen. Sowohl die Mitarbeiter der Einrichtung als auch die Schüler stammen aus vielen verschiedenen Ländern. Die Kinder und Jugendlichen können qualifizierte internationale Abschlüsse erwerben – vergleichbar mit der Mittleren Reife. Auf Wunsch kann auch das A-Level (eine Art Abitur) erworben werden. Immer wieder loben Schulinspektoren die hervorragende Ausbildung.

Hoffnung für Menschen in Papua-Neuguinea

Hoffnung für Menschen in Papua-Neuguinea

BAD LIEBENZELL. In der Weltöffentlichkeit kommt Papua-Neuguinea so gut wie nie vor. Das Land scheint vom Rest der Welt vergessen zu sein. Die Natur ist atemberaubend und die Menschen sind gastfreundlich. Doch viele kämpfen in ihrem Alltag mit großen Problemen. Gewalt, Drogen und Alkoholmissbrauch machen ihr Leben schwer. Kinder sind oft sich selbst überlassen und haben keine Perspektive auf eine bessere Zukunft. Um diesen Menschen zu helfen, hat die Liebenzeller Mission die Initiative „Weltweit Hoffnung schenken“ gestartet. Mit der Aktion sollen Menschen in aller Welt neue Hoffnung schöpfen. Seit 14 Jahren gibt es die Initiative. Papua-Neuguinea ist noch bis September 2021 Schwerpunkt der Aktion.

In den Armensiedlungen der Hauptstadt Port Moresby erhalten junge Menschen ganzheitliche Hilfe. Missionare bieten Kinderclubs an und schulen Mitarbeiter. „Manche Kinder hören dort zum ersten Mal in ihrem Leben, dass sie wertvoll sind“, berichtet Projektkoordinatorin Bettina Heckh. Dass ein Schwerpunkt der Hilfsmaßnahmen Kindern zugute kommt, sei bewusst so gewählt. „In der neuguineischen Gesellschaft haben sie einen ganz schlechten Stellenwert, sie leiden unter den Lebensbedingungen besonders. Eine unbeschwerte Kindheit haben nur wenige“, sagt Bettina Heckh.

Teil der Initiative ist auch medizinische Hilfe und Seelsorge für Frauen im abgelegenen Hochland. Außerdem besuchen die Mitarbeiter Häftlinge in den Gefängnissen. „Diese Besuche sind oft der Anstoß, dass die Häftlinge nach ihrer Entlassung nicht mehr straffällig werden“, so Bettina Heckh.

In Papua-Neuguinea engagiert sich die Liebenzeller Mission schon seit mehr als 100 Jahren. „Eine langfristige Zusammenarbeit mit unseren Partnern vor Ort ist uns wichtig. Nur so wird eine nachhaltige Hilfe möglich“, erklärt Bettina Heckh.

Unterstützen kann man die Aktion nicht nur mit einer Spende, sondern auch mit aktiver Mitarbeit. „Auch wenn Weihnachtsfeiern und Betriebsfeiern fast überall in diesem Jahr ausfallen, sind kreative Aktionen möglich. Es ist wichtig, dass wir die Menschen in Papua-Neuguinea nicht vergessen“, sagt Bettina Heckh. Für Kinder hat sich die Projektkoordinatorin eine besondere Idee ausgedacht: „Viele Kinder in Papua-Neuguinea haben nur sehr wenig zum Anziehen. Deshalb können Kinder aus Deutschland T-Shirt bemalen oder bedrucken – für die Kinder auf der anderen Seite der Erde.“ Die T-Shirts werden in der Zentrale der Liebenzeller Mission gesammelt und dann nach Papua-Neuguinea gebracht.

Weitere Informationen zu den Projekten und ein Projektvideo gibt es im Internet unter www.weltweit-hoffnung-schenken.de oder direkt bei Bettina Heckh unter Telefon 07052 17-7128 oder E-Mail . Dort können auch Materialien zu der Aktion wie Plakate, Handzettel, Fotos oder Spendendosen angefordert werden.

