Mutige Sehnsucht

KANADA. Ich erin­ne­re mich gut an den Sonn­tag­mor­gen, als Hos­sein zum ers­ten Mal das Gemein­de­haus betrat – höf­lich, etwas schüch­tern, aber mit einer tie­fen Sehn­sucht in den Augen. Gott hat­te ihn auf die­sen Moment vor­be­rei­tet. Hos­sein – einer unter Mil­lio­nen Immi­gran­ten in Toronto.

Im Iran hät­te er in sei­ner wohl­ha­ben­den Fami­lie ein gutes Leben füh­ren kön­nen, wenn er mit dem Strom geschwom­men wäre. Doch Hos­sein stellt Fra­gen und will das Unrecht nicht hin­neh­men. Für sich, sei­ne Frau und sei­nen Sohn sieht er kei­nen ande­ren Weg, als die Hei­mat zu verlassen.

Ent­wur­zelt, ent­täuscht vom Islam und der Eli­te sei­nes Lan­des kommt er nach Toron­to und arbei­tet auf dem Bau. Er bezeich­net sich als Athe­ist, beein­flusst von islam­kri­ti­schen Stim­men wie der von Aya­an Hir­si Ali. Deren über­ra­schen­de Hin­wen­dung zu Jesus im Jahr 2023 weckt Hos­seins Neu­gier. Er beginnt zu suchen – und fin­det unse­re Gemeinde.

Von Anfang an saugt er alles auf, was er hört. Jeden Sonn­tag kommt er früh, bleibt bis zuletzt und hilft beim Abwasch. Der Hei­li­ge Geist wirkt sicht­bar. Sei­ne Frau Zahra ist skep­tisch, erkennt aber die Ver­än­de­rung: „Hör nicht auf, in die Gemein­de zu gehen – du bist danach immer so glücklich.“
Doch Hos­sein zögert, denn die Angst vor Kon­se­quen­zen für sei­ne Fami­lie ist groß. Eini­ge Wochen spä­ter sitzt er unter Trä­nen im Got­tes­dienst. Nach dem Abwasch sagt der Ira­ner lei­se zu mir: „Ich habe mich ent­schie­den. Ich will Jesus nachfolgen.“

Heu­te ist er getauft und trägt den Namen John. Er ist zwar noch jung im Glau­ben, aber mit sei­ner Lie­be zu Jesus ist er für mich und vie­le ande­re ein Vorbild.

Memo Bojan

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Zwischen Straße und Gefängnis

SPANIEN. „Mei­ne Fami­lie nennt mich einen hoff­nungs­lo­sen Fall.“ Vor der Lie­ben­zel­ler Mis­sio­na­rin Mir­jam Schmück­le sitzt eine 48-jäh­ri­ge Frau aus Ecua­dor. Sie ist schon lan­ge auf den Stra­ßen Valen­ci­as bekannt und auch in dem Pro­jekt Misión Evan­gé­li­ca Urba­na. Die Stadt­mis­si­on hilft ent­wur­zel­ten Frau­en und Män­nern. Das Mit­ar­bei­ter­team küm­mert sich täg­lich um rund 80 Men­schen, die auf­grund einer psy­chi­schen Erkran­kung, Flucht, Gewalt­er­fah­run­gen oder wegen Dro­gen­ab­hän­gig­keit auf der Stra­ße leben. Sie fin­den ein offe­nes Ohr, lie­be­vol­le Zuwen­dung, Zuspruch und Gebet. Es gibt Essen, fri­sche Klei­dung, Duschen und Bera­tung bei der Arbeits­su­che. Und hier hören Hoff­nungs­lo­se von Jesus Chris­tus, der jeden liebt, nie­man­den auf­gibt und neue Per­spek­ti­ven schenkt.

Mir­jam Schmück­le hat von der Frau zum ers­ten Mal in einer Fall­be­spre­chung des Netz­werks aller Ein­rich­tun­gen im Bereich Woh­nungs­lo­sen­ar­beit Valen­ci­as gehört. Ein Medi­zi­ner sag­te dort, dass sie ver­mut­lich nur noch weni­ge Mona­te zu leben hat, wenn sie ihren Dro­gen­kon­sum auf die­se Wei­se fortsetzt.

Heu­te ist sie wie­der zu dem Frau­en­tref­fen gekom­men. Ihr Zustand ist deut­lich von den jah­re­lan­gen Belas­tun­gen der Sucht geprägt. Beim Früh­stück brach sie in Trä­nen aus. Drei­mal war sie in einer Reha­bi­li­ta­ti­on, drei­mal ist sie davon­ge­lau­fen. Beim letz­ten Mal schaff­te sie es fünf Mona­te lang, ohne Dro­gen zu leben – „ein Rekord“, wie sie selbst sagt. Jetzt darf sie nicht mehr zurück, weil sie erneut abge­bro­chen hat. Ihre Fami­lie hat der Frau eine letz­te Chan­ce gege­ben: Sie muss gesund wer­den. Doch sie glau­ben kaum noch dar­an und sehen sie als hoff­nungs­lo­sen Fall. Ver­zwei­felt erklärt sie der Lie­ben­zel­ler Mis­sio­na­rin: „Ich will das Zeug los­wer­den, ich muss – aber mein Kopf lässt mich nicht!“ Sie könn­te ver­su­chen, woan­ders einen Platz für einen Ent­zug zu fin­den, doch zunächst steht eine mehr­jäh­ri­ge Gefäng­nis­stra­fe bevor. Mir­jam Schmück­le hat ihr erklärt, dass Chris­ten dar­an glau­ben, dass es kei­ne hoff­nungs­lo­sen Fäl­le gibt. „Wir haben zusam­men ein Arm­band gebas­telt, auf dem ‚loved‘ steht – ‚geliebt‘. Ich wün­sche ihr, dass sie in den Tie­fen und Abgrün­den, die sie durch­lebt, spürt und sich erin­nert: Sie ist geliebt und gewollt.“

