Videos aus dem Bürofenster

Kreative Aktion in Neubrandenburg

Durch die Corona-Pandemie ist die Kinder- und Jugendarbeit aktuell sehr eingeschränkt. Und doch lassen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Liebenzeller Mission immer wieder kreative Angebote einfallen – wie in der „Oase“ in Neubrandenburg. Einige Mitarbeitende produzierten Videos für die Kinder. Sie stellten nun einen Fernseher ins Bürofenster und ließen nachmittags die Videos in Dauerschleife laufen, damit sich die Kinder auch auf dem Spielplatz unkompliziert die Videos von „Fischlein Rosi“ anschauen konnten, berichteten Jonathan und Melanie Nill. „Unsere Erfahrung ist aber auch: Digitale Medien können zwar eine Hilfe sein, aber der persönliche Kontakt ist und bleibt gerade auch in diesen Zeiten besonders wichtig und praktisch unersetzlich. Deshalb sind wir als Team dankbar, dass wir Menschen durch Gottesdienste, 1:1-Treffen und Streetwork erreichen können.“

Durch Radiosendungen entstehen Bibelgesprächskreise

Bibelgesprächskreis in Malawi

Die engagierte Arbeit von Radio L. in Malawi trägt immer mehr Früchte: So erreichte die Mitarbeiter um Missionar Paul Kränzler die Bitte einer Hörergruppe, einen Bibelgesprächskreis in ihrem Dorf zu beginnen. Daraufhin traf sich der Liebenzeller Missionar mit der örtlichen Stammesführerin. In Malawi gibt es viele Frauen, die die Häuptlingsrolle innehaben. „Sie hat gleich zugestimmt und uns alle Freiheiten eingeräumt. Seit November fahren wir mittwochs in dieses Dorf, um den Frauen (bis jetzt hat sich kein Mann dazu getraut) biblische Geschichten zu erzählen und zu erklären.“ Dabei verwenden die Mitarbeiter die Hörbibel in Chiyao. In der Kultur wurde Geschichte in Form von Geschichten weitergegeben, denn es gab keine Schrift. Selbst diejenigen, die in die Schule gingen, verstehen mehr, wenn sie eine Geschichte hören, als wenn sie sie selber lesen. Seit Januar ist eine weitere Gruppe dazugekommen. „Freitags fahren wir nach Mitanga, um mit den Interessierten unter anderem über die Schöpfungsgeschichte, den Ursprung der Ehe, die erste Vielehe, die Versuchung von Adam und Eva mit den anschließenden Folgen zu diskutieren. Dass solche Gruppen entstehen, war unser Wunsch von Anfang an.“

 

Radio L. sendet unter dem Motto „Let there be light“ („Es werde Licht“) seit Ende 2017 als erster Radiosender Malawis überwiegend in der Stammessprache der Yao. Diese sind vorwiegend Muslime und machen etwa zehn Prozent der fast 19 Millionen Malawier aus. Die Yao leben meist in entlegenen Dörfern, viele können nicht lesen und schreiben. Deshalb ist für sie das Radio eine wichtige Informationsquelle. Die Sendungen von Radio L. sind lebensnah gestaltet. Sie geben Tipps für Familie und Erziehung, Gesundheit und Ernährung sowie Glaube und Nachfolge. Und natürlich strahlt der Sender auch Nachrichten und Musik aus.

Zehn Jahre nach der dreifachen Katastrophe in Japan

Japan Katastrophe

BAD LIEBENZELL / JAPAN. Zehn Jahre ist es her, dass in Japan Ausnahmezustand herrschte und die ganze Welt den Atem anhielt. Die Katastrophe am 11. März 2011 begann mit einem Erdbeben an der japanischen Pazifikküste, das den verheerenden Tsunami auslöste, in dessen Folge mehr als 22.000 Menschen ihr Leben verloren. Und er führte zu einer Unfallserie im Kernkraftwerk von Fukushima, die auch Auswirkungen in Deutschland hatte. Der Ausstieg aus der Atomenergie war eine Konsequenz der Fukushima-Krise.