Spendenkonto: Liebenzeller Mission, Sparkasse Pforzheim Calw, IBAN: DE27 6665 0085 0003, Vermerk: Weltweit Hoffnung schenken

Opa bringt Enkelkinder regelmäßig zu Gott

José mit seiner Enkelin Grace in Ecuador

Dieses Bild zeigt Opa José mit seiner Enkelin Grace, deren Name (= Gnade) so passend ist, da sie unter schwierigen Umständen geboren wurde – auf dem Rücksitz des Lastwagens von Missionar Kevin Bruce. „Graces Mutter Andrea hat sich noch nicht entschieden, Gott zu folgen, aber José bringt Grace fast jeden Sonntag in die Kirche, zusammen mit ihren großen Brüdern Jeison (13 Jahre) und José Freddy (11).

Wie beten wir dafür, dass diese drei, zusammen mit vielen weiteren Kindern, die am Sonntag ohne ihre Eltern kommen, die gute Nachricht des Evangeliums klar verstehen und Gottes Gnade annehmen werden.“ Viele haben den letzten Sonntagen aufmerksam zugehört, als es durch die letzten Kapitel des Matthäusevangeliums ging und über Jesu Tod, Begräbnis und Auferstehung gesprochen wurde.

Kathy und Kevin Bruce sind vom amerikanischen Zweig der Liebenzeller Mission entsandt und arbeiten seit 1995 in Ecuador unter Awa-Indianern. Sie bieten Kurse für Analphabeten an, halfen mit, das Alte Testament zu übersetzen und schulen einheimische Christen.

Corona-Pandemie lässt Gemeinden kreativ werden

Advent in Bad Doberan

Die Corona-Pandemie erfordert, dass die Gottesdienstbesucher Abstand halten. Doch was tun, wenn man viele Besucher in einem kleinen Versammlungsraum zählt? Die Gemeinde in Bad Doberan des Liebenzeller Missionars Christoph Scharf feiert nun seit zehn Wochen sonntags in der größten Sporthalle der Stadt an der Ostsee: „Die Stadt hat uns hierzu einen sehr fairer Nutzungsvertrag gegeben.“

Ab nächster Woche verteilen sie zudem an der Krippe im Gemeindegarten Kalender. Täglich sind sechs Mal die Weihnachtsgeschichte mit Musik zu hören. An Heiligabend gibt es außerdem einen kurzen Open-Air-Gottesdienst an der Krippe mit einer Kurzpredigt von Christoph Scharf.

Christoph und Inka Scharf sind seit Sommer 2010 in der Gemeindeaufbauarbeit in Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern) engagiert. In der 13.000 Einwohner zählenden Stadt bauten sie innerhalb des Mecklenburgischen Gemeinschaftsverbandes zusammen mit einem engagierten Team vor Ort eine Gemeinde auf. Dabei bieten sie viele missionarische Aktionen an wie zum Beispiel Stände auf Märkten und ein Weihnachtsfest für Alleinstehende.

Der Beitrag Corona-Pandemie lässt Gemeinden kreativ werden erschien zuerst auf Meine Mission.

Gemeinde in Alençon kann eigenes Gemeindehaus kaufen

Gemeinde in Alençon

Große Freude in der Gemeinde in Alençon: Nach jahrelangem Suchen, Beten und Planen konnte Anfang November der Kaufvertrag für ein Gemeindegebäude unterschrieben werden. „Es war ein regelrechter Hürdenlauf“, sagte Frankreich-Missionar Norbert Laffin. „Wir mussten auf den verschiedensten Ebenen verhandeln, auf Unterlagen warten und immer wieder Termine verschieben. Fast hätte uns der Notar wegen des erneuten Corona-Lockdowns nicht empfangen dürfen.“

Nachdem keine Bank gefunden wurde, die bereit war, in der aktuellen Wirtschaftskrise Darlehen an religiöse Vereinigungen zu vergeben, hat Gott auf andere Weise eingegriffen. Der einheimische Kirchenverband und Freunde griffen der kleinen Gemeinde unter die Arme. Sie freut sich, nun ein Zuhause zu haben, dessen Räume ausgebaut werden können. Es stoßen auch immer wieder Neue zur Gemeinde dazu. Zurzeit sind es Christen, die eine geistliche Heimat suchen. „Beim letzten Hybrid-Gottesdienst – digital und vor Ort ­– waren wir 30 Teilnehmer!“, so Norbert Laffin. Dankbar ist er auch, dass zwei neue Mitarbeiter für die Gottesdienst-Moderation gewonnen werden konnten. Aufgrund der neuen Corona-Bestimmungen muss inzwischen wieder alles digital angeboten werden. „Doch ist die Motivation nach wie vor beeindruckend, und wir gehen davon aus, wie schon im Frühling niemanden zu ‚verlieren‘, sondern weiter zusammenzurücken.“