Das Gefäng­nis ist ein rau­er Ort, und den­noch wird sie dort die Wahl haben zwi­schen Ent­zug und ille­ga­lem Kon­sum. Die Lie­ben­zel­ler Mis­sio­na­rin hofft, dass sie Men­schen ken­nen­lernt, die sie zu einem Ent­zug moti­vie­ren kön­nen. „Aus mensch­li­cher Sicht scheint es mei­ner Kol­le­gin, unse­rer Psy­cho­lo­gin, und mir sehr unrea­lis­tisch, dass sie die­se Chan­ce ergrei­fen wird, da ihre Krank­heit sie so sehr im Griff hat. Es ist unse­re Auf­ga­be, den Glau­ben an Wun­der und Hoff­nung nicht zu ver­lie­ren und für die­se Men­schen mitzuglauben.“

Mir­jam und David Schmück­le sind seit Okto­ber 2023 in der Arbeit „Misión Urba­na Valén­cia“ mit woh­nungs­lo­sen Men­schen tätig. Mir­jam hat Inter­na­tio­na­le Sozia­le Arbeit an der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Lud­wigs­burg stu­diert und war in der Jugend­hil­fe aktiv. David stu­dier­te eben­falls an der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Lud­wigs­burg Sozia­le Arbeit. Seit 2014 arbei­tet er als Sozi­al­wis­sen­schaft­ler. Das Ehe­paar, des­sen Herz für Men­schen am Ran­de der Gesell­schaft schlägt, hat drei Kinder.

Brezeln, Begegnungen, Berufung

Toron­to gilt als die mul­ti­kul­tu­rells­te Stadt der Welt. Wenn man in der Metro­po­le fragt, was denn „typisch deutsch“ sei, bekommt man häu­fig die glei­che Ant­wort: Würs­te, Bier, Oktoberfest.

Ben und Julia Schö­ni­ger sind seit August 2020 in einem Gemein­de­grün­dungs­pro­jekt im Nor­den Toron­tos tätig. Dort arbei­ten sie mit jun­gen Men­schen vie­ler ver­schie­de­ner Kul­tu­ren. Anfang Okto­ber hat ihre Gemein­de die Nach­bar­schaft zu einem fami­li­en­freund­li­chen Okto­ber­fest ein­ge­la­den. Von 15 bis 20 Uhr gab es Bre­zeln, Weiß­würs­te, Bier, Kuchen, tra­di­tio­nel­le Spie­le, Kin­der-Spiel­sta­tio­nen und deut­sche Musik. In der Woche zuvor hal­fen 14 jun­ge Frei­wil­li­ge beim Deko­rie­ren, Backen, Vor­be­rei­ten der Spie­le und Ver­tei­len der Fly­er. „Es war schön, so viel Leben im Gemein­de­haus zu haben – und gleich­zei­tig als Gast­ge­ber dabei zu sein, weil man sich inzwi­schen gut ein­ge­lebt hat und sich wirk­lich als Teil der Gemein­de fühlt“, sag­te Ben Schö­ni­ger. „Das Event dient auch dazu, die Nach­bar­schaft in einer der ein­sams­ten Städ­te der Welt zusam­men­zu­brin­gen. Selbst unse­re Stadt­rä­tin kam und dank­te uns für die­sen ‚Dienst für das Gemeinwohl‘“.

Das Okto­ber­fest war ein vol­ler Erfolg: Bei herr­li­chem Spät­som­mer­wet­ter kamen rund 400 Besu­cher – dop­pelt so vie­le wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. „Gleich­zei­tig war es eine wun­der­ba­re Gele­gen­heit, der Nach­bar­schaft zu zei­gen, dass es die­se Kir­che gibt, wel­che Ange­bo­te sie bereit­hält und wie ein­la­dend die Räu­me sind.“ Außer­dem wur­de zu der Alpha-Kurs-Serie ein­ge­la­den, die Anfang Novem­ber startete.

Hoffnung für Menschen in Malawi

BAD LIEBENZELL. Mala­wi ist ein Land vol­ler Lebens­freu­de, aber auch vol­ler Her­aus­for­de­run­gen. Vie­le Men­schen kämp­fen täg­lich ums Über­le­ben – es fehlt an Nah­rung, Bil­dung und medi­zi­ni­scher Hil­fe. Um die­sen Men­schen zu hel­fen, hat die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on die Initia­ti­ve „Welt­weit Hoff­nung schen­ken“ gestar­tet. Mit der Akti­on sol­len Men­schen in aller Welt neue Hoff­nung schöp­fen, die kei­ne Lob­by haben. Schwer­punkt der Initia­ti­ve sind beson­ders Regio­nen, die nicht im Fokus der Welt­öf­fent­lich­keit ste­hen – in die­sem Jahr Mala­wi. Seit 19 Jah­ren gibt es die Akti­on „Welt­weit Hoff­nung schenken“.

Mala­wi tau­che regel­mä­ßig in der unrühm­li­chen Lis­te der zehn ärms­ten Län­der der Welt auf, berich­tet Pro­jekt­ko­or­di­na­to­rin Bet­ti­na Heckh. „Vom Rest der Welt scheint das Land oft ver­ges­sen zu sein“, sagt sie.