Auch wenn heute durch die Corona-Pandemie eine andere Krise das Land bestimmt, sind die Folgen von „3/11“, wie der Unglückstag in Japan genannt wird, noch spürbar. „Für viele Japaner ist die Erinnerung an diesen Märztag vor zehn Jahren immer noch sehr schmerzhaft. Nicht nur für diejenigen, die um Angehörige trauerten. Das Gefühl, ein Stück weit Sicherheit verloren zu haben, hat das Land geprägt“, sagt David Jarsetz, Missionsdirektor der Liebenzeller Mission.

Sichtbar ist das immer noch im Nordosten von Japan, in der Region um die Stadt Sendai. Die Trümmer, die der Tsunami hinterlassen hat, sind zwar fast überall beseitigt. Trotzdem gibt es weiterhin Menschen, die in Übergangswohnungen oder Containersiedlungen wohnen.

Dass die Liebenzeller Mission damals schnell und unbürokratisch Hilfe leistete, sei sehr wichtig gewesen, sagt David Jarsetz: „Die Solidarität mit den Menschen in Japan war bei unseren Freunden in Deutschland sehr groß. Viele haben für die Betroffenen in Japan gebetet und die Hilfsmaßnahmen mit Spenden unterstützt.“ Mehrere Hilfsteams mit Freiwilligen aus Deutschland schickte die Liebenzeller Mission in die Tsunami-Region. Sie befreiten Häuser von Schlick und Schlamm oder schleppten Fahrzeuge aus überfluteten Reisfeldern. „Dass Ehrenamtliche extra aus Deutschland angereist sind, um zu helfen: Daran erinnern sich unsere Partner noch heute.“ Hilfe leisteten damals auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Freizeitheim der Liebenzeller Mission in Okutama, westlich von Tokio. Sie nahmen 70 Menschen aus Fukushima auf, die nur wenige Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk wohnten und wegen der radioaktiven Strahlung ihre Häuser verlassen mussten. Über mehrere Monate fanden sie in dem Freizeitheim eine vorübergehende Bleibe und wurden versorgt.

Bei der Arbeit der aktuell elf Liebenzeller Missionare in Japan ist längst wieder der Alltag eingekehrt. Schwerpunkt ihres Engagements ist die Gründung von christlichen Gemeinden – in einem Land mit etwa einem Prozent Christen. Sie zu ermutigen und zu stärken, sei eine wichtige Aufgabe, so David Jarsetz: „Die Katastrophe hat bei vielen Japanern den Glauben an die Technik beschädigt. Die Machbarkeit von materiellem Fortschritt und Sicherheit wird heute kritischer gesehen. Als Missionsorganisation ist es uns wichtig, den Menschen von der Hoffnung in Jesus Christus weiterzusagen, die über den Tod hinausgeht.“ Die Freundschaft der Liebenzeller Mission zu den Menschen in Japan werde auf jeden Fall bleiben, verspricht David Jarsetz. Seit 1927 sind Liebenzeller Missionare in Japan im Einsatz: „Freundschaft zeigt sich auch in Treue. Das wollen wir leben.“