Norbert und Susanne Laffin sind seit 1990 in Frankreich in der Gemeindegründungsarbeit tätig. Nachdem sie 27 Jahre in Coutances lebten, sind sie seit 2017 in Alençon aktiv. Dort ist Norbert auch der Koordinator der örtlichen Evangelischen Allianz.

Der Beitrag Gemeinde in Alençon kann eigenes Gemeindehaus kaufen erschien zuerst auf Meine Mission.

Corona-Pandemie stoppt Täuflinge nicht

Taufen in Marbella / Spanien

SPANIEN. Gottes Botschaft verändert Menschen fundamental und sie lässt sich auch nicht durch die Corona-Pandemie aufhalten. Das erleben die Spanien-Missionare Carolin und Theo Hertler in Marbella. So ließen sich im November insgesamt elf Gottesdienstbesucher an zwei Sonntagen taufen. Sie sind das Resultat der Jüngerschaftskurse, die von März bis Juni über das Internet angeboten wurden. Da der Lockdown drohte, wurde die zweite Taufe um eine Woche vorgezogen. Trotz eines enormen geistlichen Kampfes konnten alle getauft werden. Dafür sind sie und die Gemeinde sehr dankbar. Cristina kam extra aus Sevilla angereist und musste dabei mehrere Genehmigungen einholen, um die Polizeikontrollen passieren zu können. Seit dem 9. November darf aufgrund der Corona-Pandemie niemand mehr sein Dorf bzw. Stadt verlassen.

Theo und Carolin Hertler sind seit 1996 in Marbella in der Gemeindegründungsarbeit tätig. Dort wurde 1998 ein Versammlungsraum eingeweiht, der als Treffpunkt für die Aktivitäten wie Kinderstunde und Gottesdienste dient. Evangelisation führen sie in die Nachbarschaft sowie in den umliegenden Orten, in denen auch Hauskreise entstanden sind. Die Gemeindebesucher kommen aus 13 verschiedenen Nationen. Die Gemeinde ist für viele Heimatlose Familienersatz. Daher werden oft gemeinsame Essen und Spielnachmittage organisiert. Einige Neugetaufte arbeiten bereits bei den im Sommer angefangenen Lebensmittelverteilungen mit, die immer mit einer Andacht begonnen werden. Dadurch kommen neue Besucher in die Gemeinde.

Der Beitrag Corona-Pandemie stoppt Täuflinge nicht erschien zuerst auf Meine Mission.

„Die lokale Kirche ist die Hoffnung der Welt“

Familie Müller in Malawi

Tobias und Sarah Müller leben seit August 2011 in Malawi. Seit September 2018 sind sie für Schulungsarbeit unter Pastoren und Gemeindeleitern, die missionarischen impact-Einsätze und administrative Aufgaben verantwortlich. Zuvor waren sie im Dorfentwicklungsprojekt Ubwenzi sowie am Chisomo-Zentrum tätig. Noch bis Ende des Jahres sind sie in Deutschland und berichten von ihrer Arbeit. Wir haben Tobias ein paar Fragen gestellt.

Ihr lebt und arbeitet seit mehr als neun Jahren in Malawi. Ist das Land zu eurer Heimat geworden?
Total. Die Klänge, die Gerüche, das Essen – alles, was uns früher fremd war, ist jetzt Heimat für uns. Sprachlich war es am Anfang schwierig. Ich habe mich in meinem ersten Jahr in Malawi öfters gefragt, ob ich die Sprache jemals lernen werde. Aber irgendwann hat es Klick gemacht. Die Sprache ist der Schlüssel zu den Menschen und zu einem Heimatgefühl.