Ein Schwer­punkt der Hilfs­maß­nah­men kommt Kin­dern zugu­te. „Sie lei­den unter den schwie­ri­gen Lebens­be­din­gun­gen beson­ders. Vie­le gehen lei­der nicht zur Schu­le und ohne Bil­dung haben sie kaum Chan­cen auf eine beruf­li­che Per­spek­ti­ve“, so Bet­ti­na Heckh. Beson­ders schwie­rig sei die Situa­ti­on in abge­le­ge­nen, länd­li­chen Regio­nen. „Des­halb haben wir in der Chi­lon­ga-Regi­on einen Kin­der­gar­ten sowie eine Grund- und Haupt­schu­le auf­ge­baut.“ Da auch die Ernäh­rungs-Situa­ti­on sehr schwie­rig ist, wur­de zudem ein Bewäs­se­rungs­sys­tem ent­wi­ckelt. „Außer­dem gibt es ein Mais­la­ger für Hun­ger­zei­ten sowie regel­mä­ßi­ge Spei­sun­gen für Kin­der“, berich­tet Bet­ti­na Heckh.

Dür­re, Über­schwem­mun­gen und Zyklo­ne rich­ten immer wie­der gro­ße Schä­den an und ver­nich­ten Ern­ten. Hier wer­de schnel­le und unbü­ro­kra­ti­sche Hil­fe geleis­tet, ver­si­chert Bet­ti­na Heckh.

Am Chiso­mo-Zen­trum erhal­ten jun­ge Men­schen eine kom­bi­nier­te Schrei­ner- und Pas­to­ren­aus­bil­dung. Dadurch kön­nen sie ihren Lebens­un­ter­halt selbst verdienen.

In Mala­wi enga­giert sich die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on schon seit mehr als 30 Jah­ren. „Wir set­zen auf eine enge und lang­fris­ti­ge Zusam­men­ar­beit mit unse­ren loka­len Part­nern – denn nur so ent­steht ech­te, nach­hal­ti­ge Hil­fe.“, erklärt Bet­ti­na Heckh. Unter­stüt­zen kann man die Akti­on nicht nur mit einer Spen­de, son­dern auch mit akti­ver Mit­ar­beit: „Die Akti­on ist eine tol­le Mög­lich­keit, eine Betriebs­fei­er mit einem sinn­vol­len Cha­ri­ty-Pro­jekt zu ver­bin­den.“ Hel­fen kön­ne man schon mit wenig Geld. „Mit 35 Euro kann ein Kind für einen Monat an der Grund­schu­le ‚Ubwen­zi‘ unter­rich­tet und mit Schul­ma­te­ri­al ver­sorgt wer­den“ so die Projektkoordinatorin.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen, ein Pro­jekt­vi­deo sowie Mate­ria­li­en wie Pla­ka­te, Fly­er oder Spen­den­do­sen gibt es unter www.weltweit-hoffnung-schenken.de oder direkt bei Bet­ti­na Heckh unter Tele­fon 07052 17–7128 oder E‑Mail hoffnung@liebenzell.org.

Spen­den­kon­to:
Lie­ben­zel­ler Mission
Spar­kas­se Pforz­heim Calw
IBAN: DE27 6665 0085 0003 3002 34
Ver­merk: Welt­weit Hoff­nung schenken

Viele Besucher bei evangelistischer Trickshow in Japan

Eine Trick­show im Rah­men eines evan­ge­lis­ti­schen Ein­sat­zes in Japan hat Men­schen mit der Lie­be Got­tes bekannt gemacht und begeis­tert. „Bible­Ca­feR“ heißt eine Grup­pe jun­ger Erwach­se­ner aus ver­schie­de­nen Gemein­den aus Nago­ya und Umge­bung. Sie tref­fen sich regel­mä­ßig online, um sich aus­zu­tau­schen und die Bibel zu stu­die­ren. Aus die­ser Grup­pe kamen zehn Japa­ner, um das Gemein­de­grün­dungs­pro­jekt in Yoko­ha­ma zu unter­stüt­zen. Sie waren im ehe­ma­li­gen Schü­ler­heim der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on unter­ge­bracht. Nach einer fünf­stün­di­gen Auto­fahrt von Nago­ya nach Yoko­ha­ma und einer kur­zen Kaf­fee­pau­se ging es gleich zum Bahn­hof. Dort luden sie Pas­san­ten zu einer beson­de­ren Trick­show mit einem christ­li­chen Klein­künst­ler ein, die für den Sams­tag­abend geplant war.

Am Sams­tag­vor­mit­tag stand die nächs­te Ver­teil­ak­ti­on am Nach­bar­bahn­hof an. „Ins­ge­samt konn­ten wir etwa 1.000 Ein­la­dun­gen ver­tei­len. Vie­le haben dafür gebe­tet, dass sich Gäs­te ein­la­den las­sen“, sag­te Mis­sio­nar Andre­as Gross. „Als dann am Sams­tag­abend die Trick­show begann, waren wir über­wäl­tigt, wie vie­le den Ein­la­dun­gen gefolgt waren und dass auch Pas­san­ten spon­tan dazu­ka­men.“ Nach­dem die Mit­ar­bei­ter anfangs für rund 40 Gäs­te gestuhlt hat­ten, muss­ten sie noch schnell wei­te­re Stüh­le und Hocker für die ins­ge­samt über 60 Gäs­te auf­trei­ben. „Selbst von drau­ßen am Fens­ter ver­folg­ten man­che die Show. Es war ein rund­um tol­ler Abend mit einer genia­len Trick­show, ver­bun­den mit einer christ­li­chen Bot­schaft“, sag­te Andre­as Gross. Die Lie­ben­zel­ler Mis­sio­na­re beten, dass man­cher Gast dadurch Jesus näher­ge­kom­men ist und die Gemein­de mehr und mehr ein Gesicht in der Stadt bekommt.

