Mission hilft mit Bibliothek Schülern in Sambia

Mis­si­on hat schon immer Bil­dung auf ihre Fah­nen geschrie­ben. So unter­rich­tet die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on welt­weit vie­le Kin­der und Jugend­li­che. In Lusa­ka (Sam­bia) bie­ten die Mit­ar­bei­ter Schü­le­rin­nen und Schü­lern mit einer Biblio­thek ein beson­de­res Ange­bot, das ger­ne genutzt wird. So kön­nen sich bei­spiels­wei­se Alexis und Nata­sha auf die Abschluss­prü­fun­gen im Novem­ber vor­be­rei­ten. Bei­de haben sich in der Gemein­de ken­nen­ge­lernt und neh­men nun regel­mä­ßig am Biblio­theks­pro­gramm teil. Es bie­tet mehr als nur einen Raum zum Lesen und Ler­nen. Bei­de kom­men sehr ger­ne, weil sie hier frei­en Zugang zu Büchern haben. Sie lie­ben es, neue Geschich­ten zu lesen und gemein­sam zu ler­nen. Sie kom­men aber nicht nur, um für ihre Prü­fun­gen zu ler­nen, son­dern auch, um sich aus­zu­tau­schen und Gemein­schaft zu erleben.

„Das Ziel der Biblio­thek ist es, die Kin­der in ihrer Schul­lauf­bahn zu unter­stüt­zen und ihre Schul­bil­dung zu ergän­zen. Die Biblio­thek soll sie moti­vie­ren, ger­ne zu lesen und zu ler­nen, denn in Sam­bia gibt es kei­ne Lese­kul­tur“, sag­te die Lie­ben­zel­ler Mis­sio­na­rin Lena Schil­ling. Zudem hilft es den Kin­dern, Eng­lisch zu ler­nen, was für einen Schul­ab­schluss in Sam­bia not­wen­dig ist.
In der Biblio­thek kön­nen sie auf spie­le­ri­sche Wei­se ler­nen, bei­spiels­wei­se durch Bil­der­bü­cher, Spie­le und Hel­fer, die sich Zeit für sie neh­men und Din­ge erklä­ren. Das Ange­bot bie­tet den Kin­dern zudem einen ruhi­gen und siche­ren Ort zum Ler­nen und Spie­len. Dabei kön­nen sie Bücher und Spie­le aus­lei­hen. Das Ange­bot ist auch des­halb wich­tig, weil Schu­len oft man­gel­haft mit Lern­ma­te­ri­al aus­ge­stat­tet sind. Die Biblio­thek soll auch als Treff­punkt die­nen. So hat sich bei­spiels­wei­se zwi­schen Alexis und Nata­sha eine Freund­schaft entwickelt.

Die Biblio­thek ver­fügt über rund 500 Bücher, dar­un­ter Schul- und Jugend­bü­cher sowie Lexi­ka. Zusätz­lich ste­hen etwa 20 Spie­le zur Ver­fü­gung, dar­un­ter Puz­zle, Memo­ry und Lege­spie­le. Die meis­ten Bücher stam­men aus Eng­land. Zwei­mal im Jahr belie­fert die Orga­ni­sa­ti­on „Book Aid“ das Land mit einem Con­tai­ner, der rund 30.000 Bücher ent­hält. Die­se wer­den auf ver­schie­de­ne Pro­jek­te und Ein­rich­tun­gen ver­teilt. Die Biblio­thek ergänzt das Ange­bot auch durch Second-Hand-Bücher aus ört­li­chen Buch­lä­den. Es gibt auch eine Wunsch­lis­te, auf die Kin­der Bücher schrei­ben kön­nen, die ihnen wei­ter­hel­fen wür­den. Lese­plät­ze gibt es im Gemein­de­saal. Unter der Woche wer­den dort Klapp­ti­sche und Stüh­le auf­ge­stellt. Am Ende der Woche wird alles wie­der abge­baut und der Raum dient wie­der als Got­tes­dienst­saal. Gesucht wer­den noch Ehren­amt­li­che. Das ist nicht ganz ein­fach, da das Ange­bot unter der Woche statt­fin­det. „Bis­lang haben wir sehr posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen erhalten.“