Neue Gemeinde-Angebote in der Corona-Pandemie

Schwester Sabine Matthis im Einsatz

Die Corona-Pandemie hat auch in Russland dazu geführt, dass keine Gottesdienste und andere Gemeindeveranstaltungen mehr stattfanden ­– und doch sind in dieser Zeit ganz neue, einzigartige Angebote entstanden: So konnte über die Videokonferenz-Plattform Zoom Gottesdienste online gefeiert werden, berichtet Schwester Sabine Matthis: „Sogar die älteren Gemeindeglieder lernten damit umzugehen.“ Damit konnte die Gemeinde in Berjosowski erreicht, die vakanten Gemeinden in Polewskoj und Nishni Tagil mitbetreut und das Gemeindeleben aufrechterhalten werden. Inzwischen dürfen wieder Gottesdienste unter Beachtung der Hygienevorschriften angeboten werden und das Gemeindeleben kommt so langsam wieder in Gang. „Allerdings haben wir die Übertragung der Gottesdienste beibehalten und damit können die vakanten Gemeinden dabei sein.“ Gleichzeitig hat sich auch eine Gebetsgruppe per Zoom gebildet. „Im Ural sind wir einige Hundert Kilometer voneinander entfernt. Doch jetzt haben wir die Möglichkeit, voneinander zu hören und mit- und füreinander zu beten. Eine neue Form, die uns durch Jesus eröffnet wurde.“

Schwester Sabine Matthis ist seit 2006 in Russland tätig. Neben verschiedenen Veranstaltungen werden „TEE“-Kurse (außerschulische theologische Ausbildung) vor Ort und per Internet angeboten.

Unterstützung für einheimische Mitarbeiter

Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist den Liebenzeller Missionaren mit ihren Partnerorganisationen wichtig.

Die Liebenzeller Mission unterstützt nicht nur die eigenen, rund 230 Missionare, sondern weltweit auch über 70 einheimische Mitarbeiterinnen und Missionare. So werden beispielsweise in Bangladesch seit über 20 Jahren Dozenten, Verwaltungsmitarbeiter und vor allem Evangelisten mitfinanziert. Zurzeit sind es rund 15, sagte Missionar Samuel Strauß.

Rund zehn Evangelisten erhalten in Bangladesch einen monatlichen Gehaltszuschuss der Liebenzeller Mission. Dabei arbeitet die Liebenzeller Mission eng und vertrauensvoll mit dem einheimischen Partnerverband „Bangladesch Baptist Church Sangha“ (BBCS) zusammen. In jedem seiner zehn Kirchenbezirke ist ein Evangelist eingesetzt. Diese sind überwiegend aus der „Außerschulischen theologischen Ausbildung (TEE)“ hervorgegangen. Das Programm wurde entwickelt, da vielen Gemeinden das Geld fehlt, um junge Menschen an theologischen Einrichtungen studieren zu lassen. Dabei bearbeitet der Student eine bestimmte Anzahl von Lektionen zu Hause und trifft sich dann mit seinem Mentor. Er geht mit dem Schüler den Lernstoff durch und bespricht mit ihm Gemeindeangelegenheiten. Eine weitere Stärke dieser Art von Ausbildung ist, dass sie im gewohnten Umfeld mit allen Herausforderungen des Alltags geschieht. Die Liebenzeller Missionare helfen auch in der pastoralen und theologischen Ausbildung. Die unterstützten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bangladesch bewährten sich in der Gemeindearbeit und „haben ein Herz für Jesus und die Menschen“, sagte Samuel Strauß.
Wer welche finanzielle Unterstützung erhält, stimmt die Liebenzeller Mission mit dem einheimischen Partnerverband sehr eng ab. Das Geld, insgesamt rund 7.000 Euro jährlich, geht an BBCS. Er verteilt die Mittel an seine Mitarbeiter weiter. Dabei legen diese monatlich per Dienstbericht unter anderem Rechenschaft über die Verwendung der Gelder ab. Der Partnerverband ist bestrebt, seine Mitarbeiter selbst zu finanzieren und ist da in den vergangenen Jahren große Schritte weitergekommen, sagte Samuel Strauß. Da jeder Pastor für bis zu sechs Gemeinden verantwortlich ist, muss jeder unterstützte Evangelist auch pastorale Dienste mitübernehmen. Viele haben dabei eine Ausbildung an der christlichen Hochschule „College of Christian Theology“ absolviert, an dem unter anderem ein Liebenzeller Missionar unterrichtet.

