„Ihr seid meine Väter und Mütter!“

Ein Erfah­rungs­be­richt von Mis­si­ons­lei­ter Dave Jar­setz von sei­ner Ban­gla­desch-Rei­se im März 2026

Es ist vier Uhr mor­gens in Khul­na. Der Jet­lag hat mich geweckt. Durch das offe­ne Fens­ter drin­gen Stim­men, Geschirr­klap­pern, Motor­rä­der. Die Stadt lebt – mit­ten in der Nacht. Es ist Rama­dan. Men­schen essen noch schnell, bevor mit dem ers­ten Licht der Fas­ten­tag beginnt. Dann durch­schnei­det der Ruf des Muez­zins die Dun­kel­heit: Alla­hu akbar. Allah ist der Größte.Ich lie­ge unter dem Mos­ki­to­netz und den­ke: Chris­ten sind hier eine klei­ne Min­der­heit. Was kann eine klei­ne Schar schon bewir­ken? Da fällt mir ein Wort von Jesus ein: „Fürch­te dich nicht, du klei­ne Her­de – denn es hat eurem Vater gefal­len, euch das Reich zu geben.“ (Lukas 12,32) Nicht die Zahl ent­schei­det, son­dern Got­tes Zusage.

Ein paar Stun­den spä­ter sit­ze ich im Kin­der­dorf. Kin­der lachen auf dem Hof, ein Fuß­ball rollt über den stau­bi­gen Boden. Und dann sitzt Robin mir gegen­über. Ein ruhi­ger jun­ger Mann – wach, freund­lich, über­legt. Robin stammt aus einem klei­nen Dorf. Sei­ne Eltern waren Chris­ten. Doch als er etwa fünf Jah­re alt war, zer­brach das Leben der Fami­lie. Sein Vater trank viel Alko­hol, Gewalt über­schat­te­te den All­tag. Sei­ne Mut­ter woll­te trotz­dem, dass Robin gut auf­wächst und von Jesus hört und brach­te ihn mit Hil­fe eines Pas­tors ins Kin­der­dorf. „Ich hat­te nur ein T‑Shirt und eine kur­ze Hose“, erzählt Robin.

Im Kin­der­dorf bekam er, was für vie­le Kin­der selbst­ver­ständ­lich ist: ein Bett, regel­mä­ßi­ge Mahl­zei­ten, Schu­le – und Men­schen, die ihn sahen. Die mit ihm bete­ten. Ein Erleb­nis hat sich tief in sein Herz ein­ge­brannt. Als klei­ner Jun­ge rann­te Robin ein­mal auf eine Stra­ße. Ein Last­wa­gen ras­te her­an. „Plötz­lich fühl­te ich, wie mich jemand von hin­ten zurück­hielt“, sagt er. „Aber da war nie­mand.“ Für Robin war klar: Jesus hat ihn bewahrt. Die­ser Gedan­ke ließ ihn nicht mehr los. Mit 15 begann er, über die Tau­fe nach­zu­den­ken. Nach inten­si­ver Vor­be­rei­tung ließ er sich letz­tes Jahr tau­fen. Doch kurz danach kam die schwers­te Ent­schei­dung sei­nes Lebens. Nach sei­ner Abschluss­prü­fung besuch­te er sei­ne Mut­ter, die inzwi­schen einen mus­li­mi­schen Mann gehei­ra­tet hat. Sie stell­ten Robin vor die Wahl: Fami­lie – oder Jesus.

Wenn er blei­ben wol­le, müs­se er Mus­lim wer­den. Doku­men­te zur Unter­schrift lagen schon bereit. Frei­tags soll­te er zum Gebet mit­ge­hen. Als er sich wei­ger­te, bekam er nichts mehr zu essen. „Wenn du Christ bleibst, brauchst du nicht mehr nach Hau­se zu kom­men“, sag­te sei­ne Mut­ter. Robin senkt den Blick, als er davon erzählt. „Ich habe viel geweint“, sagt er lei­se. „Aber ich habe gesagt: Ich glau­be an mei­nen himm­li­schen Vater. Wenn ihr mich hier nicht wollt, gehe ich zurück ins Kinderdorf.“

Und genau das tat er. Heu­te lebt Robin wei­ter­hin dort und wird unter­stützt. Jeden Tag liest er in der Bibel. Jeden Tag betet er – auch für sei­ne Mut­ter, dass Gott ihr Herz verändert.

Als ich ihn fra­ge, was das Kin­der­dorf für ihn bedeu­tet, ant­wor­tet er, ohne zu zögern: „Das Kin­der­dorf ist für mich alles – Fami­lie, Brü­der und Schwes­tern.“ Dann sagt er etwas, das direkt euch gilt:
„Ihr seid mei­ne Väter und Müt­ter, weil ihr für uns sorgt.“

Robin ist kein ver­bit­ter­ter jun­ger Mann, son­dern ein jun­ger Christ mit Mut, Klar­heit und Hoff­nung. Und ich den­ke: Genau das bewirkt eure Unter­stüt­zung, lie­be Mis­si­ons­freun­de, in einem schwie­ri­gen Kon­text wie Ban­gla­desch. Sie ver­än­dert nicht nur Lebens­um­stän­de. Sie ver­än­dert Lebens­ge­schich­ten. Sie schenkt Hei­mat. Glau­ben. Zukunft. Dan­ke, dass ihr das mög­lich macht.

Bit­te bleibt an unse­rer Sei­te – damit noch vie­le Jun­gen wie Robin geist­li­che Eltern auf der gan­zen Welt fin­den dürfen.

Mit herz­li­chen Grüßen
Dave Jarsetz

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„In Sambia beten die Menschen in allen Situationen“

Mar­git Schwemm­le ist seit 2014 Dozen­tin an der „Evan­ge­li­cal Uni­ver­si­ty“ (EU) in Ndo­la und beglei­tet jun­ge Sam­bier in ihrer theo­lo­gi­schen Aus­bil­dung als Men­to­rin. Im Juni 2016 hat sie zusätz­lich die Stu­di­en­lei­tung über­nom­men. Nun strebt sie eine Pro­mo­ti­on an. Meh­re­re Jah­re über­brück­te sie die Vakanz in der Lei­tung der EU. Die frü­he­re Finanz­be­am­tin hat die Bibel­schu­le Bra­ke absol­viert und war danach mit der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on in Mala­wi und in der Pio­nier­mis­si­on in Sam­bia im Ein­satz. Der­zeit ist Mar­git in Deutsch­land und berich­tet von ihrer Arbeit. Wir haben ihr eini­ge Fra­gen gestellt.