Am Anfang war noch alles kos­ten­los, da zähl­te die Biblio­thek sehr vie­le Nut­zer. Nach der Ein­füh­rung einer jähr­li­chen Gebühr von 15 Kwacha (rund 50 Cent) kamen weni­ger Kin­der. „Dafür ist es nun etwas ruhi­ger und es geht geord­ne­ter zu.“ Bei den Kin­dern ist das Ange­bot auch des­halb so beliebt, weil es mitt­wochs Vol­ley­ball und frei­tags einen christ­li­chen Kurz­film gibt. „Die Kin­der freu­en sich, wenn sich jemand für sie Zeit nimmt.“ Auch die Leh­rer sind von dem Ange­bot begeis­tert. „Ein ähn­li­ches Pro­gramm gibt es bei Dawn Trust in Ndo­la, von dem ich viel über­nom­men habe. Ich fin­de es eine genia­le Mög­lich­keit, als Gemein­de mit den Men­schen in der Umge­bung in Kon­takt zu kom­men, und es bie­tet auch Platz zum Evan­ge­li­sie­ren. Dadurch kom­men vie­le Kin­der nun auch zu unse­ren Gemein­de­pro­gram­men“, sag­te Lena Schil­ling. Das Pro­gramm selbst ist sehr nied­rig­schwel­lig ange­legt und könn­te auch in ande­ren Gemein­den umge­setzt werden.

Lena Schil­ling hat an der Inter­na­tio­na­len Hoch­schu­le Lie­ben­zell Theo­lo­gie und Sozia­le Arbeit im inter­kul­tu­rel­len Kon­text stu­diert. Die gebür­ti­ge Thü­rin­ge­rin absol­vier­te dabei ein Aus­lands- sowie ein Pra­xis­se­mes­ter in Sam­bia. Ihr Herz schlägt für benach­tei­lig­te und trau­ma­ti­sier­te Kin­der und jun­ge Erwach­se­ne. Seit Janu­ar 2024 arbei­tet sie im Gemein­de­grün­dungs­pro­jekt in Lusa­ka, Sam­bia, als Sozi­al­ar­bei­te­rin mit.

Amano-Schule: Vielfalt der Möglichkeiten

Frank und Julia Witt­mann arbei­ten seit 2010 an der Ama­no-Schu­le in Sam­bia. Davor waren sie in Sier­ra Leo­ne im Ein­satz. In den nächs­ten Wochen sind sie in Deutsch­land und berich­ten von ihrer Arbeit. Wir haben Frank eini­ge Fra­gen gestellt.

Was ist für dich das Beson­de­re an der Amano-Schule?
Da fällt mir sofort Viel­falt ein. Die Viel­falt der Mög­lich­kei­ten. Unser Herz schlägt dafür, Kin­der für Jesus zu errei­chen. Aber auch mit den Mit­ar­bei­tern, den Eltern, Ehren­amt­li­chen ins Gespräch zu kom­men. Die Viel­falt der Mög­lich­kei­ten und die Viel­falt der Men­schen fin­de ich sehr bereichernd.

Und was sind eure Aufgaben?
Julia betreut eini­ge der Kurz­ein­satz-Mit­ar­bei­ter, sie unter­rich­tet Kunst, tex­ti­les Wer­ken, Kochen und Sozi­al­kun­de. Außer­dem hilft sie auch in der Küche aus und bie­tet Beglei­tung und Men­to­ring für Schü­ler an, die Fra­gen zu Leben und Glau­ben haben.
Ich unter­rich­te der­zeit in der 11. und 12. Klas­se Bibel­kun­de und arbei­te in der Admi­nis­tra­ti­on. Dort bin ich für Visa und Arbeits­ge­neh­mi­gun­gen zustän­dig, außer­dem im Per­so­nal­be­reich für die Abwick­lung der Bewer­bun­gen. Zudem hal­te ich Andach­ten für Schü­ler und Mit­ar­bei­ter und pre­di­ge regelmäßige.

Gibt es ein Erleb­nis in der letz­ten Zeit an der Ama­no-Schu­le, das euch beson­ders bewegt hat?
Es gibt ein Mäd­chen, das seit der Grund­schu­le bei uns ist und etwas unbe­re­chen­bar war. Wir sind schwer an sie ran­ge­kom­men und wir haben uns immer Sor­ge um sie gemacht. Vor zwei Jah­ren hat sie sich tau­fen las­sen. Ihr Leben hat sich seit­her kom­plett ver­än­dert. Sie ist auf­ge­weckt und inter­es­siert und man kann rich­tig gut mit ihr reden. Da hat sich vie­les sehr posi­tiv ver­än­dert. Das zu sehen, ist grandios.