Die Liebenzeller Mission ist seit 1974 in Bangladesch aktiv. Zusammen mit ihren einheimischen Partnern will sie den Einwohnern Hoffnung vermitteln. So sind unter anderem Kliniken und Waisenhäuser entstanden. Als eine ihrer Hauptaufgaben unterstützen die Missionare die christlichen Gemeinden. Sie schulen, ermutigen und motivieren Gemeindeglieder, damit sie ein Leben als bewusste Christen in einer Minderheitensituation führen können.

Premiere: Online-Hauskreise mit Missionaren

Sambia

Liebenzeller Missionare besuchen bei ihren Heimataufenthalten gerne auch Hauskreise. Während der Corona-Pandemie ist das aber nicht möglich. Aber man kann die Liebenzeller Mitarbeiter sehr gut in Online-Hauskreise zuschalten. Wie das geht, berichtet Ruth Krämer. Sie ist Familien- und Pastorenfrau und ist mit ihrem Mann Reinhard seit 2012 in der Süddeutschen Gemeinschaft Ulm tätig.

Wie kam es dazu, dass die Liebenzeller Missionare Benjamin und Debora Wagner bei euch in einem Online-Hauskreis aus ihrer Arbeit berichteten?
Im „Geschwisterrundbrief“ der Liebenzeller Mission wurde dazu ermutigt, Missionare auch in Online-Hauskreise einzuladen. Ich fand das eine sehr gute Idee – auch, um ein wenig Abwechslung in unser Hauskreis-Programm zu bringen. Daraufhin nahm ich Kontakt mit Renate Anderson auf, die die Reisedienste der Missionare von Bad Liebenzell aus koordiniert. Über sie haben wir immer wieder Mitarbeiter der Liebenzeller Mission zu uns nach Ulm in Gottesdienste eingeladen, damit sie von ihrer Arbeit berichten. Gemeinsam überlegten wir, welcher Missionar für unseren Online-Hauskreis in Frage kommen könnte und wir entschieden uns dann für Familie Wagner.

Wie lief der Hauskreis dann genau ab?
Wir luden unsere zehn Hauskreisler im Alter von 45 bis 60 Jahren – Singles und Paare –, per E-Mail zu diesem besonderen Hauskreis wie gewohnt um 20 Uhr ein. Wir treffen uns wöchentlich und seit dem Corona-Lockdown online. Dazu versandten wir den „Steckbrief“ von Familie Wagner, in dem sie sich und ihre Arbeit kurz vorstellen. Im Vorfeld hatte ich auch mit Benjamin Wagner den Ablauf abgesprochen. Für den Abend nutzten wir die Videokonferenz-Plattform „Zoom“. Der Abend lief dann wie gewohnt ab: Wir tauschten uns erst wie immer aus und berichteten, wie es uns so geht und was uns bewegt. Dass da die Liebenzeller Missionare auch schon dabei waren und sich daran beteiligten, war besonders schön. Wir waren nämlich erst unsicher, ob es nicht merkwürdig ist, wenn „Fremde“ bei dieser doch sehr vertraulichen Austauschrunde dabei sind. Aber das war bei Familie Wagner überhaupt nicht der Fall. Es war im Gegenteil total nett, dass Debora und Benjamin Wagner zu zweit am PC dabei waren und sich am persönlichen Austausch beteiligten. Nach einem Gebet von mir stellten sie dann mit einer Präsentation ihre Arbeit vor. Beim Projekt „Hilfe zum Leben“ in Mushili wird unter anderem der alternative Feldbau vermittelt. Die Kleinbauern lernen auf Musterfeldern, wie sie durch die Verwendung von Kompost und Mulchen den Ertrag ihrer Felder steigern und ihre Familie besser ernähren können. Seit Sommer 2017 ist Benjamin Projektverantwortlicher. Debora hält Kinderstunden und unterrichtet benachteiligte Kinder in einem Waisenhaus. Die Präsentation konnten alle an ihren Bildschirmen verfolgen. Gut war, dass Debora und Benjamin sich bei den Erläuterungen der Folien abwechselten und so jeweils aus ihrer Sicht von ihrer Missionsarbeit berichteten. Danach konnten noch Fragen gestellt werden, wovon lebhaft Gebrauch gemacht wurde.