Du lebst und arbei­test schon seit 28 Jah­ren in Afri­ka, zuerst in Mala­wi, jetzt in Sam­bia. Fühlst du dich mehr als Afri­ka­ne­rin oder als Deutsche?
Die­se Fra­ge ist echt schwer zu beant­wor­ten. Meis­tens füh­le ich mich als bei­des. Manch­mal kommt das eine mehr durch, manch­mal das ande­re. Ich bin auf jeden Fall ent­spann­ter gewor­den als frü­her. In Afri­ka heißt es meis­tens: „Es wird schon irgend­wie.“ Ich habe gelernt, gelas­se­ner zu sein. Das fällt mir auf, wenn ich in Deutsch­land bin. In Afri­ka fehlt mir dann aber wie­der­um manch­mal die Gelas­sen­heit, weil zu vie­les nicht so funk­tio­niert, wie ich es ger­ne hätte.

Wie kann man sich die Evan­ge­li­cal Uni­ver­si­ty vor­stel­len, was ist das Beson­de­re bei euch?
Das Beson­de­re ist, dass wir kei­ner Deno­mi­na­ti­on ange­hö­ren. Der Trä­ger der Evan­ge­li­cal Uni­ver­si­ty ist die Evan­ge­li­sche Alli­anz in Sam­bia. Das spie­gelt sich auch in den Stu­den­ten und Dozen­ten wider, die aus ganz unter­schied­li­chen Gemein­den kom­men. Das ist ein gro­ßer Vor­teil und unser Allein­stel­lungs­merk­mal im Land. Meis­tens haben die ver­schie­de­nen Deno­mi­na­tio­nen ihre eige­nen theo­lo­gi­schen Aus­bil­dungs­stät­ten, die „ihre“ Leu­te nur in eine Rich­tung prä­gen wol­len. Die­se Viel­falt und unter­schied­li­chen Prä­gun­gen bei uns sind bereichernd.

Sam­bia gilt als christ­li­ches Land. Ste­hen da ange­hen­de Pas­to­ren nicht Schlan­ge für eine theo­lo­gi­sche Ausbildung?
Lei­der nicht. Die Attrak­ti­vi­tät des Berufs in Sam­bia ist eher gering – auch, weil die meis­ten Pas­to­ren schlecht bezahlt wer­den. Wer kann und will sich vier Jah­re Aus­bil­dung leis­ten, um dann in einem Job zu lan­den, mit dem man nicht ein­mal sei­ne Fami­lie ver­sor­gen kann? Dazu kommt, dass in man­chen Gemein­de­rich­tun­gen oft die Ansicht vor­herrscht: „Wir haben den Hei­li­gen Geist und brau­chen kei­ne theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung.“ Die Wir­kung des Hei­li­gen Geists ist wich­tig, aber ohne eine fun­dier­te theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung kann die Leh­re schnell ein­sei­tig werden.

Was moti­viert dich für dei­ne Arbeit an der EU?
Es ist geni­al zu sehen, wie sich die Stu­den­ten vom ers­ten bis zum vier­ten Stu­di­en­jahr ver­än­dern. Außer­dem moti­viert mich die Mög­lich­keit, Mit­ar­bei­ter und Dozen­ten so zu befä­hi­gen, dass sie ihre Auf­ga­ben im Klas­sen­zim­mer, den Büros und der Biblio­thek gut wahr­neh­men können.

Du hat­test inte­rims­wei­se die Lei­tung der Hoch­schu­le über­nom­men – eigent­lich für ein paar Mona­te. Dar­aus sind zwei­ein­halb Jah­re gewor­den. Wie kam es dazu und bist du froh, dass die Lei­tung nun wie­der in sam­bi­schen Hän­den liegt?
Gott sei Dank! Ja, ich bin sehr froh, dass die Lei­tung nun wie­der in sam­bi­schen Hän­den liegt. Ursprüng­lich war ange­dacht, dass ich sechs Mona­te über­brü­cke. Es wur­de dann aber schnell klar, dass es län­ger wür­de. Ich war für den Vor­stand eine neu­tra­le und kos­ten­güns­ti­ge Lösung, weil ich kei­ne Deno­mi­na­ti­on ver­tre­te und durch die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on bezahlt wur­de. Die Evan­ge­li­sche Alli­anz als Trä­ger zu haben, hat vie­le Vor­tei­le, aber auch einen Nach­teil: Es muss geklärt wer­den, aus wel­chem geist­li­chen Hin­ter­grund der neue Lei­ter kommt und wer die Finan­zie­rung der Posi­ti­on über­nimmt. Das ist dann gar nicht so leicht zu entscheiden.

Was kön­nen Chris­ten in Deutsch­land von sam­bi­schen Chris­ten lernen?
Der natür­li­che Umgang mit dem Gebet. In Sam­bia beten die Men­schen in allen Situa­tio­nen – zum Bei­spiel auf der Stra­ße oder im Büro. Die Men­schen haben kei­ne Scheu, ihr Herz vor Gott aus­zu­schüt­ten. Da kön­nen wir etwas davon lernen.

Auf was freust du dich wäh­rend dei­ner Zeit in Deutsch­land am meisten?
Ich freue mich, mehr Zeit für Fami­lie, Freun­de, Besu­che und Kon­tak­te zu haben. Und ich freue mich auch, ein­fach mal nicht auf­zu­fal­len. Das ist als Wei­ße in Sam­bia immer noch etwas, was mir manch­mal schwerfällt.

Du willst die Mis­si­ons­ar­beit von Mar­git Schwemm­le mit einer Spen­de unter­stüt­zen? Dann kannst du das über die­sen Link tun.

Glaube, Heilung und Neubeginn

BANGLADESCH. 2022 erkrank­te Peter an Krebs. Es war eine schwie­ri­ge Zeit für ihn, die den damals 18-Jäh­ri­gen an sei­ne Gren­zen brach­te. Heu­te ist der jun­ge Mann voll­stän­dig geheilt und hat sich dazu ent­schie­den, als Mit­ar­bei­ter im Kin­der­dorf in Dina­j­pur anzufangen.

Peter wuchs nach dem Tod sei­nes Vaters selbst in genau die­sem Kin­der­dorf auf. Daher kennt er die Her­aus­for­de­run­gen, Sehn­süch­te und Ängs­te der Jun­gen sehr gut aus eige­ner Erfahrung.