Für die Schu­le braucht ihr drin­gend neue Mit­ar­bei­ter. Was für Leu­te sucht ihr ganz konkret?
Wenn ich die Gesamt­si­tua­ti­on an der Ama­no-Schu­le sehe, wer­den Mis­sio­na­re als Grund­schul­leh­rer am drin­gends­ten gesucht. Außer­dem wird ein Fran­zö­sisch-Leh­rer sowie eine Haus­wirt­schaft­li­che Lei­tung gesucht.

Was wür­den die wenigs­ten Deut­schen von Sam­bia erwarten?
Dass es sehr kalt sein kann und man manch­mal auch friert. Mor­gens lie­gen die Tem­pe­ra­tu­ren in der kal­ten Jah­res­zeit zwi­schen Mai und Juli manch­mal bei 8 Grad. Da ist man dann für ein Feu­er und eine Fleece­ja­cke dankbar.

Du willst die Mis­si­ons­ar­beit von Ehe­paar Witt­mann einer Spen­de unter­stüt­zen? Dann kannst du das über die­sen Link tun.

Nicht aus Abenteuerlust aufbrechen, sondern aus Liebe

BAD LIEBENZELL. Alles neu war beim Herbst­mis­si­ons­fest der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on am 14. Sep­tem­ber 2025. Zum ers­ten Mal fand die Ver­an­stal­tung nicht im Groß­zelt auf dem Mis­si­ons­berg in Bad Lie­ben­zell statt, son­dern in drei unter­schied­li­chen For­ma­ten. Das Mot­to in die­sem Jahr war „Let’s Go!“.

Zum For­mat „on site“ kamen rund 800 Besu­cher ins Mis­si­ons- und Schu­lungs­zen­trum. Rund 2.500 Men­schen kamen beim For­mat „on tour“ in 17 Orten in Süd­deutsch­land, Ber­lin und Öster­reich zusam­men. Dort berei­te­ten Mis­sio­na­re, Dozen­ten und Stu­die­ren­de aus Bad Lie­ben­zell gemein­sam mit den Gemein­den vor Ort ein eige­nes Pro­gramm vor und schal­te­ten immer wie­der Ele­men­te aus Bad Lie­ben­zell dazu. Über das For­mat „on line“ konn­te das Mis­si­ons­fest im Live­stream ver­folgt wer­den. Wei­te­re 22 Gemein­den mit etwa 2000 Besu­chern schau­ten sich gemein­sam den Got­tes­dienst an, außer­dem auch Haus­krei­se und Einzelpersonen.

Die Got­tes­dienst-Pre­digt über die Kapi­tel 15 und 16 des bibli­schen Buchs der Apos­tel­ge­schich­te hiel­ten Mis­si­ons­lei­ter Dave Jar­setz, die theo­lo­gi­sche Refe­ren­tin der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on Prof. Dr. Mihamm Kim-Rauch­holz und Nik Ebert, Mit­ar­bei­ter der Män­ner­ar­beit „Stron­ger“ gemeinsam.
Dave Jar­setz blick­te auf die Anfän­ge der Chris­ten­heit zurück: „Gott schenk­te an Pfings­ten sei­nen Geist und lös­te damit einen nie dage­we­se­nen Auf­bruch aus. Erst in Jeru­sa­lem, dann bis an die Enden der Erde.“ Der Apos­tel Pau­lus sei nicht aus Aben­teu­er­lust auf­ge­bro­chen, son­dern aus Lie­be: „Für Pau­lus sind Men­schen kei­ne Mis­si­ons­ob­jek­te, son­dern gelieb­te Geschöp­fe Gottes.
Und genau dar­um geht es auch uns: Let’s go – weil uns die Lie­be antreibt.“ Dave Jar­setz rief die Fest­be­su­cher auf, sich an der „Auf­bruchs­men­ta­li­tät“ des Pau­lus zu ori­en­tie­ren: „Gott liebt es, wenn wir ihm ver­trau­en, Ver­ant­wor­tung über­neh­men, für ande­re da sind und fröh­lich das Evan­ge­li­um wei­ter­ge­ben. Unse­re Welt braucht sol­che Auf­brü­che. Unser Land. Unse­re Gemein­den.“ Auch die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on brau­che Men­schen, die nicht auf den sprich­wört­li­chen Zet­tel vom Him­mel war­ten, son­dern selbst auf­bre­chen wol­len: „Zu den Glau­bens­ge­schwis­tern, den Bedürf­ti­gen, den Ein­sa­men, denen, die Chris­tus noch nicht ken­nen – egal, wo sie sind und leben“, so Dave Jarsetz.
Mihamm Kim-Rauch­holz sag­te, dass im Leben und Die­nen nicht alles glatt lau­fe, ohne Gegen­wind oder Wider­stän­de. Aber Chris­tus habe ver­spro­chen, dabei zu sein: „Ob in Asi­en oder Euro­pa, an einem Fluss oder im Gefäng­nis: Jesus selbst ist die ein­zi­ge Tür, und wer durch sie hin­ein­geht, fin­det Rettung.“
Nik Ebert rief die Zuhö­rer auf, ihr Leben so posi­tiv anders zu gestal­ten, dass in Men­schen das Inter­es­se an Jesus Chris­tus aus­ge­löst wer­de: „Es sind wahr­schein­lich im ers­ten Moment kei­ne Wor­te, son­dern viel mehr dein ver­blüf­fen­des Ver­hal­ten. So wird die Ret­tungs­tür für ande­re sicht­bar – viel­leicht gera­de auch in schwie­ri­gen Zeiten.“