Andre­as und Rahel Gross leben seit Dezem­ber 2009 in Japan. Nach ihrem Sprach­stu­di­um arbei­te­ten sie rund sechs Jah­re im Gemein­de­auf­bau in Ome. Seit 2020 ist Andre­as Team­lei­ter für Japan und ver­ant­wort­lich für die Anlei­tung neu­er Mis­sio­na­rin­nen und Mis­sio­na­re. Zudem unter­stützt Ehe­paar Gross das Gemein­de­grün­dungs­pro­jekt JFEC Yoko­ha­ma von Fami­lie Freis­le­ben (Alli­anz­mis­si­on). Andre­as und Rahel haben die Aus­bil­dung am Theo­lo­gi­schen Semi­nar der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on absol­viert und waren zwei Jah­re beim Lie­ben­zel­ler Gemein­schafts­ver­band tätig. Sie haben vier Kinder.

Liebenzeller Mission Österreich hat neuen Leiter

Mat­thi­as Schor­ratz ist neu­er Obmann der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on Öster­reich (LMÖ) und damit der Lei­ter des öster­rei­chi­schen Zweigs der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on. Er wur­de am 4. Okto­ber durch die Mit­glie­der­ver­samm­lung gewählt. Mat­thi­as Schor­ratz ist damit Nach­fol­ger von Frie­de­mann Urs­chitz, der im Febru­ar nach einer schwe­ren Krank­heit ver­stor­ben ist.

Dave Jar­setz, Mis­si­ons­lei­ter der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on, seg­ne­te Mat­thi­as Schor­ratz für sein neu­es Amt und sprach ihm den Bibel­vers aus 2. Timo­theus 1,7 zu: „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Ängst­lich­keit gege­ben, son­dern den Geist der Kraft, der Lie­be und der Beson­nen­heit.“ Er ist froh, dass die LMÖ-Lei­tung nach einer Vakanz nun wie­der besetzt ist: „Ich freue mich, dass Mat­thi­as bereit ist, sich der Ver­ant­wor­tung zu stel­len und die Mis­si­on sehr gut kennt. Mit Got­tes Geist ist er bes­tens aus­ge­rüs­tet, was er für das Amt des natio­na­len Zwei­ges braucht: Kraft, Lie­be und Beson­nen­heit“, so Dave Jarsetz.

Mat­thi­as Schor­ratz (56) ist in Calw gebo­ren und stu­dier­te am Theo­lo­gi­schen Semi­nar der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on. Nach Sta­tio­nen beim Lie­ben­zel­ler Gemein­schafts­ver­band im Bezirk Oet­tin­gen und Alten­steig zog er zusam­men mit sei­ner Frau und den drei gemein­sa­men Kin­dern in die Hei­mat sei­ner Frau nach Kärn­ten in Öster­reich. Seit 2020 ist Mat­thi­as Schor­ratz beim Christ­li­chen Mis­si­ons­ver­band für Öster­reich als Gemein­schafts­re­fe­rent ange­stellt und seit 2021 im Vor­stand der LMÖ. Die Lei­tung der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on Öster­reich führt er mit einem Teil­de­pu­tat aus.

Mission hilft mit Bibliothek Schülern in Sambia

Mis­si­on hat schon immer Bil­dung auf ihre Fah­nen geschrie­ben. So unter­rich­tet die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on welt­weit vie­le Kin­der und Jugend­li­che. In Lusa­ka (Sam­bia) bie­ten die Mit­ar­bei­ter Schü­le­rin­nen und Schü­lern mit einer Biblio­thek ein beson­de­res Ange­bot, das ger­ne genutzt wird. So kön­nen sich bei­spiels­wei­se Alexis und Nata­sha auf die Abschluss­prü­fun­gen im Novem­ber vor­be­rei­ten. Bei­de haben sich in der Gemein­de ken­nen­ge­lernt und neh­men nun regel­mä­ßig am Biblio­theks­pro­gramm teil. Es bie­tet mehr als nur einen Raum zum Lesen und Ler­nen. Bei­de kom­men sehr ger­ne, weil sie hier frei­en Zugang zu Büchern haben. Sie lie­ben es, neue Geschich­ten zu lesen und gemein­sam zu ler­nen. Sie kom­men aber nicht nur, um für ihre Prü­fun­gen zu ler­nen, son­dern auch, um sich aus­zu­tau­schen und Gemein­schaft zu erleben.

„Das Ziel der Biblio­thek ist es, die Kin­der in ihrer Schul­lauf­bahn zu unter­stüt­zen und ihre Schul­bil­dung zu ergän­zen. Die Biblio­thek soll sie moti­vie­ren, ger­ne zu lesen und zu ler­nen, denn in Sam­bia gibt es kei­ne Lese­kul­tur“, sag­te die Lie­ben­zel­ler Mis­sio­na­rin Lena Schil­ling. Zudem hilft es den Kin­dern, Eng­lisch zu ler­nen, was für einen Schul­ab­schluss in Sam­bia not­wen­dig ist.
In der Biblio­thek kön­nen sie auf spie­le­ri­sche Wei­se ler­nen, bei­spiels­wei­se durch Bil­der­bü­cher, Spie­le und Hel­fer, die sich Zeit für sie neh­men und Din­ge erklä­ren. Das Ange­bot bie­tet den Kin­dern zudem einen ruhi­gen und siche­ren Ort zum Ler­nen und Spie­len. Dabei kön­nen sie Bücher und Spie­le aus­lei­hen. Das Ange­bot ist auch des­halb wich­tig, weil Schu­len oft man­gel­haft mit Lern­ma­te­ri­al aus­ge­stat­tet sind. Die Biblio­thek soll auch als Treff­punkt die­nen. So hat sich bei­spiels­wei­se zwi­schen Alexis und Nata­sha eine Freund­schaft entwickelt.