Lei­der war die Zusam­men­ar­beit mit dem Haus­va­ter schwie­rig. Doch wir ermu­tig­ten Peter, dran­zu­blei­ben, denn wir sahen so viel Poten­zi­al in ihm und sei­ne gro­ße Lie­be zu den Jun­gen. Als der Haus­va­ter vor eini­gen Mona­ten das Kin­der­dorf ver­ließ, begann eine neue Zeit: Peter bekam mehr Ver­ant­wor­tung und absol­vier­te eine päd­ago­gi­sche Fort­bil­dung. Eine lie­be­vol­le und weg­wei­sen­de Erzie­hung der Jun­gen prägt nun sei­nen All­tag. Er beginnt zu ver­ste­hen, dass sei­ne Arbeit nicht nur „Arbeit“ ist, son­dern dass er für die Jun­gen im Kin­der­dorf wie ein lie­be­vol­ler Vater sein darf. Ein Vater, den er in Gott erleb­te, da sein leib­li­cher Vater früh verstarb.

Nach eini­gen Mona­ten sei­nes Diens­tes kamen die Jun­gen auf ihn zu und sag­ten: „Peter, wir dach­ten immer, du seist gegen uns, weil du uns auf unse­re Feh­ler hin­weist. Aber jetzt haben wir ver­stan­den, dass dei­ne Ehr­lich­keit ein Beweis dafür ist, dass du für uns bist und nur das Bes­te für uns willst.“

Dan­ke, wenn ihr mit­be­tet, dass Peter wei­ter­hin ein Segen für sei­ne Mit­men­schen und die Jun­gen im Kin­der­dorf ist.

Bene­dikt & Vere­na Tschauner

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Gebet als Kraft bei inneren Kämpfen

BAD LIEBENZELL. Rund 950 Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne tra­fen sich vom 27. Febru­ar bis 1. März zum Beten, Fei­ern und Gott begeg­nen. Sie nah­men amY­outh Pray­er Con­gress (YouPC) der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on teil. Bereits zum 26. Mal fand die­ser Gebets­kon­gress in Bad Lie­ben­zell im Nord­schwarz­wald statt. Die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer befass­ten sich durch Vor­trä­ge, Semi­na­re und an krea­tiv gestal­te­ten Sta­tio­nen mit dem The­ma Gebet.

Zu Beginn des Kon­gres­ses erin­ner­ten die Ver­an­stal­ter an die Anfän­ge der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on. Ende des 19. Jahr­hun­derts bete­te Schwes­ter Lina Stahl elf Jah­re lang dafür, dass aus dem Schloss­berg­hü­gel in Bad Lie­ben­zell ein „feu­er­spei­en­der Berg“ wer­de, von dem aus die gute Nach­richt von Jesus Chris­tus in aller Welt ver­kün­digt wird. 1902 sie­del­te Pfar­rer Hein­rich Coer­per mit dem deut­schen Zweig der Chi­na-Inland-Mis­si­on nach Bad Lie­ben­zell um. Weni­ge Jah­re spä­ter benann­te sich die Orga­ni­sa­ti­on in „Lie­ben­zel­ler Mis­si­on“ um. Heu­te gehö­ren zu dem Mis­si­ons­werk rund 250 Mis­sio­na­rin­nen und Mis­sio­na­re in etwa 30 Ländern.

Bernd Stamm aus dem Lei­tungs­team des Kon­gres­ses wünsch­te den jun­gen Teil­neh­mern per­sön­li­che Begeg­nun­gen mit Jesus Chris­tus: „Den Youth Pray­er Con­gress gibt es, damit du Gott begeg­nest. Er klinkt sich in den alten Auf­trag der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on und den uralten Auf­trag von Jesus Chris­tus ein: Men­schen sol­len Jesus fin­den. Des­halb sind wir alle hier.“ Das Kon­gress-Mot­to „Hid­den Fights“ (Ver­bor­ge­ne Kämp­fe) sei für vie­le jun­ge Chris­ten sehr aktu­ell: „Lasst uns gemein­sam ler­nen, wie wir in Her­aus­for­de­run­gen Gott hin­ein­neh­men kön­nen und erle­ben, wel­che Power im Gebet liegt.“

In ver­schie­de­nen Gebets­räu­men konn­ten die Jugend­li­chen ent­spre­chend ihrer Inter­es­sen unter­schied­li­che Gebets­for­men erle­ben: Poet­ry, Krea­tiv-Raum, All­tags­hel­den-Talk, Abend­mahls­fei­er, Tanz, Bestau­nen der Schöp­fung oder Gebetsspaziergang.
Haupt­red­ner des Jugend­ge­bets­kon­gres­ses war Luca Eichel, Gemein­de­grün­der der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on in Frankfurt/Main. Er sag­te, dass Gott die Men­schen mit einem ganz beson­de­ren Sinn erschaf­fen habe: „Unser gan­zes Leben soll Got­tes Eigen­tum sein. Wir sind erschaf­fen für Anbe­tung.“ Manch­mal sei es schwer, auf Gott zu sehen, wenn es im Leben drun­ter und drü­ber gehe. „Aber es ist Got­tes Plan, dass du und ich sei­ne Kin­der sind. Er sagt: ‚Ich will dich gebrau­chen. So wie du bist. Sei ein Teil der Geschich­te, die ich mit die­ser Welt schrei­be‘“, so Luca Eichel.
In der zwei­ten Pre­digt stand das The­ma Für­bit­te im Mit­tel­punkt. Luca Eichel sag­te, dass sich auch Chris­ten immer wie­der fra­gen, wel­chen Sinn ihr Gebet über­haupt habe: „Was bringt es über­haupt, dass ich als klei­ner Mensch bete?“, lau­te eine der zen­tra­len Fra­gen. Laut Luca Eichel neh­me Gott jeden Men­schen und jedes Gebet ernst. Der Mensch sei Got­tes Gegen­über und bete daher nicht ver­geb­lich: „Wir beten zu Jesus, der alles kann, dem alles gehört und des­sen Leib wir als sei­ne Kir­che sind.“ Im Gebet ver­bin­de man sich mit einer Kraft, die weit grö­ßer sei als man selbst.
Luca Eichel sprach auch über das The­ma Wachs­tum im Glau­ben. Das habe nichts damit zu tun, mehr Wis­sen anzu­sam­meln, son­dern immer mehr zu ent­de­cken, wie sehr Gott uns liebt: „Damit kom­men wir zu der gan­zen Fül­le des Lebens, die Gott für uns bereit­hält.“ Ver­mut­lich jeder Mensch ken­ne den Gedan­ken, nur etwas wert zu sein, wenn man etwas leis­te: „Unse­re Welt ist voll von Bezie­hun­gen, die so lau­fen, dass ich ange­nom­men bin, solan­ge ich etwas leis­te oder geben kann.“ Die­se Art von Bezie­hun­gen prä­ge uns so sehr, dass wir oft von Angst getrie­ben sei­en. Anders sei es bei Gott: „Bei ihm sind wir bedin­gungs­los geliebt. Er will uns nicht nur so lan­ge bei sich haben, wie er uns brau­chen kann, son­dern bis ans Ende.“

Im Semi­nar „Pau­lus und die Ephe­ser“ sprach Prof. Dr. Vol­ker Gäck­le, Rek­tor der Inter­na­tio­na­len Hoch­schu­le Lie­ben­zell, wie das Evan­ge­li­um eine anti­ke Stadt erober­te. Wei­te­re Semi­na­re dreh­ten sich um Sexua­li­tät, Por­no­gra­fie, welt­wei­te Chris­ten­ver­fol­gung, Fami­li­en­grün­dun­gen und wie man Got­tes Stim­me hören kann.
Bei einem Gebets­ein­satz boten Teil­neh­mer Men­schen in der Regi­on an, für sie zu beten.