Was schätzt du an den Menschen in Malawi besonders?
Ihre Loyalität und welchen Wert sie der Gemeinschaft beimessen. Wir lieben es, mit Menschen zusammen zu sein. Man kommt in Malawi nie ungelegen und nimmt sich immer Zeit für andere.

Deine Hauptaufgabe ist, Pastoren zu begleiten. Wie sieht das aus und warum ist diese Arbeit wichtig?
In Malawi strömen die Leute sonntags in die Gottesdienste. Aber die geistlichen Wurzeln sind oft nicht tief. Die Menschen leben oft in zwei Welten: im christlichen Glauben und im Glauben an Zauberei. Die entscheidende Frage ist: Wo suchen sie im Zweifelsfall Hilfe: bei Jesus oder beim Zauberdoktor? Außerdem verbreitet sich die Irrlehre des Wohlstandsevangeliums in Afrika stark. Menschen geben viel Geld für selbst ernannte Propheten aus, die ihnen z. B. körperliche Heilung und Wohlstand als Gegenleistung versprechen. In einem armen Land klammern sich die Menschen oft an jeden Strohhalm, den sie bekommen können. Aus all diesen Gründen sind theologisch fundierte Pastoren dringend nötig. Lokale Kirchen sind die Hoffnung der Welt. Heute muss ein guter Pastor auch ein guter Leiter sein. Die Stärkung der Pastoren und ihrer Leitungsfähigkeit ist ein wesentlicher Aspekt für die Entwicklung der Gesellschaft.

Gibt es ein Erlebnis aus der letzten Zeit, das dich besonders bewegt hat?
Ein Pastor, der während meiner Zeit als Leiter des Chisomo-Zentrums dort Student war, schenkte mir neulich einen Sack Kürbisse aus Dankbarkeit für das, was er am Chisomo-Zentrum gelernt hat. Und das, obwohl er selbst nicht viel hat. Das ist schon sehr bewegend.

Seit einigen Wochen seid ihr in Deutschland. Was genießt du hier am meisten?
Ich genieße derzeit die kalte Jahreszeit. Die Adventszeit mal wieder in Deutschland erleben zu können – auch geistlich – darauf freue ich mich sehr.

Du willst die Missionsarbeit von Tobias und Sarah Müller mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Der Beitrag „Die lokale Kirche ist die Hoffnung der Welt“ erschien zuerst auf Meine Mission.

Nigeria wird von heftigen Protesten erschüttert

Nigeria

Fast zwei Wochen lang gingen nigerianische Jugendliche auf die Straße, um friedlich gegen Polizeibrutalität, Korruption und schlechte Regierungsführung zu protestieren. Das berichten die Liebenzeller Missionare Crystal (früher Gosnell) und Raphael John aus dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas. Am 20. Oktober eröffneten angeblich Soldaten das Feuer auf eine große Gruppe von Demonstranten, die friedlich zusammensaßen und die Nationalhymne sangen. Diese gewaltsame Aktion hatte mehrere Tote zur Folge. Die Frustration der Menschen in den Tagen nach dem Massaker wurde noch dadurch verstärkt, dass viele Lagerhäuser voller Lebensmittel und anderer Hilfsgüter entdeckt wurden, die denjenigen helfen sollten, die von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie am schwersten betroffen waren, und die stattdessen von Beamten gehortet wurden. All das hat zu vielen sozialen Unruhen und zur großen Instabilität geführt.

Die Liebenzeller Missionare bitten um Gebet für das Land und für die Jugend, „die ihr Leben opfert, um ein sicheres, gerechtes und faires Nigeria zu schaffen. Obwohl die scheinbar endlose Gewalt und Korruption zuweilen überwältigend sein kann, wissen wir, dass Gott Nigeria liebt und dass er in der Lage ist, Frieden, Heilung und Versöhnung zu bringen.“

Crystal ist vom amerikanischen Zweig der Liebenzeller Mission ausgesandt und arbeitete lange als Lehrerin und Schulleiterin bei „Ministry of Mercy“, einem Kinderheim mit Kindergarten und Grundschule für rund 300 Waisen, unerwünschte, behinderte und benachteiligte Kinder. Seit ihrer Heirat wohnen und arbeiten sie in Abuja, um Berufsbildungszentren in ländlichen, verarmten Gebieten aufzubauen. Von den über 200 Millionen Einwohnern Nigerias sind rund 46 Prozent Christen und 54 Prozent Muslime.