Wie lange dauerte der Hauskreis insgesamt?
Wir waren mit Benjamin und Debora Wagner gut eineinhalb Stunden zusammen. Es war schlicht spannend, was sie erzählten. Ich fand es erstaunlich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer so lange dabei waren, schließlich sitzen viele zurzeit täglich mehrere Stunden vor dem PC bei der Arbeit und manche bekommen bei langen Sitzungen am Computer Kopfschmerzen. Unsere Hauskreisler hatten aber so viele Fragen und wollten fast nicht aufhören.

Wie fällt dein Fazit aus?
Unser Online-Hauskreis war so gut, dass wir uns vorstellen können, noch andere Missionare einzuladen. Viele sagten mir hinterher, dass sie den Abend richtig gut fanden. Das hat mich besonders gefreut, da viele in unserem Hauskreis sehr gut die Liebenzeller Mission kennen. Eine Teilnehmerin äußerte sich daher im Vorfeld skeptisch, ob sie an diesem Abend viel Neues von einem Missionar erfahren würde. Und gerade sie sagte mir danach, dass sie den Abend so interessant und abwechslungsreich fand. Schön war auch, dass viele sagten, dass sie auch für die Missionsarbeit spenden wollen. Wir empfahlen ihnen, einfach etwas an die Liebenzeller Mission zu überweisen.

Übrigens: Neben Benjamin und Debora Wagner lassen sich auch die Liebenzeller Missionare Albrecht Hengerer (Burundi) und Sebastian Proß (Papua-Neuguinea) sehr gerne in Online-Hauskreise einladen. Anfragen dazu können an Renate Anderson, Telefon: 07052 17–7108, E‑Mail: gerichtet werden. Sie berät Interessierte auch, welcher Missionar am besten zu einer Hauskreis-Gruppe passt.

„In China gibt es sicherlich mehr Christen als in Deutschland“

Klaus-Dieter und Erika Volz

Klaus-Dieter und Erika Volz waren von 1993 bis 2009 Missionare in Taiwan und arbeiten seit 2009 unter Chinesen in Deutschland. Klaus-Dieter leitete viele Jahre die Interkulturellen Teams der Liebenzeller Mission und ist jetzt Teil des Teams „Mission und Integration”. Wir haben Erika und Klaus-Dieter einige Fragen gestellt.

Wie ist aktuell die Lage für Christen in China: Von Religionsfreiheit kann nach wie vor keine Rede sein?
Man muss das differenziert sehen. Viele der unterdrückenden Maßnahmen richten sich nicht explizit gegen Christen, sondern gegen die gesamte Bevölkerung. Es gibt eigentlich zwei Grundsätze, die die Regierung einfordert und gegen die man nicht verstoßen sollte: Erstens: Keine negativen Äußerungen über die Regierung. Zweitens: Nicht in Massen treffen. Wer das berücksichtigt, kann relativ offen Jesus verkündigen. Aber natürlich muss jedem bewusst sein, dass es in China keine Meinungsfreiheit gibt und Überwachung allgegenwärtig ist. Da sind die Kirchen nicht ausgenommen. Viele Chinesen sehen die Überwachung aber gar nicht so negativ. Sie sind so geprägt, dass sie das oft als Schutz und Sicherheit empfinden.
Was die Corona-Pandemie angeht: Da sind die Christen in China selbstverständlich genauso von den strengen Maßnahmen der Behörden betroffen wie alle anderen Menschen in China. Chatgruppen und digitale Gebetstreffen haben dazu geführt, dass mehr Leute an christlichen Angeboten teilgenommen haben. Viele Menschen waren vom Lockdown genervt und haben sich daher recht leicht zu digitalen Treffen einladen lassen. Ein Pastor aus Wuhan hatte einen bewegenden Brief an die Christen in China geschrieben. Er forderte sie auf, zuerst ihre eigene Hoffnung zu stärken, dann aber die Hoffnung durch Jesus in ganz China rauszutragen. Dieser Brief hatte eine enorme Wirkung.