Edgar Luz, Rek­tor der Inter­kul­tu­rel­len Theo­lo­gi­schen Aka­de­mie, sprach im Semi­nar „Uner­hört“ über den Umgang mit nicht erhör­ten Gebe­ten. Gleich zu Beginn stell­te er klar, dass aus­blei­ben­de Gebets­er­hö­run­gen kei­ne Aus­nah­me sei­en. Viel­mehr sei­en uner­hör­te Gebe­te „eher die Regel im Leben“. Luz ver­wies dar­auf, dass es zahl­rei­che Bibel­stel­len gebe, die schein­bar ver­spre­chen, dass Gott jede Bit­te erfül­le. Wer sol­che Aus­sa­gen aus dem Zusam­men­hang rei­ße, kön­ne jedoch schnell ent­mu­tigt wer­den. „Unse­re Theo­lo­gie sagt, dass Gott gut ist und dass er uns liebt“, sag­te Luz. Genau die­se Über­zeu­gung ste­he jedoch in Span­nung zu uner­hör­ten Gebe­ten. „Wir wis­sen, dass Gott kann und will“, erklär­te er, und gera­de des­halb sei es so her­aus­for­dernd, wenn Gott schein­bar schwei­ge. Er warn­te zugleich davor, in schwie­ri­gen Situa­tio­nen ent­we­der die eige­ne Theo­lo­gie zu ver­än­dern oder Situa­tio­nen zu mei­den, in denen man von Gott ent­täuscht wer­den könn­te. Die Lösung lie­ge an einer ande­ren Stel­le: „Die Span­nung zwi­schen Theo­lo­gie und Erfah­rung löst sich hei­lend in der Kla­ge!“, beton­te Luz. Er erin­ner­te an eine Aus­sa­ge Mar­tin Luthers, der zufol­ge Gott Gebe­te auf drei Arten beant­wor­te: Ja, Nein und War­te. Ein „Ja“ füh­re dazu, dass Gott die grö­ße­re Ehre bekom­me. Ein „War­te“ deu­te auf einen grö­ße­ren Plan hin. Ein „Nein“ sei nicht Aus­druck gött­li­cher Ableh­nung, son­dern Hin­weis dar­auf, dass Gott etwas ande­res vor­ha­be. Die christ­li­che Hoff­nung, so Luz, sei immer von einer Ewig­keits­per­spek­ti­ve getra­gen. „Wir glau­ben dar­an, dass Gott kann, aber wir müs­sen damit rech­nen, dass er es nicht tut.“ Manch­mal füh­le sich das Leben an „wie Kar­sams­tag – nach der Kreu­zi­gung, aber vor der Auferstehung“.

Mit beim YouPC dabei waren auch Mis­sio­na­re aus dem Aus­land und aus Deutsch­land. Debo­rah Schutte arbei­tet im Hoff­nungs­haus in Bad Lie­ben­zell. Dort leben Chris­ten und Nicht-Chris­ten, Deut­sche und Nicht-Deut­sche zusam­men. Durch das inte­gra­ti­ve Pro­jekt für geflüch­te­te Men­schen, so ihre Hoff­nung, sol­len aus Frem­den Freun­de werden.Die Musik an dem Wochen­en­de kam von der Band „ELI Collective“.Der nächs­te Youth Pray­er Con­gress fin­det vom 26. bis 28. Febru­ar 2027 statt.

Gebetskongress für Jugendliche im Nordschwarzwald

BAD LIEBENZELL. Rund 800 Jugend­li­che wer­den vom 27. Febru­ar bis 1. März zum „Youth Pray­er Con­gress“ (YouPC) in Bad Lie­ben­zell erwar­tet. Der Jugend­ge­bets­kon­gress fin­det bereits zum 26. Mal statt. Das Mot­to lau­tet in die­sem Jahr „Hid­den Fights – Ent­de­cke die Kraft des Gebets“.

Wäh­rend des Wochen­en­des spielt Gebet in viel­fäl­ti­gen For­men eine zen­tra­le Rol­le: in Got­tes­diens­ten, bei Gebets­früh­stü­cken, in Klein­grup­pen, bei Gebets­ein­sät­zen sowie an krea­tiv gestal­te­ten Gebets­sta­tio­nen. Dort kön­nen die Teil­neh­men­den etwa für benach­tei­lig­te Men­schen, ihre Schu­len oder poli­ti­sche Ver­ant­wor­tungs­trä­ger beten und per­sön­li­che Begeg­nun­gen mit Gott suchen.

Zum YouPC rei­sen Jugend­li­che ab 14 Jah­ren sowie jun­ge Erwach­se­ne aus dem gesam­ten deutsch­spra­chi­gen Raum an. Für Teil­neh­men­de, die das gesam­te Wochen­en­de vor Ort ver­brin­gen möch­ten, ste­hen Gemein­schafts­un­ter­künf­te zur Verfügung.

Kurz­fris­ti­ge Anmel­dun­gen sind noch über die Inter­net­sei­te www.liebenzell.org/youpc mög­lich. Dort gibt es auch wei­te­re Informationen.

Zukünftige Leiter prägen

PAPUA-NEUGUINEA. Rahab ist hoch moti­viert. Im Lau­fe des letz­ten Jah­res hat die jun­ge Frau oft bei uns in Wewak an Lei­ter­schafts­kur­sen von „Shape Life“ teil­ge­nom­men. Sie hat die Trai­nings­in­hal­te regel­recht auf­ge­so­gen und meist sofort umge­setzt. Wir beglei­te­ten sie auf dem Weg zu einer treu­en Lei­te­rin mit star­ker Ausstrahlung.

In ihrer Kir­che ist Rahab Jugend­lei­te­rin. An Ostern tra­fen sich die 30 Teil­neh­mer ihrer Jugend­grup­pe zu einem gemein­sa­men Abend. Die Sehn­sucht, mehr von Jesus zu hören, war groß. So ent­schlos­sen sie spon­tan – mit­hil­fe eini­ger enga­gier­ter Müt­ter – das Tref­fen auf meh­re­re Tage aus­zu­deh­nen. Aus einem Jugend­abend wur­de ein Jugend­wo­chen­en­de. Rahab hat­te in die­ser Zeit die Chan­ce, das Evan­ge­li­um ganz klar zu pre­di­gen. Dar­auf­hin ent­schie­den sich 14 Jugend­li­che für ein Leben mit Jesus!