Der Beitrag Nigeria wird von heftigen Protesten erschüttert erschien zuerst auf Meine Mission.

„Wir führen seit über einem Jahr kein normales Leben“

Familie Vergara in Chile

Chile hatte bei der Corona-Pandemie weltweit mit die strengsten Ausgangsbestimmungen. So durften viele über Monate ihre Wohnung nur zum Einkaufen für kurze Zeit verlassen. Wir sprachen mit den Liebenzeller Missionaren Andrés und Katrin Vergara, wie sie diese Zeit erlebt haben.

 

Wann habt ihr die ersten Auswirkungen der Corona-Pandemie gespürt?
Bei uns hat alles eigentlich schon im vergangenen Oktober mit den gewalttätigen Unruhen begonnen, bei denen Demonstranten sich vor allem gegen soziale Ungleichheiten wandten. Dabei kamen 26 Menschen ums Leben, rund 5.000 wurden verletzt, Zehntausende wurden verhaftet. Wir waren schon hier stark eingeschränkt und Chile hat unter der Situation sehr gelitten. Als sich in den hiesigen Sommermonaten Januar und Februar die Lage ein wenig normalisierte, kam es im März zum Ausbruch der Corona-Pandemie. Wir führen also seit über einem Jahr kein normales Leben.

 

Wie wurde euer Leben eingeschränkt?
Mitte März kam die Ausgangssperre, der Schulunterricht fiel zunächst für zwei Wochen aus. Da haben wir alle zuerst gedacht, das ginge bis Ende März bald vorüber. Denn es gab bei uns im Norden des Landes nur zwei, drei Corona-Fälle, die Hauptstadt Santiago de Chile, wo wir wohnen, wollte aber mit seinen sieben Millionen Einwohnern zunächst vorsorglich reagieren. Doch dann kam schnell die Ausgangssperre für verschiedene Stadtteile.
Pro Haushalt hatten wir eine Passnummer, mit der man einmal in der Woche für drei Stunden Einkaufen gehen konnte. Dabei benötigte man aber alleine zwei Stunden für das Anstehen. Wenn man dringend ins Krankenhaus musste, bekam man eine Sondererlaubnis. Wer Glück hatte, konnte von zu Hause aus arbeiten. Man war regelrecht eingesperrt, man durfte nicht einmal in Parks gehen. Wir haben Gott sei Dank einen Hund, und deshalb durften wir zweimal die Woche für eine halbe Stunde die Wohnung zum Spaziergehen verlassen. Da haben wir dann unsere vier und sechs Jahre alten Jungs mitgenommen. Aber auch das wurde immer mehr eingeschränkt und sehr strikt kontrolliert. Das alles ging bis Ende August so. Mit der Zeit konnte man sich in einzelnen Stadtteilen abgestuft immer freier von Montag bis Freitag unter strengen Auflagen bewegen. Manche Lokale und Restaurants konnten inzwischen wieder öffnen.

 

Und wie haben die Chilenen auf die Ausgangsbeschränkungen reagiert?
Vielen haben auf Homeoffice umgestellt. Wo das nicht möglich war, haben die Menschen ihre Arbeit verloren. Viele bekamen außerdem weniger Gehalt, weil sie kaum arbeiten konnten.

Und wie sah eure Arbeit aus?
Die Schulungsarbeit haben wir schnell digital auf Videokonferenzen umgestellt. Der Unterricht konnte so zweimal die Woche stattfinden. Fünf Wochen lang haben wir wöchentlich dreistündige Schulungen für Missionsarbeit angeboten. Die digitale Infrastruktur hier in Chile hat das möglich gemacht, ebenso der Schulunterricht. Wir entschieden uns für Videokonferenzen, da die Chilenen sehr beziehungsorientiert sind und man sich über diese Plattform auch austauschen und alle Teilnehmer sehen kann.