Schätzungen sprechen von rund 100 Millionen Christen in China. Haltet ihr das für realistisch?
Das kommt vermutlich schon hin. Man spricht von 8 bis 10 Prozent Christen in China. Sicherlich gibt es in China mehr Christen als in Deutschland.

Ihr bietet Bibelkreise für chinesische Studierende an und engagiert euch in der chinesischen Gemeinde in Karlsruhe. Wie bekommt ihr Kontakt zu den Menschen?
Durch die Corona-Maßnahmen sind wir derzeit in Vielem eingeschränkt. Dass wir in chinesischen Restaurants evangelistische Verteilschriften an die Angestellten weitergeben, ist derzeit zum Beispiel nicht möglich. Aber das meiste geht ohnehin über Kontakte zu anderen Chinesen in Deutschland. Chinesische Christen laden ihre Freunde ein. Feste sind bei Chinesen besonders beliebt: Weihnachten, das chinesische Neujahrsfest etc.: Da lassen sich Chinesen gerne in die Gemeinden einladen. Sie kommen da auch ganz unvoreingenommen. Und wenn es ein gutes chinesisches Essen gibt, dann sind sie natürlich besonders gerne dabei.
Die chinesischen Gemeinden bieten zum Semesterbeginn auch Kulturabende über Deutschland an. Und da sprechen wir dann auch gerne über unseren Glauben.

Gibt es etwas, was Chinesen am christlichen Glauben besonders überrascht?
Die Offenheit und Hilfsbereitschaft von Christen beeindruckt sie. Chinesen sind sehr familienorientiert. Man hilft sich eigentlich nur innerhalb der Familie. Wenn es jemanden gibt, der sich darüber hinaus engagiert und ihnen hilft, dann freuen sie sich sehr darüber.
Was sie auch überrascht: Viele Chinesen verknüpfen Kultur und Religion. Sie wollen die deutsche Kultur kennenlernen, da gehört Religion für sie selbstverständlich dazu. Irgendwann stellen sie fest, dass Jesus Christus etwas mit einem persönlich zu tun hat. Damit hätten sie nicht gerechnet. Klar, nicht alle machen dann den Schritt im Glauben. Aber wir freuen uns über jede Einzelne und jeden Einzelnen.

Du willst die Missionsarbeit von Klaus-Dieter und Erika mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Minister besucht Radio und gestaltet spontan Sendung mit

Gospel Kazako, Minister für Information und Kommunikation in Malawi, hat Radio L. besucht und spontan bei einer Sendung mitgewirkt.

Hoher Besuch bei Radio L.: Gospel Kazako, Minister für Information und Kommunikation in Malawi, hat Radio L. besucht und spontan bei einer Sendung mitgewirkt. Der Politiker stammt aus einem christlichen Elternhaus und ist gelernter Journalist. Der Besuch verlief sehr locker und der Politiker zeigte großes Interesse an der Radioarbeit. So bat er darum, ob er live im Radio sprechen könne. Gerne kam man diesem Wunsch nach, auch weil es gerade sehr gut in das aktuelle Programm passte. Und so gestaltete er eine halbe Stunde zusammen mit einheimischen Mitarbeitern die Sendung und erzählte ebenso sehr persönlich von sich. Die Hörer fanden es sehr interessant und auch erstaunlich, dass der Minister live auf Radio L. zu hören war.