Die Biblio­thek ver­fügt über rund 500 Bücher, dar­un­ter Schul- und Jugend­bü­cher sowie Lexi­ka. Zusätz­lich ste­hen etwa 20 Spie­le zur Ver­fü­gung, dar­un­ter Puz­zle, Memo­ry und Lege­spie­le. Die meis­ten Bücher stam­men aus Eng­land. Zwei­mal im Jahr belie­fert die Orga­ni­sa­ti­on „Book Aid“ das Land mit einem Con­tai­ner, der rund 30.000 Bücher ent­hält. Die­se wer­den auf ver­schie­de­ne Pro­jek­te und Ein­rich­tun­gen ver­teilt. Die Biblio­thek ergänzt das Ange­bot auch durch Second-Hand-Bücher aus ört­li­chen Buch­lä­den. Es gibt auch eine Wunsch­lis­te, auf die Kin­der Bücher schrei­ben kön­nen, die ihnen wei­ter­hel­fen wür­den. Lese­plät­ze gibt es im Gemein­de­saal. Unter der Woche wer­den dort Klapp­ti­sche und Stüh­le auf­ge­stellt. Am Ende der Woche wird alles wie­der abge­baut und der Raum dient wie­der als Got­tes­dienst­saal. Gesucht wer­den noch Ehren­amt­li­che. Das ist nicht ganz ein­fach, da das Ange­bot unter der Woche statt­fin­det. „Bis­lang haben wir sehr posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen erhalten.“

Am Anfang war noch alles kos­ten­los, da zähl­te die Biblio­thek sehr vie­le Nut­zer. Nach der Ein­füh­rung einer jähr­li­chen Gebühr von 15 Kwacha (rund 50 Cent) kamen weni­ger Kin­der. „Dafür ist es nun etwas ruhi­ger und es geht geord­ne­ter zu.“ Bei den Kin­dern ist das Ange­bot auch des­halb so beliebt, weil es mitt­wochs Vol­ley­ball und frei­tags einen christ­li­chen Kurz­film gibt. „Die Kin­der freu­en sich, wenn sich jemand für sie Zeit nimmt.“ Auch die Leh­rer sind von dem Ange­bot begeis­tert. „Ein ähn­li­ches Pro­gramm gibt es bei Dawn Trust in Ndo­la, von dem ich viel über­nom­men habe. Ich fin­de es eine genia­le Mög­lich­keit, als Gemein­de mit den Men­schen in der Umge­bung in Kon­takt zu kom­men, und es bie­tet auch Platz zum Evan­ge­li­sie­ren. Dadurch kom­men vie­le Kin­der nun auch zu unse­ren Gemein­de­pro­gram­men“, sag­te Lena Schil­ling. Das Pro­gramm selbst ist sehr nied­rig­schwel­lig ange­legt und könn­te auch in ande­ren Gemein­den umge­setzt werden.

Lena Schil­ling hat an der Inter­na­tio­na­len Hoch­schu­le Lie­ben­zell Theo­lo­gie und Sozia­le Arbeit im inter­kul­tu­rel­len Kon­text stu­diert. Die gebür­ti­ge Thü­rin­ge­rin absol­vier­te dabei ein Aus­lands- sowie ein Pra­xis­se­mes­ter in Sam­bia. Ihr Herz schlägt für benach­tei­lig­te und trau­ma­ti­sier­te Kin­der und jun­ge Erwach­se­ne. Seit Janu­ar 2024 arbei­tet sie im Gemein­de­grün­dungs­pro­jekt in Lusa­ka, Sam­bia, als Sozi­al­ar­bei­te­rin mit.

Amano-Schule: Vielfalt der Möglichkeiten

Frank und Julia Witt­mann arbei­ten seit 2010 an der Ama­no-Schu­le in Sam­bia. Davor waren sie in Sier­ra Leo­ne im Ein­satz. In den nächs­ten Wochen sind sie in Deutsch­land und berich­ten von ihrer Arbeit. Wir haben Frank eini­ge Fra­gen gestellt.

Was ist für dich das Beson­de­re an der Amano-Schule?
Da fällt mir sofort Viel­falt ein. Die Viel­falt der Mög­lich­kei­ten. Unser Herz schlägt dafür, Kin­der für Jesus zu errei­chen. Aber auch mit den Mit­ar­bei­tern, den Eltern, Ehren­amt­li­chen ins Gespräch zu kom­men. Die Viel­falt der Mög­lich­kei­ten und die Viel­falt der Men­schen fin­de ich sehr bereichernd.

Und was sind eure Aufgaben?
Julia betreut eini­ge der Kurz­ein­satz-Mit­ar­bei­ter, sie unter­rich­tet Kunst, tex­ti­les Wer­ken, Kochen und Sozi­al­kun­de. Außer­dem hilft sie auch in der Küche aus und bie­tet Beglei­tung und Men­to­ring für Schü­ler an, die Fra­gen zu Leben und Glau­ben haben.
Ich unter­rich­te der­zeit in der 11. und 12. Klas­se Bibel­kun­de und arbei­te in der Admi­nis­tra­ti­on. Dort bin ich für Visa und Arbeits­ge­neh­mi­gun­gen zustän­dig, außer­dem im Per­so­nal­be­reich für die Abwick­lung der Bewer­bun­gen. Zudem hal­te ich Andach­ten für Schü­ler und Mit­ar­bei­ter und pre­di­ge regelmäßige.

Gibt es ein Erleb­nis in der letz­ten Zeit an der Ama­no-Schu­le, das euch beson­ders bewegt hat?
Es gibt ein Mäd­chen, das seit der Grund­schu­le bei uns ist und etwas unbe­re­chen­bar war. Wir sind schwer an sie ran­ge­kom­men und wir haben uns immer Sor­ge um sie gemacht. Vor zwei Jah­ren hat sie sich tau­fen las­sen. Ihr Leben hat sich seit­her kom­plett ver­än­dert. Sie ist auf­ge­weckt und inter­es­siert und man kann rich­tig gut mit ihr reden. Da hat sich vie­les sehr posi­tiv ver­än­dert. Das zu sehen, ist grandios.