 

Wie hat sich Corona auf die Psyche der Chilenen ausgewirkt?
Unter den Beschränkungen haben vor allem die gelitten, die alleine leben. Die Jugendlichen kamen damit besser zurecht; sie haben sich mit anderen zusammen getan. Laut einer aktuellen Statistik haben 60 Prozent der Chilenen durch Corona psychisch gelitten, sie fühlen sich alleine und die Depressionserkrankungen sind deutlich gestiegen. Viele sind finanziell stark unter Druck gekommen. Viele konnten sich aber zehn Prozent ihrer Rente auszahlen lassen, das entlastete ein wenig deren finanzielle Situation. Aber es gab vermehrt Überfälle sogar auch auf arme Leute, die Brot einkaufen gingen.

 

Wie ging es euch als Familie?
In Chile sind die Kinder den ganzen Tag in der Schule. Viele haben es am Anfang genossen, mit der Familie zusammen sein zu können. Das wurde dann aber vielen schnell zu viel. Denn für die meisten Familien war es eine riesige Herausforderung, nun die Kinder ständig zu Hause zu haben und sie beschäftigen zu müssen. Hier sind viele an ihre Grenzen gestoßen und die häusliche Gewalt hat schnell drastisch zugenommen. Wir haben als Familie ganz stark gemerkt, wie viele für uns gebeten haben. Wir haben auch schnell eine Routine entwickelt und einen strukturierten Tagesablauf umgesetzt. Wir sind ebenso dankbar, dass wir weiterhin unser Gehalt bekamen, während andere aus der Gemeinde Schwierigkeiten hatten, ihre Miete bezahlen zu können oder Schulden machen mussten. Andrés hat beim Einkaufen immer wieder versucht, für unsere Kinder Highlights wie Nutella mitzubringen, um diese Zeit ein wenig für sie verträglicher zu machen.

 

Und wie geht es euch heute?
Wir sind froh, dass bei uns nun der Frühling kommt und wir im kleinen Garten die Sonne genießen können. Aber für die Kinder war es eine große Umstellung, dass sie wieder ins Freie gehen konnten. Sie waren so lange hier drinnen und immer wieder mussten wir ihnen sagen, dass sie nicht raus dürfen. Sie hatten am Anfang regelrecht Angst davor, nun wieder ins Freie zu gehen, weil es für sie nach so langer Zeit ungewohnt war und sie die Unruhen im vergangenen Jahr mitbekamen. Dort hatten sie das Vertrauen in die Polizei und das Militär verloren. Immer wieder fragten sie bange nach, ob wir auch alle Ausweispapiere dabeihaben.

 

Andrés und Katrin Vergara leben mit ihren beiden Kindern seit Juli 2017 in Chile. Sie bereiten junge Südamerikaner auf den Missionsdienst vor. Dazu unterrichtet Andrés an Bibelschulen, und er leitet das einjährige Ausbildungsprogramm von „ProVisión“ in Santiago de Chile. Vor seinem B. A.-Theologiestudium in Bad Liebenzell arbeitete Andrés in seiner chilenischen Heimat als Buchhalter. Katrin kommt aus Nagold und ist Bankfachwirtin.

 

Du willst die Missionsarbeit von Katrin und Andrés Vergara unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Der Beitrag „Wir führen seit über einem Jahr kein normales Leben“ erschien zuerst auf Meine Mission.

Zwei Freunde, zwei Welten

The Missionary and his Friend

Ein ganz neuer Podcast ist am 1. November online gegangen. In „The Missionary and his Friend“ sprechen „zwei Freunde über zwei Welten“. Pascal Dürr (Jugendreferent) und Felix Unger (angehender Spanien-Missionar) unterhalten sich über das Leben, ihre Leidenschaft und wie es ist, wenn sich ein junger Missionar mit seiner Familie aufmacht, um in einem anderen Land Gemeinde zu gründen und Menschen mit Jesus bekannt zu machen.

Alle zwei Wochen wollen sie zu zweit für etwa 40 Minuten genau diese Themen durchquatschen – echt, authentisch, locker und tiefgründig – eben wie das gute Freunde so machen.

Den Podcast gibt es auf allen bekannten Plattformen. Am besten gleich abonnieren und keine Folge mehr verpassen.

Der Beitrag Zwei Freunde, zwei Welten erschien zuerst auf Meine Mission.