 

Radio L. sendet unter dem Motto „Let there be light“ („Es werde Licht“) seit Ende 2017 als erster Radiosender Malawis überwiegend in der Stammessprache der Yao. Diese sind vorwiegend Muslime und machen etwa zehn Prozent der fast 19 Millionen Malawier aus. Die Yao leben meist in entlegenen Dörfern, viele können nicht lesen und schreiben. Deshalb ist für sie das Radio eine wichtige Informationsquelle. Die Sendungen von Radio L. sind lebensnah gestaltet. Sie geben Tipps für Familie und Erziehung, Gesundheit und Ernährung sowie Glaube und Nachfolge. Und natürlich strahlt der Sender auch Nachrichten und Musik aus.

„Wir werden hier Omi und Opi genannt“

Albrecht und Annegret Hengerer

Albrecht und Annegret Hengerer sind seit mehr als 30 Jahren mit der Liebenzeller Mission im Einsatz, zunächst von 1989 an in der Gemeindegründung in der Normandie/Frankreich und seit Sommer 2017 in Burundi. Sie unterstützen die einheimische Kirche durch Predigten und Schulungen sowie administrative und geistliche Begleitung. Derzeit sind Annegret und Albrecht in Deutschland. Wir haben Albrecht einige Fragen gestellt.

Ihr kommt aus Baden-Württemberg, habt viele Jahre in Frankreich gelebt und seid nun seit ein paar Jahren in Afrika. Was ist für euch eigentlich Heimat, wo fühlt ihr euch zu Hause?
Bevor wir nach Afrika gingen, war Frankreich unsere Heimat. Seit wir in Burundi sind, wissen wir es nicht mehr richtig. Auf jeden Fall haben wir uns in Afrika sehr gut eingelebt und haben viele Freunde dort. Wir waren ja 27 Jahre in der Gemeindegründung in Frankreich und waren dort immer gerne im Einsatz. Wenn wir in Deutschland waren, hatten wir aber nie Heimweh nach Frankreich. Das war schon nach einem Jahr Burundi anders. Als wir für einige Monate nach Deutschland gingen, hatten wir bereits da Heimweh nach Afrika.

Dass ihr mal in Afrika im Einsatz sein werdet, hättet ihr vor zehn Jahren vermutlich für unmöglich gehalten. Was hat euch an Burundi positiv überrascht und was fordert euch heraus?
Nachdem ich das Abitur bestanden hatte, war meine erste Bitte an Gott, dass ich nie wieder etwas mit der französischen Sprache zu tun haben muss. Dann lebten wir 27 Jahre in Frankreich und heute finde ich Französisch eine der schönsten Sprachen. Als ich meine Frau Annegret heiratete und wir in die Mission wollten, sagte ich zu ihr: Ich gehe überall hin, nur nicht nach Afrika.
Die letzten vier Jahre unserer Zeit in Frankreich hatten wir die Gemeinde in Alençon übernommen. 80 Prozent der Gottesdienstbesucher waren Afrika-Stämmige. Im ersten Jahr hatten wir riesige Probleme miteinander, danach waren wir wie eine Familie und hatten drei super Jahre zusammen. Nach den vielen Jahren in Frankreich hatten wir das Gefühl, dass etwas Anderes dran war. Als dann von der Leitung der Mission die Anfrage für Burundi kam, waren wir durch die drei guten Jahre in Alençon vorbereitet.
Herausfordernd in Burundi war für uns zu Beginn zu lernen, wie man dort lebt – gerade auch im Umgang mit Kriminalität und der Instabilität im Land. Wir haben aber eine ganz tolle Einführung von unserem Teamleiter Alexander Biskup bekommen, das war sehr wertvoll für uns. Das Wichtigste in Afrika sind die Kontakte. Genial ist, dass die Leute einen mit offenen Armen empfangen. So eine Herzlichkeit wie die der Menschen in Burundi, habe ich zuvor noch nie erlebt. Die Burundier sind ein Volk, das lächelt. Und das, obwohl es vielen Menschen nicht gut geht.