Für die Schu­le braucht ihr drin­gend neue Mit­ar­bei­ter. Was für Leu­te sucht ihr ganz konkret?
Wenn ich die Gesamt­si­tua­ti­on an der Ama­no-Schu­le sehe, wer­den Mis­sio­na­re als Grund­schul­leh­rer am drin­gends­ten gesucht. Außer­dem wird ein Fran­zö­sisch-Leh­rer sowie eine Haus­wirt­schaft­li­che Lei­tung gesucht.

Was wür­den die wenigs­ten Deut­schen von Sam­bia erwarten?
Dass es sehr kalt sein kann und man manch­mal auch friert. Mor­gens lie­gen die Tem­pe­ra­tu­ren in der kal­ten Jah­res­zeit zwi­schen Mai und Juli manch­mal bei 8 Grad. Da ist man dann für ein Feu­er und eine Fleece­ja­cke dankbar.

Du willst die Mis­si­ons­ar­beit von Ehe­paar Witt­mann einer Spen­de unter­stüt­zen? Dann kannst du das über die­sen Link tun.

Nicht aus Abenteuerlust aufbrechen, sondern aus Liebe

BAD LIEBENZELL. Alles neu war beim Herbst­mis­si­ons­fest der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on am 14. Sep­tem­ber 2025. Zum ers­ten Mal fand die Ver­an­stal­tung nicht im Groß­zelt auf dem Mis­si­ons­berg in Bad Lie­ben­zell statt, son­dern in drei unter­schied­li­chen For­ma­ten. Das Mot­to in die­sem Jahr war „Let’s Go!“.

Zum For­mat „on site“ kamen rund 800 Besu­cher ins Mis­si­ons- und Schu­lungs­zen­trum. Rund 2.500 Men­schen kamen beim For­mat „on tour“ in 17 Orten in Süd­deutsch­land, Ber­lin und Öster­reich zusam­men. Dort berei­te­ten Mis­sio­na­re, Dozen­ten und Stu­die­ren­de aus Bad Lie­ben­zell gemein­sam mit den Gemein­den vor Ort ein eige­nes Pro­gramm vor und schal­te­ten immer wie­der Ele­men­te aus Bad Lie­ben­zell dazu. Über das For­mat „on line“ konn­te das Mis­si­ons­fest im Live­stream ver­folgt wer­den. Wei­te­re 22 Gemein­den mit etwa 2000 Besu­chern schau­ten sich gemein­sam den Got­tes­dienst an, außer­dem auch Haus­krei­se und Einzelpersonen.

Die Got­tes­dienst-Pre­digt über die Kapi­tel 15 und 16 des bibli­schen Buchs der Apos­tel­ge­schich­te hiel­ten Mis­si­ons­lei­ter Dave Jar­setz, die theo­lo­gi­sche Refe­ren­tin der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on Prof. Dr. Mihamm Kim-Rauch­holz und Nik Ebert, Mit­ar­bei­ter der Män­ner­ar­beit „Stron­ger“ gemeinsam.
Dave Jar­setz blick­te auf die Anfän­ge der Chris­ten­heit zurück: „Gott schenk­te an Pfings­ten sei­nen Geist und lös­te damit einen nie dage­we­se­nen Auf­bruch aus. Erst in Jeru­sa­lem, dann bis an die Enden der Erde.“ Der Apos­tel Pau­lus sei nicht aus Aben­teu­er­lust auf­ge­bro­chen, son­dern aus Lie­be: „Für Pau­lus sind Men­schen kei­ne Mis­si­ons­ob­jek­te, son­dern gelieb­te Geschöp­fe Gottes.
Und genau dar­um geht es auch uns: Let’s go – weil uns die Lie­be antreibt.“ Dave Jar­setz rief die Fest­be­su­cher auf, sich an der „Auf­bruchs­men­ta­li­tät“ des Pau­lus zu ori­en­tie­ren: „Gott liebt es, wenn wir ihm ver­trau­en, Ver­ant­wor­tung über­neh­men, für ande­re da sind und fröh­lich das Evan­ge­li­um wei­ter­ge­ben. Unse­re Welt braucht sol­che Auf­brü­che. Unser Land. Unse­re Gemein­den.“ Auch die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on brau­che Men­schen, die nicht auf den sprich­wört­li­chen Zet­tel vom Him­mel war­ten, son­dern selbst auf­bre­chen wol­len: „Zu den Glau­bens­ge­schwis­tern, den Bedürf­ti­gen, den Ein­sa­men, denen, die Chris­tus noch nicht ken­nen – egal, wo sie sind und leben“, so Dave Jarsetz.
Mihamm Kim-Rauch­holz sag­te, dass im Leben und Die­nen nicht alles glatt lau­fe, ohne Gegen­wind oder Wider­stän­de. Aber Chris­tus habe ver­spro­chen, dabei zu sein: „Ob in Asi­en oder Euro­pa, an einem Fluss oder im Gefäng­nis: Jesus selbst ist die ein­zi­ge Tür, und wer durch sie hin­ein­geht, fin­det Rettung.“
Nik Ebert rief die Zuhö­rer auf, ihr Leben so posi­tiv anders zu gestal­ten, dass in Men­schen das Inter­es­se an Jesus Chris­tus aus­ge­löst wer­de: „Es sind wahr­schein­lich im ers­ten Moment kei­ne Wor­te, son­dern viel mehr dein ver­blüf­fen­des Ver­hal­ten. So wird die Ret­tungs­tür für ande­re sicht­bar – viel­leicht gera­de auch in schwie­ri­gen Zeiten.“

Gemein­sam an den ver­schie­de­nen Aus­tra­gungs­or­ten des Herbst­mis­si­ons­fes­tes war die Ver­pfle­gung. Der legen­dä­re Mis­si­ons­ein­topf wur­de extra in die teil­neh­men­den Gemein­den gebracht. Für das Mis­si­ons­fest wur­de die­ses Jahr ein eige­nes Lied ent­wi­ckelt. Kom­po­niert hat es Mar­kus Heus­ser, Lei­ter der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on Ado­nia Deutsch­land. Die Musik beim For­mat „on site“ kam von der Band One Way Home aus Calw.