Rahab ist auch Kids­club ‑Leh­re­rin an der städ­ti­schen Müll­hal­de. Dort wohnt Naso­mai, die jah­re­lang treu zum Kids­club kam. Sie wur­de von Rahab ent­schei­dend geprägt und folgt jetzt Jesus. Nach Abschluss eines fünf­tä­gi­gen Kur­ses fühlt sich Naso­mai bereit und gestal­tet nun selbst als Leh­re­rin das Kin­der­pro­gramm an der Müll­hal­de mit.

Seit kur­zem besucht Rahab ande­re Kids­clubs, um die­se zu ermu­ti­gen. Mehr und mehr über­nimmt sie dabei – ohne es selbst zu ahnen – eine Men­to­ren­rol­le für ande­re. Die jun­ge Frau hat einen enor­men Ein­fluss auf das Netz­werk unse­rer Kids­club-Leh­rer und auf die Stim­mung unter ihnen. Die­sen nutzt sie gewinn­brin­gend für Jesus.

Was für eine Frau! Wir fei­ern Rahab sehr. Betet mit uns, dass vie­le ande­re sich von ihrem Leben und Vor­bild anste­cken las­sen und dass Gott ihr die Kraft gibt, in einer von Män­nern domi­nier­ten Kul­tur zu leiten.

Dan­ke, dass ihr uns unter­stützt, solch lei­den­schaft­li­che Lei­ter wie Rahab auszubilden!

Chris­ti­na Feige

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Wenn Traktoren predigen

Gün­ter Becker aus Unter­ö­wis­heim ist als Ruhe­ständ­ler immer wie­der in Sam­bia im Ein­satz. Wie es dazu kam, was ihn moti­viert und was ihm wich­tig gewor­den ist, berich­tet er in die­sem Interview.

Gün­ter, wie kamst du zur Lie­ben­zel­ler Mission?
Ich bin in Unter­ö­wis­heim bei Karls­ru­he in der dor­ti­gen Lie­ben­zel­ler Gemein­schaft und EC-Jugend­ar­beit groß gewor­den. Mit 17 Jah­ren habe ich eine Ent­schei­dung für Jesus Chris­tus getrof­fen. Ein Jahr spä­ter, bei einem Mis­si­ons­fest mit Mis­si­ons­in­spek­tor Ernst Vat­ter in Olfen, wur­de mir sehr klar: Gott ruft mich in die Mission.
Ich bin gelern­ter Mess- und Regel­me­cha­ni­ker. Damals mein­te Ernst Vat­ter – nicht ganz ohne Augen­zwin­kern – auf­grund mei­ner hei­se­ren Stim­me sei ich wohl bes­ser als Tech­ni­scher Mis­sio­nar geeig­net als für den Ver­kün­di­gungs­dienst. So habe ich zunächst mei­nen Zivil­dienst auf dem Mis­si­ons­berg in Bad Lie­ben­zell in der tech­ni­schen Berg­ver­wal­tung absol­viert. 1979 wur­de ich schließ­lich in eine Sprach­schu­le nach Eng­land geschickt, mit dem Ziel, als Tech­ni­scher Mis­sio­nar nach Ban­gla­desch zu gehen.

Die­ser Ein­satz kam dann aber nicht zustande.
Die Tür nach Ban­gla­desch hat sich uner­war­tet geschlos­sen – unter ande­rem wegen feh­len­der Visa. Rück­bli­ckend war das eine Pha­se des War­tens und der Unsi­cher­heit. Ich habe die Zeit genutzt, um in Werk­stät­ten und Zim­me­rei­be­trie­ben zu arbei­ten. Heu­te weiß ich: Gott war auch in die­ser „Hän­ge­par­tie“ am Werk. Er hat mei­nen Weg neu ausgerichtet.
So kam eine Anfra­ge aus Papua-Neu­gui­nea, wohin ich aller­dings eigent­lich nur ver­hei­ra­tet aus­rei­sen soll­te. Doch Gott hat­te längst alles vor­be­rei­tet. In Neu­gui­nea lern­te ich mei­ne Frau Helen ken­nen – eine Aus­tra­lie­rin, Kran­ken­schwes­ter und Heb­am­me. Zehn Jah­re konn­ten wir gemein­sam in der Mis­si­ons­ar­beit tätig sein: sie­ben Jah­re im Sepik-Gebiet und drei Jah­re auf der Insel Manus.

War­um seid ihr nach Deutsch­land zurückgekehrt?
Mei­ne Frau erkrank­te lebens­ge­fähr­lich schwer an Gehirn­ma­la­ria. Das war ein tie­fer Ein­schnitt. Wir muss­ten den Mis­si­ons­dienst been­den und nach Deutsch­land zurück­keh­ren. Anschlie­ßend war ich vie­le Jah­re in einem säku­la­ren Beruf tätig, zuletzt als Tech­ni­scher Trai­ner bei John Dee­re in Bruch­sal. Das ame­ri­ka­ni­sche Unter­neh­men ist einer der füh­ren­den Her­stel­ler von Land­tech­nik. Dort habe ich Mecha­ni­ker und Tech­ni­ker aus­ge­bil­det. Doch auch in die­ser Zeit war Mis­si­on immer Teil mei­nes Lebens. So war ich über 30 Jah­re Mis­si­ons­be­auf­trag­ter in mei­nem Gemein­schafts­be­zirk. Das war immer mei­ne Lei­den­schaft neben mei­nem Beruf.