Gemein­sam an den ver­schie­de­nen Aus­tra­gungs­or­ten des Herbst­mis­si­ons­fes­tes war die Ver­pfle­gung. Der legen­dä­re Mis­si­ons­ein­topf wur­de extra in die teil­neh­men­den Gemein­den gebracht. Für das Mis­si­ons­fest wur­de die­ses Jahr ein eige­nes Lied ent­wi­ckelt. Kom­po­niert hat es Mar­kus Heus­ser, Lei­ter der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on Ado­nia Deutsch­land. Die Musik beim For­mat „on site“ kam von der Band One Way Home aus Calw.

Mit dabei waren auch inter­na­tio­na­le Gäs­te. Fre­dy und Daja­na Javier berich­te­ten aus Nord­ma­ze­do­ni­en, ein Land, in das die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on dem­nächst zum ers­ten Mal Mis­sio­na­re ent­sen­den wird. Die bei­den lei­ten eine Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on vor Ort und bil­den zukünf­ti­ge Lei­ter für Orga­ni­sa­tio­nen oder Unter­neh­men aus. Sie wol­len Meschen ganz prak­tisch Got­tes Lie­be weitergeben.
Samu­el Yawi­la von der Evan­ge­li­cal Uni­ver­si­ty in Sam­bia sag­te, dass Mis­si­on eine Her­zens­sa­che für Gott sei, weil sie von ihm kom­me. Mis­si­on brin­ge Leben in die Orte, in die sie hinkomme.

In einer Talk­run­de berich­te­ten Jamin und Naema Mas­qui­ren von ihrer Arbeit in Papua-Neu­gui­nea. Dort set­zen sie sich für Kin­der und Jugend­li­che ein, die in ille­ga­len Sied­lun­gen der Haupt­stadt Port Mores­by leben. Sie bie­ten ganz­heit­li­che Hil­fe an, um die Jugend­li­chen aus der Spi­ra­le von Gewalt und Sucht­pro­ble­men her­aus­zu­ho­len. Muri­el und Eli­as Bou­ch­erit wer­den bald nach Grie­chen­land aus­rei­sen und im Mer­cy Cen­ter in Athen evan­ge­lis­tisch und prak­tisch unter Obdach­lo­sen arbei­ten. Eve­lyn Theu­rer arbei­tet seit 17 Jah­ren in Frank­reich und steigt nun in ein Gemein­de­pro­jekt im Elsass ein.

Prof. Dr. Vol­ker Gäck­le, Rek­tor der Inter­na­tio­na­len Hoch­schu­le Lie­ben­zell (IHL) sag­te, dass im Sep­tem­ber 2026 mit einer christ­li­chen Leh­rer­aus­bil­dung begon­nen wer­de. Die Gre­mi­en der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on hat­ten bereits 2024 beschlos­sen, dass die­se neue Aus­bil­dung begon­nen wird, wenn bis zum Refor­ma­ti­ons­tag 2025 min­des­tens 700.000 Euro an Spen­den und Zusa­gen erreicht sind. Damit sol­len die nöti­gen Lehr­räu­me geschaf­fen und die Anschub­fi­nan­zie­rung für die Gehäl­ter der neu­en Pro­fes­so­ren gesi­chert wer­den. Die­ses Etap­pen­ziel wur­de bereits deut­lich frü­her als erwar­tet erreicht. Trotz­dem wür­den noch wei­te­re Spen­den für die Leh­rer­aus­bil­dung benö­tigt, so Vol­ker Gäck­le. Der end­gül­ti­ge Akkre­di­tie­rungs­be­scheid wür­de Ende Sep­tem­ber erwartet.