Mit dabei waren auch inter­na­tio­na­le Gäs­te. Fre­dy und Daja­na Javier berich­te­ten aus Nord­ma­ze­do­ni­en, ein Land, in das die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on dem­nächst zum ers­ten Mal Mis­sio­na­re ent­sen­den wird. Die bei­den lei­ten eine Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on vor Ort und bil­den zukünf­ti­ge Lei­ter für Orga­ni­sa­tio­nen oder Unter­neh­men aus. Sie wol­len Meschen ganz prak­tisch Got­tes Lie­be weitergeben.
Samu­el Yawi­la von der Evan­ge­li­cal Uni­ver­si­ty in Sam­bia sag­te, dass Mis­si­on eine Her­zens­sa­che für Gott sei, weil sie von ihm kom­me. Mis­si­on brin­ge Leben in die Orte, in die sie hinkomme.

In einer Talk­run­de berich­te­ten Jamin und Naema Mas­qui­ren von ihrer Arbeit in Papua-Neu­gui­nea. Dort set­zen sie sich für Kin­der und Jugend­li­che ein, die in ille­ga­len Sied­lun­gen der Haupt­stadt Port Mores­by leben. Sie bie­ten ganz­heit­li­che Hil­fe an, um die Jugend­li­chen aus der Spi­ra­le von Gewalt und Sucht­pro­ble­men her­aus­zu­ho­len. Muri­el und Eli­as Bou­ch­erit wer­den bald nach Grie­chen­land aus­rei­sen und im Mer­cy Cen­ter in Athen evan­ge­lis­tisch und prak­tisch unter Obdach­lo­sen arbei­ten. Eve­lyn Theu­rer arbei­tet seit 17 Jah­ren in Frank­reich und steigt nun in ein Gemein­de­pro­jekt im Elsass ein.

Prof. Dr. Vol­ker Gäck­le, Rek­tor der Inter­na­tio­na­len Hoch­schu­le Lie­ben­zell (IHL) sag­te, dass im Sep­tem­ber 2026 mit einer christ­li­chen Leh­rer­aus­bil­dung begon­nen wer­de. Die Gre­mi­en der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on hat­ten bereits 2024 beschlos­sen, dass die­se neue Aus­bil­dung begon­nen wird, wenn bis zum Refor­ma­ti­ons­tag 2025 min­des­tens 700.000 Euro an Spen­den und Zusa­gen erreicht sind. Damit sol­len die nöti­gen Lehr­räu­me geschaf­fen und die Anschub­fi­nan­zie­rung für die Gehäl­ter der neu­en Pro­fes­so­ren gesi­chert wer­den. Die­ses Etap­pen­ziel wur­de bereits deut­lich frü­her als erwar­tet erreicht. Trotz­dem wür­den noch wei­te­re Spen­den für die Leh­rer­aus­bil­dung benö­tigt, so Vol­ker Gäck­le. Der end­gül­ti­ge Akkre­di­tie­rungs­be­scheid wür­de Ende Sep­tem­ber erwartet.

Der kauf­män­ni­sche Geschäfts­füh­rer Tho­mas Haid sag­te, dass neben Spen­den auch Fach­kräf­te benö­tigt wür­den – welt­weit und in der Zen­tra­le in Bad Lie­ben­zell. Drin­gend gebraucht wür­den ein Koch oder eine Köchin sowie Mit­ar­bei­ter für das Hand­wer­ker-Team, die Haus­wirt­schaft und die Pfle­ge der Missionsschwestern.

Die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on ist mit rund 250 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern in etwa 30 Län­dern eine der gro­ßen evan­ge­li­schen Mis­si­ons­ge­sell­schaf­ten in Deutsch­land. Das nächs­te Mis­si­ons­fest wird am Pfingst­sonn­tag 2026 statt­fin­den, dann wie­der im Groß­zelt auf dem Missionsberg.

Menschen so sehen, wie Jesus sie sieht

Mir­jam und David Schmück­le sind seit Okto­ber 2023 in der Arbeit „Misión Urba­na Valen­cia“ mit woh­nungs­lo­sen Men­schen in Spa­ni­en tätig. Mir­jam stu­dier­te Inter­na­tio­na­le Sozia­le Arbeit an der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Lud­wigs­burg und war in der Jugend­hil­fe aktiv. David stu­dier­te Sozia­le Arbeit, eben­falls an der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Lud­wigs­burg. Zusam­men mit ihren Kin­dern waren sie im Som­mer in Deutsch­land, um von ihrer Arbeit zu berich­ten. Wir haben ihnen eini­ge Fra­gen gestellt.

Seit ein­ein­halb Jah­ren lebt ihr in Spa­ni­en. War die­se Zeit so wie ihr es erwar­tet habt?
Man hat Erwar­tun­gen, auf was man sich freut und was schwie­rig sein könn­te. Vor Ort merkt man dann, dass ganz ande­re Din­ge einen her­aus­for­dern, als man ver­mu­tet hät­te. Den büro­kra­ti­schen Auf­wand mit den Behör­den vor Ort haben wir zum Bei­spiel etwas unter­schätzt. Als fünf­köp­fi­ge Fami­lie braucht man beim Rein­fin­den ein­fach län­ger. Uns hat mal jemand gesagt, dass es pro Per­son etwa ein Jahr braucht, um in ein neu­es Land reinzufinden.
Sehr posi­tiv ist, dass wir in der kur­zen Zeit schon vie­le Bezie­hun­gen zu Men­schen auf­bau­en konn­ten – trotz Sprach- und Kul­tur­bar­rie­ren. Das hät­ten wir nicht erwar­tet. Wir haben fast schnel­ler Bezie­hun­gen knüp­fen kön­nen als bei unse­rem Umzug inner­halb Deutsch­lands. Es ist eine Her­aus­for­de­rung, mit klei­nen Kin­dern in ein neu­es Land zu gehen. Aber es ist auch eine gro­ße Res­sour­ce, ande­re Men­schen ken­nen­zu­ler­nen. Dadurch konn­ten wir recht schnell begin­nen, Freund­schaf­ten zu knüpfen.