Heu­te enga­gierst du dich in dei­nem Ruhe­stand seit fünf Jah­ren wie­der aktiv im Aus­land, unter ande­rem an der Ama­no-Schu­le in Sambia.
Gott hat mich reich geseg­net und ich woll­te ein­fach etwas an die Men­schen zurück­ge­ben, die es nicht so gut haben wie ich. Micha­el Pflaum, der Ama­no-Schul­lei­ter, den ich fast 60 Jah­re ken­ne, frag­te mich, ob ich nicht mein tech­ni­sches Wis­sen und Kön­nen in Sam­bia ein­set­zen könn­te. Ganz prak­tisch arbei­te ich als Tech­ni­scher Mis­sio­nar: Ich repa­rie­re unter ande­rem Trak­to­ren und Schul­bus­se. Her­aus­for­de­run­gen wie Spe­zi­al­ma­schi­nen und Strom­ag­gre­ga­te sind mein gro­ßes Hob­by. Nur für den Ölwech­sel muss ich nicht nach Afri­ka gehen.
Das Ama­no-Gelän­de selbst umfasst ein rund 500 Hekt­ar gro­ßes Gebiet, das ent­spricht rund 700 Fuß­ball­fel­dern, mit neun Kilo­me­ter lan­gen Zäu­nen und Grün­strei­fen, die regel­mä­ßig gepflegt wer­den müssen.
Dafür wer­den Trak­to­ren ver­wen­det, die oft 60 Jah­re alt sind. Ohne funk­tio­nie­ren­de Tech­nik ist das nicht mög­lich. Mich begeis­tert, wie ein­hei­mi­sche Hand­werks­be­trie­be hel­fen, die Ersatz­tei­le mit ihren Dreh­bän­ken und Fräs­ma­schi­nen selbst her­zu­stel­len. Zu die­sen Betrie­ben sind inzwi­schen rich­ti­ge Freund­schaf­ten entstanden.
Dabei ist mir sehr wich­tig: Ich arbei­te nie im Allein­gang, son­dern immer gemein­sam mit ein­hei­mi­schen Hand­wer­kern. Es geht nicht nur dar­um, dass am Ende eine Maschi­ne wie­der läuft. Es geht auch dar­um, Men­schen mit­zu­neh­men – fach­lich und geist­lich. Die Ein­hei­mi­schen sol­len erle­ben: Pro­ble­me sind nicht das Ende, son­dern oft der Anfang von etwas Neu­em. Gott schenkt Weis­heit, Lösun­gen und neue Per­spek­ti­ven. Es ist schön zu erle­ben, wie sie sich davon anste­cken las­sen und Din­ge selbst lösen.

Du sprichst oft davon, dass Tech­nik nur Mit­tel zum Zweck ist.
Maschi­nen kann man erset­zen. Men­schen nicht. Etwa 70 Pro­zent mei­ner Zeit inves­tie­re ich in tech­ni­sche Arbeit, 30 Pro­zent ganz bewusst in geist­li­che Beglei­tung. Jeden Mor­gen begin­nen die rund 30 Hand­wer­ker wie Elek­tri­ker, Zim­mer­leu­te und Auto­me­cha­ni­ker – von denen rund zwei Drit­tel kei­ne Chris­ten sind – ihren Arbeits­tag mit einer halb­stün­di­gen Andacht. Dazu kom­men Gesprä­che mit Stu­den­ten, Bibel­im­pul­se und Pre­dig­ten in umlie­gen­den Dörfern.
Die jun­gen Men­schen dort lie­ben es, wenn ich die Lie­der mit mei­nem Akkor­de­on beglei­te. Ich möch­te ihnen dabei hel­fen, ihre Gaben zu ent­de­cken, zu ent­wi­ckeln und einzusetzen.
Mein Ziel ist es, dass Men­schen Gott nicht nur auf den Sonn­tag­mor­gen redu­zie­ren. Er will unser gan­zes Leben und ist 24 Stun­den an sie­ben Tagen in der Woche für uns da. Ich sage oft: „An Got­tes Segen ist alles gele­gen.“ Das ist kein from­mer Spruch, son­dern geleb­te Rea­li­tät. Das kle­be ich auf alles, was ich in Deutsch­land restau­rie­re und fer­ti­ge. Und es steht auch ganz groß auf mei­nem Wochen­end­haus im Wein­berg, an dem vie­le Wan­de­rer vor­bei­kom­men. Wir tun alles in der Abhän­gig­keit von Gott. Es liegt nicht an unse­ren Mühen und unse­rem Engagement.

Was moti­viert dich, gera­de im Ruhe­stand noch ein­mal so viel Kraft zu investieren?
Zeit im Ruhe­stand ist ein Geschenk und eine Ver­ant­wor­tung zugleich. Wenn ich auf mein Leben zurück­bli­cke, sehe ich so vie­le offe­ne Türen, so viel Bewah­rung und Füh­rung Got­tes. Gott hat in den gro­ßen Unmög­lich­kei­ten mei­nes Lebens Wege geöff­net, von denen ich nicht ein­mal geträumt hät­te. Davon möch­te ich etwas wei­ter­ge­ben. Mein Herz brennt für die Welt­mis­si­on und für die nächs­te Gene­ra­ti­on. Ein Zitat des ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Pre­mier­mi­nis­ters Win­s­ton Chur­chill beglei­tet mich dabei sehr: „Poli­ti­ker den­ken an die nächs­te Wahl. Staats­män­ner an die nächs­te Gene­ra­ti­on.“ Genau dar­um geht es an Orten wie der Ama­no-Schu­le: Jun­ge Men­schen wer­den dort nicht nur aka­de­misch, son­dern auch geist­lich geprägt. Es wer­den Fun­da­men­te gelegt, die die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen für ein gelin­gen­des Leben mit und für Gott bie­ten. Die Tech­nik und alle Maschi­nen die­nen die­sem grö­ße­ren Ziel.

Was kön­nen wir Chris­ten in Deutsch­land von Men­schen in Afri­ka lernen?
Zum Bei­spiel den Umgang mit Zeit. Afri­ka­ner machen nicht alles gleich­zei­tig. Wenn sie arbei­ten, dann arbei­ten sie. Wenn sie ruhen, dann ruhen sie. Mul­ti­tas­king ist dort kein Ide­al. Was ich mache, mache ich ganz. Das hat mir gehol­fen, mei­nen eige­nen Lebens­rhyth­mus zu überdenken.

Was soll­ten Ruhe­ständ­ler beach­ten, die über­le­gen, sich im Aus­land mit ihrem Wis­sen und Kön­nen einzubringen?
Gaben und Lebens­er­fah­rung sind nicht nur für uns selbst da. Sprecht mit der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on, um her­aus­zu­fin­den, wie ihr sie im Ruhe­stand wei­ter­ge­ben könnt. Ich bin im Rah­men des Kurz­zeit-Ein­satz­pro­gramms „impact“ unter­wegs und erle­be das als gro­ße Unter­stüt­zung. Auf dem Mis­si­ons­berg in Bad Lie­ben­zell küm­mern sich die Mit­ar­bei­ter um Flug, Ver­si­che­run­gen und Zoll­an­ge­le­gen­hei­ten. Mei­ne Freun­de spen­den für mei­nen Ein­satz. Ich gehe mit dem Bewusst­sein, dass Gott mich nach Afri­ka sen­det. Ich gehe nicht, um Aben­teu­er zu erle­ben. Gott sen­det mich, und ich bin Teil sei­nes Auf­trags. Die Arbeit mit und an den Men­schen steht für mich an ers­ter Stel­le. Eng­lisch­kennt­nis­se sind dabei sehr hilf­reich. Es muss aber kein per­fek­tes Eng­lisch sein. Am Ende bleibt für mich die­se Gewiss­heit: Trak­to­ren wer­den wie­der kaputt­ge­hen. Was wir jedoch in Men­schen inves­tie­ren, was wir säen, hat blei­ben­den Wert – für Zeit und Ewigkeit.