Burundi taucht regelmäßig in der Liste der ärmsten Länder weltweit auf. Wie nehmt ihr die Armut im Land war und wie geht ihr damit um?
Armut ist immer schwierig. Als Europäer könntest du in Burundi alles Geld, das du besitzt, an einem Tag den Armen geben. Die Not ist groß. Überall im Land sieht man arme Menschen. 80 Prozent leben unter der Armutsgrenze. Dazu ist Burundi eines der geburtenreichsten Länder der Welt. Aber natürlich gibt es auch Reiche im Land – wie überall auf der Welt. Als Liebenzeller Mission haben wir Projekte, die gezielt armen Menschen helfen, zum Beispiel BAHO – ein Programm, das den Kindern ermöglicht, zur Schule zu gehen und den Eltern, mit dem vorhandenen Geld verantwortlich umzugehen. Aber es ist uns bewusst, dass wir nicht allen Menschen helfen können.

Was sind eure Pläne, wenn ihr wieder zurück in Burundi seid?
Wir bekamen eine Anfrage vom Bischof in Bujumbura, in die „TEE-Arbeit“ (außerschulische theologische Ausbildung) einzusteigen. Ziel soll sein, einheimische Mitarbeiter zu schulen. Gemeinsam in Partnerschaft zu arbeiten, ist uns wichtig.
Außerdem werden wir wieder viel zu Wochenendschulungen von Jugendleitern unterwegs sein. Ältere Menschen werden in Burundi sehr geehrt. Wir liegen mit unserem Alter über der durchschnittlichen Lebenserwartung in Burundi. Junge Menschen fragen uns nach Beratung und sagen: „Ihr habt so viel Lebenserfahrung.“ Manchmal werden wir liebevoll Omi und Opi genannt. Vor einiger Zeit kam ein junger Mann auf mich zu, der gerade eine Ausbildung zum Pastor machte. „Darf ich Papa zu dir sagen?“, fragte er mich. Er fühlte sich unsicher, hatte viele Fragen und bat mich, ihm zu helfen. Zeit für die Menschen zu haben, ist etwas sehr Wertvolles. Deswegen besuchen wir viele Menschen und nehmen uns Zeit für Gespräche – vom kleinen Angestellten bis zum Bischof. Wenn man dann wieder geht, ist ein anderes Verhältnis entstanden.

Gibt es eine Begegnung in den letzten Monaten, die euch besonders bewegt hat?
Wir haben über eine Bekannte eine Frau kennengelernt, die häufig zu Annegret kam, um Deutsch zu lernen. Da ergaben sich immer gute Gespräche. Als wir dann in Deutschland waren, haben wir erfahren, dass sie eine Entscheidung für Jesus getroffen hat. Unsere Kollegin Angelika Süsskoch hatte sich in den letzten Wochen viel um sie gekümmert. Das hat uns sehr bewegt. So sehen wir auch unsere Aufgabe in Afrika: Helfen, dass Menschen zu Jesus finden.

Du willst die Missionsarbeit von Annegret und Albrecht mit einer Spende unterstützen? Dann kannst du das über diesen Link tun.

Ein Videoclip hat weitreichende Folgen

In diesem Outfit ist Familie Bolanz kurz vor Weihnachten zu den Nachbarn losgezogen, im Korb liegen die Plätzchen mit den QR-Codes auf der Rückseite.

Nick und Claudia Bolanz leben mit ihren beiden Kindern Luca und Joy seit Sommer 2018 in Montpellier/Südfrankreich, um dort eine Gemeinde zu gründen. Da in Frankreich aufgrund der Corona-Pandemie strenge Ausgangsbeschränkungen herrschen, haben sie mit ihrem TeamVideoclips erstellt, um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Mit Karten, auf denen ein QR-Code gedruckt war und die sie zusammen mit Tüten selbst gebackener Weihnachtsplätzchen an alle Nachbarn ihres Mehrfamilienhauses verteilten, machten sie auf dieses Angebot aufmerksam. Und das hatte Folgen:

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht: Haben sich Menschen wegen Karten, Plätzchen oder Videos gemeldet?