Ihr arbei­tet im Pro­jekt „Misión Urba­na“ in Valen­cia und küm­mert euch beson­ders um obdach­lo­se Men­schen. Was fas­zi­niert euch an die­ser Arbeit?
Das Pro­jekt gibt es schon rund 30 Jah­re und läuft größ­ten­teils mit Ehren­amt­li­chen. Men­schen aus christ­li­chen Gemein­den enga­gie­ren sich bewusst ganz prak­tisch für Men­schen am Exis­tenz­mi­ni­mum. Das fin­den wir klasse.
Aus deut­scher Sicht fas­zi­nie­rend ist, dass es bei uns kei­nen Dienst­plan gibt. Der Pro­jekt­lei­ter kommt jeden Mor­gen und es wird geschaut, wer da ist. Dann wer­den die Auf­ga­ben ver­teilt. Und das funk­tio­niert. Deut­sche wür­den nie so arbei­ten. Auf der Glau­ben­s­ebe­ne ist es ein Ver­trau­ens­schritt, dass Gott die nöti­gen Mit­ar­bei­ter für den Tag gibt. Manch­mal ist es auch her­aus­for­dernd, aber in die­sem Kon­zept steckt viel Schö­nes drin.

Habt ihr manch­mal auch Berührungsängste?
Es gibt jeman­den, der sich nie duscht und zu dem sich selbst die ande­ren Wohn­sitz­lo­sen nicht dazu­set­zen. Das ist manch­mal schon her­aus­for­dernd und man hin­ter­fragt sich da auch selbst. Es gab auch schon mal einen Poli­zei­ein­satz bei uns und es gibt schon auch Men­schen unter den Wohn­sitz­lo­sen, die einen schwie­ri­gen Hin­ter­grund haben.
Aber es ist das Herz unse­rer Auf­ga­be, die Men­schen so zu sehen, wie Jesus sie sieht.
Und Jesus hat uns eine gro­ße Lie­be für die Men­schen gege­ben, sie trotz­dem zu umar­men und sie ein­fach als Men­schen zu sehen. Und dann ist es für uns auch kei­ne gro­ße Hürde.

Kommt ihr mit den Men­schen auch über euren Glau­ben ins Gespräch?
Ja, wenn man Zeit hat, auf jeden Fall. Wäh­rend des Früh­stü­ckens ist nicht viel Zeit. Da gibt es kei­ne inhalt­li­chen Ange­bo­te. Vie­le Men­schen haben Ableh­nung erfah­ren, aber sie mer­ken, dass sie bei uns ange­nom­men sind und das Pro­jekt ein christ­li­ches Ange­bot ist.
Dann gibt es aber auch Set­tings, wo mehr Zeit ist, und die Mög­lich­keit besteht, tie­fer ins Gespräch zu kom­men. Wir haben einen Bibel­kreis oder mit den wohn­sitz­lo­sen Frau­en zum Bei­spiel schon mal die Frau­en aus der Bibel bespro­chen, die kaum gese­hen wur­den. Wir wol­len ihnen zei­gen, dass Jesus sie sieht.
Man­che haben kei­ne Ahnung vom Glau­ben, man­che brin­gen auch einen wir­ren Mix ver­schie­de­ner Reli­gio­nen mit. Wir ver­su­chen ihnen, Jesus nahe­zu­brin­gen, wie er wirk­lich ist.
Das eine ist, mit den Men­schen zu spre­chen, das ande­re ist, für sie zu beten. Das ist uns in der letz­ten Zeit beson­ders wich­tig gewor­den. Wir ver­su­chen, unse­ren Dienst aus Lie­be zu den Men­schen zu tun und den ande­ren auf Augen­hö­he zu begeg­nen. Das ist unser Wunsch, dass es auch die Moti­va­ti­on der ande­ren Mit­ar­bei­ter ist.

Füh­len sich eure Kin­der in Spa­ni­en auch wohl?
Ja, auf jeden Fall. Es hat zwar eine Zeit der Umstel­lung gebraucht, aber sie füh­len sich echt wohl. Kürz­lich hat eines unse­rer Kin­der gesagt: „Wir haben zwei Hei­ma­ten – eine in Deutsch­land und eine in Spa­ni­en.“ Alle haben mitt­ler­wei­le ihren Platz gefun­den – mit unter­schied­li­cher Geschwin­dig­keit und unter­schied­li­chen Herausforderungen.
Es ist manch­mal gar nicht so leicht, gedul­dig zu sein mit den Kin­dern, wenn sie für man­ches mehr Zeit brauchen.
Wir hät­ten uns schon vor­stel­len kön­nen, dass es schei­tert, mit den Kin­dern nach Spa­ni­en aus­zu­rei­sen. Das ist für uns nicht selbst­ver­ständ­lich, dass die Kin­der die­sen Wech­sel nicht abge­lehnt haben und sie auch die­sen Weg mit­ge­hen – mit allen Aufs und Abs.

Wenn ihr jetzt gera­de in Deutsch­land seid: Was ver­misst ihr an Spa­ni­en am meisten?
Die Fle­xi­bi­li­tät und Ent­spannt­heit der Men­schen. Wir haben uns gut dar­an gewöhnt, dass man Ter­mi­ne nicht schon ein hal­bes Jahr vor­aus pla­nen muss, son­dern vie­les spon­tan läuft.

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