Der kauf­män­ni­sche Geschäfts­füh­rer Tho­mas Haid sag­te, dass neben Spen­den auch Fach­kräf­te benö­tigt wür­den – welt­weit und in der Zen­tra­le in Bad Lie­ben­zell. Drin­gend gebraucht wür­den ein Koch oder eine Köchin sowie Mit­ar­bei­ter für das Hand­wer­ker-Team, die Haus­wirt­schaft und die Pfle­ge der Missionsschwestern.

Die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on ist mit rund 250 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern in etwa 30 Län­dern eine der gro­ßen evan­ge­li­schen Mis­si­ons­ge­sell­schaf­ten in Deutsch­land. Das nächs­te Mis­si­ons­fest wird am Pfingst­sonn­tag 2026 statt­fin­den, dann wie­der im Groß­zelt auf dem Missionsberg.

Menschen so sehen, wie Jesus sie sieht

Mir­jam und David Schmück­le sind seit Okto­ber 2023 in der Arbeit „Misión Urba­na Valen­cia“ mit woh­nungs­lo­sen Men­schen in Spa­ni­en tätig. Mir­jam stu­dier­te Inter­na­tio­na­le Sozia­le Arbeit an der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Lud­wigs­burg und war in der Jugend­hil­fe aktiv. David stu­dier­te Sozia­le Arbeit, eben­falls an der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Lud­wigs­burg. Zusam­men mit ihren Kin­dern waren sie im Som­mer in Deutsch­land, um von ihrer Arbeit zu berich­ten. Wir haben ihnen eini­ge Fra­gen gestellt.

Seit ein­ein­halb Jah­ren lebt ihr in Spa­ni­en. War die­se Zeit so wie ihr es erwar­tet habt?
Man hat Erwar­tun­gen, auf was man sich freut und was schwie­rig sein könn­te. Vor Ort merkt man dann, dass ganz ande­re Din­ge einen her­aus­for­dern, als man ver­mu­tet hät­te. Den büro­kra­ti­schen Auf­wand mit den Behör­den vor Ort haben wir zum Bei­spiel etwas unter­schätzt. Als fünf­köp­fi­ge Fami­lie braucht man beim Rein­fin­den ein­fach län­ger. Uns hat mal jemand gesagt, dass es pro Per­son etwa ein Jahr braucht, um in ein neu­es Land reinzufinden.
Sehr posi­tiv ist, dass wir in der kur­zen Zeit schon vie­le Bezie­hun­gen zu Men­schen auf­bau­en konn­ten – trotz Sprach- und Kul­tur­bar­rie­ren. Das hät­ten wir nicht erwar­tet. Wir haben fast schnel­ler Bezie­hun­gen knüp­fen kön­nen als bei unse­rem Umzug inner­halb Deutsch­lands. Es ist eine Her­aus­for­de­rung, mit klei­nen Kin­dern in ein neu­es Land zu gehen. Aber es ist auch eine gro­ße Res­sour­ce, ande­re Men­schen ken­nen­zu­ler­nen. Dadurch konn­ten wir recht schnell begin­nen, Freund­schaf­ten zu knüpfen.

Ihr arbei­tet im Pro­jekt „Misión Urba­na“ in Valen­cia und küm­mert euch beson­ders um obdach­lo­se Men­schen. Was fas­zi­niert euch an die­ser Arbeit?
Das Pro­jekt gibt es schon rund 30 Jah­re und läuft größ­ten­teils mit Ehren­amt­li­chen. Men­schen aus christ­li­chen Gemein­den enga­gie­ren sich bewusst ganz prak­tisch für Men­schen am Exis­tenz­mi­ni­mum. Das fin­den wir klasse.
Aus deut­scher Sicht fas­zi­nie­rend ist, dass es bei uns kei­nen Dienst­plan gibt. Der Pro­jekt­lei­ter kommt jeden Mor­gen und es wird geschaut, wer da ist. Dann wer­den die Auf­ga­ben ver­teilt. Und das funk­tio­niert. Deut­sche wür­den nie so arbei­ten. Auf der Glau­ben­s­ebe­ne ist es ein Ver­trau­ens­schritt, dass Gott die nöti­gen Mit­ar­bei­ter für den Tag gibt. Manch­mal ist es auch her­aus­for­dernd, aber in die­sem Kon­zept steckt viel Schö­nes drin.