„Wenn man Toronto erreicht, erreicht man die ganze Welt.“

Memo Bojan lebt und arbei­tet seit Dezem­ber 2023 in Kana­da im Groß­raum Toron­to. Dort ist er in der Gemein­de­grün­dung in Mis­sissau­ga tätig. Zu sei­nen Auf­ga­ben gehö­ren Pre­digt­diens­te sowie Evan­ge­li­sa­ti­on und Jün­ger­schaft. Der gelern­te Zim­me­rer wur­de als Kur­de im Osten der Tür­kei gebo­ren. Nach sei­ner Bekeh­rung und dem Besuch einer Bibel­schu­le enga­gier­te er sich inten­siv in der Jung­schar- und Jugend­ar­beit, im Pre­digt­dienst sowie bei evan­ge­lis­ti­schen Einsätzen.
In den nächs­ten Wochen ist er in Deutsch­land und berich­tet von sei­ner Arbeit. Wir haben ihm eini­ge Fra­gen gestellt.

Du bist seit etwa zwei Jah­ren als Gemein­de­grün­der in Kana­da. Was war dein High­light in die­ser Zeit?
Die Gegend und mei­ne Gemein­de sind sehr inter­na­tio­nal. Ich selbst habe Migra­ti­ons­hin­ter­grund, aber so viel Inter­na­tio­na­li­tät habe ich in Deutsch­land nicht erlebt. Es ist schön zu sehen, wie gut das Mit­ein­an­der der ver­schie­de­nen Kul­tu­ren in Kana­da und auch bei uns in der Gemein­de klappt. Das ist dort schon ent­spann­ter. In Deutsch­land sind vie­le Men­schen etwas ängst­li­cher in Bezug auf den Umgang mit Men­schen aus ande­ren Kul­tu­ren. Die gan­ze Welt an einem Ort oder sogar in einer Gemein­de zu haben, begeis­tert mich. Das ist ein biss­chen Him­mel auf Erden.

Sind die Men­schen in Kana­da offe­ner für den christ­li­chen Glau­ben als in Deutschland?
Das weiß ich nicht. Nicht unbe­dingt offe­ner, aber viel­leicht sind sie neu­gie­ri­ger. Vie­le kom­men aus Län­dern, in denen sie noch nie vom Evan­ge­li­um gehört haben. Sie stel­len Fra­gen, sind inter­es­siert und ein­fach neu­gie­rig. Manch­mal wird dann aus der Neu­gier auch Offen­heit für den Glauben.

Toron­to gilt als die mul­ti­kul­tu­rells­te Stadt der Welt. Du bist in der Tür­kei gebo­ren und in Deutsch­land auf­ge­wach­sen. Hel­fen dir die ver­schie­de­nen kul­tu­rel­len Prä­gun­gen für dei­nen Missionsdienst?
Abso­lut. Das hilft mir sehr. Auch wenn ich natür­lich immer wie­der selbst dazu­ler­nen muss. Aber ich kann mich schon gut in Men­schen hin­ein­füh­len, die zuge­wan­dert sind – weil ich das selbst erlebt habe. Mir hilft es auch, in einem mus­li­mi­schen Umfeld groß gewor­den zu sein. Denn die Leu­te fra­gen sich oft, war­um ich Christ bin und stel­len mir vie­le Fra­gen. Das ist ein guter Tür­öff­ner. Auch im Mit­ein­an­der stel­le ich das immer wie­der fest. Man­che Men­schen sind mir gegen­über offe­ner. Ganz genau weiß ich auch nicht war­um. Viel­leicht sehen sie mich ein­fach als einen von ihnen.

Was ist eure Visi­on für die Gemein­de­grün­dung in Mississauga?
Unse­re Visi­on ist, unse­ren Stadt­teil mit dem Evan­ge­li­um zu errei­chen. Etwa 80 Pro­zent der Men­schen bei uns sind mus­li­misch. Bewusst haben wir kein eige­nes Kir­chen­ge­bäu­de, son­dern tref­fen uns im Nach­bar­schafts­zen­trum. Unser Traum ist es, in die Nach­bar­schaft hin­ein­zu­wir­ken und Mus­li­me für Jesus zu erreichen.

Was sind für dich die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen in dei­ner Arbeit?
Ich habe erlebt, dass ich mich immer wie­der neu auf Situa­tio­nen ein­stel­len muss: frem­de Kul­tur, neue Spra­che, neue For­men der Zusam­men­ar­beit. Immer wie­der neu Zeit zu inves­tie­ren und sich selbst neu zu ent­wi­ckeln, ist her­aus­for­dernd. Mir per­sön­lich hat es aber auch viel gebracht und ich bin dar­an gewachsen.

In den nächs­ten Wochen bist du in Deutsch­land. Was wünscht du dir für die­se Zeit?
Ich wün­sche mir, dass sich Men­schen fin­den, die für mei­ne Arbeit beten und spen­den. Ich mer­ke, dass bei vie­len Men­schen das Bewusst­sein nicht da ist, dass Kana­da Mis­si­ons­land ist. Aber wenn wir in die Bibel schau­en, dann sehen wir, dass zum Bei­spiel Pau­lus sehr stra­te­gisch gear­bei­tet hat und sich die Orte sei­ner Mis­si­ons­rei­sen genau über­legt hat. Der Groß­raum Toron­to hat für das Evan­ge­li­um ein enor­mes Poten­zi­al. Über­spitzt gesagt: Wenn man Toron­to erreicht, erreicht man die gan­ze Welt. Denn die Men­schen neh­men dann die Bot­schaft von Jesus mit in ihre Heimatländer.

Du willst die Mis­si­ons­ar­beit von Memo Bojan mit einer Spen­de unter­stüt­zen? Dann kannst du das über die­sen Link tun.

Mutige Sehnsucht

KANADA. Ich erin­ne­re mich gut an den Sonn­tag­mor­gen, als Hos­sein zum ers­ten Mal das Gemein­de­haus betrat – höf­lich, etwas schüch­tern, aber mit einer tie­fen Sehn­sucht in den Augen. Gott hat­te ihn auf die­sen Moment vor­be­rei­tet. Hos­sein – einer unter Mil­lio­nen Immi­gran­ten in Toronto.

Im Iran hät­te er in sei­ner wohl­ha­ben­den Fami­lie ein gutes Leben füh­ren kön­nen, wenn er mit dem Strom geschwom­men wäre. Doch Hos­sein stellt Fra­gen und will das Unrecht nicht hin­neh­men. Für sich, sei­ne Frau und sei­nen Sohn sieht er kei­nen ande­ren Weg, als die Hei­mat zu verlassen.