Habt ihr manch­mal auch Berührungsängste?
Es gibt jeman­den, der sich nie duscht und zu dem sich selbst die ande­ren Wohn­sitz­lo­sen nicht dazu­set­zen. Das ist manch­mal schon her­aus­for­dernd und man hin­ter­fragt sich da auch selbst. Es gab auch schon mal einen Poli­zei­ein­satz bei uns und es gibt schon auch Men­schen unter den Wohn­sitz­lo­sen, die einen schwie­ri­gen Hin­ter­grund haben.
Aber es ist das Herz unse­rer Auf­ga­be, die Men­schen so zu sehen, wie Jesus sie sieht.
Und Jesus hat uns eine gro­ße Lie­be für die Men­schen gege­ben, sie trotz­dem zu umar­men und sie ein­fach als Men­schen zu sehen. Und dann ist es für uns auch kei­ne gro­ße Hürde.

Kommt ihr mit den Men­schen auch über euren Glau­ben ins Gespräch?
Ja, wenn man Zeit hat, auf jeden Fall. Wäh­rend des Früh­stü­ckens ist nicht viel Zeit. Da gibt es kei­ne inhalt­li­chen Ange­bo­te. Vie­le Men­schen haben Ableh­nung erfah­ren, aber sie mer­ken, dass sie bei uns ange­nom­men sind und das Pro­jekt ein christ­li­ches Ange­bot ist.
Dann gibt es aber auch Set­tings, wo mehr Zeit ist, und die Mög­lich­keit besteht, tie­fer ins Gespräch zu kom­men. Wir haben einen Bibel­kreis oder mit den wohn­sitz­lo­sen Frau­en zum Bei­spiel schon mal die Frau­en aus der Bibel bespro­chen, die kaum gese­hen wur­den. Wir wol­len ihnen zei­gen, dass Jesus sie sieht.
Man­che haben kei­ne Ahnung vom Glau­ben, man­che brin­gen auch einen wir­ren Mix ver­schie­de­ner Reli­gio­nen mit. Wir ver­su­chen ihnen, Jesus nahe­zu­brin­gen, wie er wirk­lich ist.
Das eine ist, mit den Men­schen zu spre­chen, das ande­re ist, für sie zu beten. Das ist uns in der letz­ten Zeit beson­ders wich­tig gewor­den. Wir ver­su­chen, unse­ren Dienst aus Lie­be zu den Men­schen zu tun und den ande­ren auf Augen­hö­he zu begeg­nen. Das ist unser Wunsch, dass es auch die Moti­va­ti­on der ande­ren Mit­ar­bei­ter ist.

Füh­len sich eure Kin­der in Spa­ni­en auch wohl?
Ja, auf jeden Fall. Es hat zwar eine Zeit der Umstel­lung gebraucht, aber sie füh­len sich echt wohl. Kürz­lich hat eines unse­rer Kin­der gesagt: „Wir haben zwei Hei­ma­ten – eine in Deutsch­land und eine in Spa­ni­en.“ Alle haben mitt­ler­wei­le ihren Platz gefun­den – mit unter­schied­li­cher Geschwin­dig­keit und unter­schied­li­chen Herausforderungen.
Es ist manch­mal gar nicht so leicht, gedul­dig zu sein mit den Kin­dern, wenn sie für man­ches mehr Zeit brauchen.
Wir hät­ten uns schon vor­stel­len kön­nen, dass es schei­tert, mit den Kin­dern nach Spa­ni­en aus­zu­rei­sen. Das ist für uns nicht selbst­ver­ständ­lich, dass die Kin­der die­sen Wech­sel nicht abge­lehnt haben und sie auch die­sen Weg mit­ge­hen – mit allen Aufs und Abs.

Wenn ihr jetzt gera­de in Deutsch­land seid: Was ver­misst ihr an Spa­ni­en am meisten?
Die Fle­xi­bi­li­tät und Ent­spannt­heit der Men­schen. Wir haben uns gut dar­an gewöhnt, dass man Ter­mi­ne nicht schon ein hal­bes Jahr vor­aus pla­nen muss, son­dern vie­les spon­tan läuft.

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