Ent­wur­zelt, ent­täuscht vom Islam und der Eli­te sei­nes Lan­des kommt er nach Toron­to und arbei­tet auf dem Bau. Er bezeich­net sich als Athe­ist, beein­flusst von islam­kri­ti­schen Stim­men wie der von Aya­an Hir­si Ali. Deren über­ra­schen­de Hin­wen­dung zu Jesus im Jahr 2023 weckt Hos­seins Neu­gier. Er beginnt zu suchen – und fin­det unse­re Gemeinde.

Von Anfang an saugt er alles auf, was er hört. Jeden Sonn­tag kommt er früh, bleibt bis zuletzt und hilft beim Abwasch. Der Hei­li­ge Geist wirkt sicht­bar. Sei­ne Frau Zahra ist skep­tisch, erkennt aber die Ver­än­de­rung: „Hör nicht auf, in die Gemein­de zu gehen – du bist danach immer so glücklich.“
Doch Hos­sein zögert, denn die Angst vor Kon­se­quen­zen für sei­ne Fami­lie ist groß. Eini­ge Wochen spä­ter sitzt er unter Trä­nen im Got­tes­dienst. Nach dem Abwasch sagt der Ira­ner lei­se zu mir: „Ich habe mich ent­schie­den. Ich will Jesus nachfolgen.“

Heu­te ist er getauft und trägt den Namen John. Er ist zwar noch jung im Glau­ben, aber mit sei­ner Lie­be zu Jesus ist er für mich und vie­le ande­re ein Vorbild.

Memo Bojan

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Zwischen Straße und Gefängnis

SPANIEN. „Mei­ne Fami­lie nennt mich einen hoff­nungs­lo­sen Fall.“ Vor der Lie­ben­zel­ler Mis­sio­na­rin Mir­jam Schmück­le sitzt eine 48-jäh­ri­ge Frau aus Ecua­dor. Sie ist schon lan­ge auf den Stra­ßen Valen­ci­as bekannt und auch in dem Pro­jekt Misión Evan­gé­li­ca Urba­na. Die Stadt­mis­si­on hilft ent­wur­zel­ten Frau­en und Män­nern. Das Mit­ar­bei­ter­team küm­mert sich täg­lich um rund 80 Men­schen, die auf­grund einer psy­chi­schen Erkran­kung, Flucht, Gewalt­er­fah­run­gen oder wegen Dro­gen­ab­hän­gig­keit auf der Stra­ße leben. Sie fin­den ein offe­nes Ohr, lie­be­vol­le Zuwen­dung, Zuspruch und Gebet. Es gibt Essen, fri­sche Klei­dung, Duschen und Bera­tung bei der Arbeits­su­che. Und hier hören Hoff­nungs­lo­se von Jesus Chris­tus, der jeden liebt, nie­man­den auf­gibt und neue Per­spek­ti­ven schenkt.

Mir­jam Schmück­le hat von der Frau zum ers­ten Mal in einer Fall­be­spre­chung des Netz­werks aller Ein­rich­tun­gen im Bereich Woh­nungs­lo­sen­ar­beit Valen­ci­as gehört. Ein Medi­zi­ner sag­te dort, dass sie ver­mut­lich nur noch weni­ge Mona­te zu leben hat, wenn sie ihren Dro­gen­kon­sum auf die­se Wei­se fortsetzt.

Heu­te ist sie wie­der zu dem Frau­en­tref­fen gekom­men. Ihr Zustand ist deut­lich von den jah­re­lan­gen Belas­tun­gen der Sucht geprägt. Beim Früh­stück brach sie in Trä­nen aus. Drei­mal war sie in einer Reha­bi­li­ta­ti­on, drei­mal ist sie davon­ge­lau­fen. Beim letz­ten Mal schaff­te sie es fünf Mona­te lang, ohne Dro­gen zu leben – „ein Rekord“, wie sie selbst sagt. Jetzt darf sie nicht mehr zurück, weil sie erneut abge­bro­chen hat. Ihre Fami­lie hat der Frau eine letz­te Chan­ce gege­ben: Sie muss gesund wer­den. Doch sie glau­ben kaum noch dar­an und sehen sie als hoff­nungs­lo­sen Fall. Ver­zwei­felt erklärt sie der Lie­ben­zel­ler Mis­sio­na­rin: „Ich will das Zeug los­wer­den, ich muss – aber mein Kopf lässt mich nicht!“ Sie könn­te ver­su­chen, woan­ders einen Platz für einen Ent­zug zu fin­den, doch zunächst steht eine mehr­jäh­ri­ge Gefäng­nis­stra­fe bevor. Mir­jam Schmück­le hat ihr erklärt, dass Chris­ten dar­an glau­ben, dass es kei­ne hoff­nungs­lo­sen Fäl­le gibt. „Wir haben zusam­men ein Arm­band gebas­telt, auf dem ‚loved‘ steht – ‚geliebt‘. Ich wün­sche ihr, dass sie in den Tie­fen und Abgrün­den, die sie durch­lebt, spürt und sich erin­nert: Sie ist geliebt und gewollt.“

Das Gefäng­nis ist ein rau­er Ort, und den­noch wird sie dort die Wahl haben zwi­schen Ent­zug und ille­ga­lem Kon­sum. Die Lie­ben­zel­ler Mis­sio­na­rin hofft, dass sie Men­schen ken­nen­lernt, die sie zu einem Ent­zug moti­vie­ren kön­nen. „Aus mensch­li­cher Sicht scheint es mei­ner Kol­le­gin, unse­rer Psy­cho­lo­gin, und mir sehr unrea­lis­tisch, dass sie die­se Chan­ce ergrei­fen wird, da ihre Krank­heit sie so sehr im Griff hat. Es ist unse­re Auf­ga­be, den Glau­ben an Wun­der und Hoff­nung nicht zu ver­lie­ren und für die­se Men­schen mitzuglauben.“

Mir­jam und David Schmück­le sind seit Okto­ber 2023 in der Arbeit „Misión Urba­na Valén­cia“ mit woh­nungs­lo­sen Men­schen tätig. Mir­jam hat Inter­na­tio­na­le Sozia­le Arbeit an der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Lud­wigs­burg stu­diert und war in der Jugend­hil­fe aktiv. David stu­dier­te eben­falls an der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Lud­wigs­burg Sozia­le Arbeit. Seit 2014 arbei­tet er als Sozi­al­wis­sen­schaft­ler. Das Ehe­paar, des­sen Herz für Men­schen am Ran­de der Gesell­schaft schlägt, hat drei Kinder.